VonJens Kiffmeierschließen
Säbelrasseln im Ostseeraum: Finnland und Schweden drängen in die Nato. Der Beitritt verpasst Russlands Präsident eine Schmach. Die Drohung ist gewaltig.
Moskau – Für Russland ist es eine Provokation: Der angestrebte Nato-Beitritt von Finnland und Schweden bleibt für Moskau ein Affront. Unumwunden ließ Präsident Wladimir Putin eine Drohung in Richtung Westen senden. Die Aufnahme sei ein „schwerwiegender Fehler mit weitreichenden Folgen“, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Montag der Nachrichtenagentur Interfax.
Die beiden skandinavischen Länder sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass Russland sich damit einfach abfinde, fügte er hinzu. Konkrete Gegenmaßnahmen ließ der Kreml offen, doch das Säbelrasseln im Ostseeraum hat bereits begonnen.
Putin droht der Nato: Beitritt von Finnland und Schweden verschärft den Konflikt mit Russland
Wegen des Ukraine-Kriegs hat der Beitritt von Finnland und Schweden innerhalb weniger Tage enorme Fahrt aufgenommen. Nachdem die Länder jahrzehntelang neutral waren, wollen sie kurz nach der von Wladimir Putin befohlenen Invasion einen Antrag auf Aufnahme in das Verteidigungsbündnis stellen. Nachdem in Finnland bereits am Sonntag die Entscheidung gefallen war, votierte am Montag auch eine Mehrheit in Schweden für diesen Schritt. Zuvor hatte das Parlament beraten.
Unabhängig des Ausgangs der Debatte bewerten Russland-Experten die Erweiterung des Nato-Bündnisses als schwere Schmach für den Kreml. „Für Putin ist das jetzt ein Gesichtsverlust. Sein Ziel war es ja eigentlich, die Nato zu schwächen“, sagte Thomas Jäger, Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Uni Köln, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Doch jetzt habe der Präsident das Gegenteil erreicht. Russland teilt mit Finnland eine 1300 Kilometer lange Grenze – und genau daran rückt die Nato jetzt heran.
Wladimir Putin: Mit dem Ukraine-Krieg hat Russlands Präsident den Nato-Beitritt von Schweden und Finnland provoziert
Für Putin wächst damit der Druck in den eigenen Reihen. Wegen der stockenden Offensive und einem drohenden Fiasko in der Ukraine keimen immer mehr Gerüchte um einen Putsch und einen Sturz Putins auf. Vor allem in den Reihen der hochrangigen Generäle und Sicherheitsleuten vom FSB wächst der Unmut. Doch auch bei den Oligarchen, die bereits wild über eine Krebs-Erkrankung bei Putin spekulieren, steigt die Zahl der Gegner.
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Ob Putin vor diesem Hintergrund aber die Eskalation mit der Nato sucht, ist unklar. Zwar zeigt Russland bereits mehr Präsenz im Ostseeraum, wie der russische Kampfjet über Rügen gezeigt hat, doch trotz aller Drohungen aus Moskau halten Russland-Experten derzeit die Eskalationsgefahr noch für gering. Speziell mit dem Beitritt von Finnland und Schweden ändere sich die Situation kaum, stellte Politikexperte Jäger fest. Bereits vor dem offiziellen Beitrittsgesuch hätte es zwischen den skandinavischen Ländern und der Nato Beistandsverpflichtungen gegeben.
Rubriklistenbild: © Mikhail Metzel/Olivier Matthys/dpa

