VonLukas Rogallaschließen- Bettina Menzelschließen
Putin hat den russischen Generalstabschef Gerassimow wohl doch nicht von seinen Aufgaben entbunden. Der Kreml veröffentlicht ein Video des Armee-Chefs.
Update vom 10. Juli, 12.45 Uhr: Erstmals seit dem Wagner-Aufstand im Juni ist Russlands Generalstabschef Waleri Gerassimow wieder öffentlich aufgetreten. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte Aufnahmen von einer Sitzung am Sonntag, wie Gerassimow über die Abwehr ukrainischer Raketenangriffe auf die annektierte Halbinsel Krim sowie die russischen Regionen Rostow und Kaluga informiert wird. Dabei wurde sein Titel, Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte, verwendet. Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass Putin den Armee-Chef entmachtet habe.
For the first time since the Prigozhin mutiny, Gerasimov appeared. A video with him was published today by the Ministry of Defense of Russia. The Daily Mail's information that Gerasimov was removed from his post and replaced by General Teplinsky therefore seems premature/untrue. pic.twitter.com/AncNkO4HoY
— NOELREPORTS 🇪🇺 🇺🇦 (@NOELreports) July 10, 2023
Putin soll Armee-Chef entmachtet haben
Erstmeldung vom 9. Juli: Moskau – Der gescheiterte Wagner-Aufstand rüttelte so stark an der Macht des russischen Präsidenten Wladimir Putin wie noch nie seit Beginn seiner Herrschaft. Nun müssen offenbar Köpfe rollen: Unbestätigten Berichten von pro-russischen Militärbloggern zufolge will der Kreml dem Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow, die Befehlsgewalt in der Ukraine entziehen. Das könnte nicht die einzige Änderung in der Militärführung bleiben – und wäre auch nicht die erste seit Beginn des Ukraine-Kriegs.
Kreml lässt womöglich Köpfe rollen: Müssen Gerassimow und Schoigu gehen?
Der Chef der Söldner-Gruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, hatte bei seiner „Meuterei“ Ende Juni die Entlassung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu und des Generalstabschefs Waleri Gerassimow gefordert. Laut einer Einschätzung der US-Kriegsexperten des Institute for the Study of War (ISW) vom Samstag versuche der Kreml nun die Balance zu finden, der weit verbreiteten Unzufriedenheit mit der Militärführung Rechnung zu tragen, andererseits aber nicht den Eindruck zu vermitteln, den Forderungen Prigoschins nachzugeben.
Gerassimow war seit der Wagner-Rebellion nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten und auch auf den vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Fotos einer Sitzung in Moskau Anfang Juli nicht zu sehen. Dem Generalstabschef sei die Kontrolle über die Truppen in der Ukraine entzogen worden, hieß es nun vonseiten pro-russischer Militärblogger, wie Moscow Times berichtete. Zwar würde Gerassimow den Posten des Generalstabschefs weiterhin innehaben, doch hätte er „nichts mit der Lösung von Problemen an der Front zu tun“, so der Militärblogger Rybar. Die eigentliche Leitung der militärischen Sonderoperation obliege dem Kommandeur der Luftlandetruppen, Michail Teplinski.
Ein weiterer Militärblogger teilte diese Einschätzung, eine offizielle Bestätigung des Kreml steht indes noch aus. Dagegen spräche womöglich eine mutmaßliche Wagner-Nähe des Kommandeurs. Prigoschin hatte einem ISW-Bericht von April zufolge Teplinskis Wagner-Mitgliedschaft bestätigt. Sofern sich die personelle Änderung in der russischen Militärführung bestätigt, könnte es nicht die einzige bleiben: In Militärblogger-Kreisen gab es Spekulationen, dass Moskau möglicherweise auch die Ablösung von Verteidigungsminister Sergej Schoigu plane.
Putin tauschte seit Beginn des Ukraine-Kriegs Truppenkommando in der Ukraine mehrfach aus
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs tauschte Putin die Befehlshaber der Truppen in der Ukraine bislang viermal aus. Sollte sich die Übergabe der Befehlsgewalt an Teplinski bestätigen, wäre dies der fünfte Frontchef seit Beginn der Invasion. Unklar sei indes weiterhin, wer zu Beginn des russischen Einmarsches in der Ukraine das Kommando führte, hieß es von den US-Kriegsexperten des ISW. Offiziell hatte zunächst Alexander Dwornikow die Befehlsgewalt inne, wurde dann von Gennadi Schidko ersetzt, auf den Sergej Surowikin folgte. Der auch als „General Armageddon“ bekannte Militär ist für seine Raketenangriffe auf Infrastruktur bekannt – beispielsweise auch in Syrien.
Seit dem Wagner-Aufstand war auch Surowikin nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Die New York Times hatte berichtet, er habe im Vorfeld von den Plänen Priogschins gewusst, der Kreml hatte das allerdings als „Spekulation“ zurückgewiesen. Surowikin war im Januar 2023 zu einem Stellvertreter des nun womöglich ebenfalls entlassenen Generalstabschefs Gerassimow zurückgestuft worden. Laut einer ISW-Analyse hatte der Kremlchef von Februar vergangenen Jahres bis Mai 2023 insgesamt 17 hochrangige Kommandeure der russischen Streitkräfte entlassen.
