VonFelix Busjaegerschließen
Protest gegen Putin ist nicht ungefährlich. Die Journalistin Owsjannikowa wurde wegen ihrer Aktion im Fernsehen bekannt und bezeichnet Putin als Mörder.
Moskau – Vor einigen Monaten sorgte die Journalistin Marina Owsjannikowa mit einer Plakataktion im russischen Fernsehen für einen Eklat: Offen sprach sie sich gegen die Politik von Wladimir Putin aus und erntete dafür international viel Anerkennung. Im eigenen Land sah sie sich aber Verfolgung und Geldstrafen ausgesetzt. Nun hat 44-jährige Russin gegen den Kremlchef nachgelegt und sich gegen den Krieg in der Ukraine positioniert. Owsjannikowa veröffentlichte am Freitag auf ihrem Telegram-Kanal ein Video und ein Foto, das sie mit einem Plakat in der Hand an einer Uferpromenade in Moskau zeigt.
Protest gegen Wladimir Putin wegen Ukraine-Krieg: Journalistin Owsjannikowa protestiert wieder gegen den Kreml
Mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs hatte Wladimir Putin in seinem Land in der Öffentlichkeit von einer „Spezialoperation“ gesprochen. Auch im Staatsfernsehen wurde diese Ansicht verbreitet und von einem westlichen Aggressor gesprochen. Dass die Medien in Russland linientreu zu Putin agieren, ist allerdings kein Phänomen des Kriegs: Ähnlich wie die politische Opposition werden kritische Medien systematisch verfolgt und unterdrückt. Wladimir Putin setzt seit jeher auf funktionierende Propaganda – auch im Ukraine-Krieg. Eine Pressefreiheit gibt es in Russland nicht.
Um aus dem Kreis der gleichgeschalteten Berichterstattung auszubrechen, war Owsjannikowa Mitte März in die Livesendung des Staatsfernsehens gelaufen und hatte ein Protestplakat gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gezeigt. Darauf stand: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“.
„Putin ist ein Mörder“: Marina Owsjannikowa legt gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach
Für ihren neuen Protest ließ sich Owsjannikowa an der Moskwa ablichten. Im Hintergrund ist auf der anderen Flussseite der Kreml zu sehen und ihr Protest kennt besonders eine Richtung: „Putin ist ein Mörder“, steht auf dem Plakat. Außerdem ist zu lesen, dass Putins Soldaten Faschisten seien. In der Ukraine seien bereits 352 Kinder getötet worden. „Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?“, fragt Owsjannikowa mit ihrem Protest.
Wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt, ist auf den Bildern nicht zu erkennen, wann sie aufgenommen wurden. Ebenfalls unklar war zunächst, wie lange Owsjannikowa mit dem Plakat in der Hand auf dem Bürgersteig stand und ob sie dabei von Sicherheitskräften bemerkt wurde. Von einer Festnahme wurde nicht berichtet.
Protest gegen Putin ist gefährlich: lange Haftstrafen drohen
Während Protestaktionen in Deutschland zum Bild der Demokratie gehören und die Pluralität der Gesellschaft ausdrücken, bergen sie in Russland hingegen eine große Gefahr. Wer Russlands Krieg gegen die Ukraine in der Öffentlichkeit kritisiert, muss nach einem recht neuen Gesetz mit harten Strafen rechnen. Im schlimmsten Fall werden die Protestler wegen der angeblichen „Diskreditierung“ der russischen Streitkräfte verurteilt und müssen für mehrere Jahre in ein Straflager. (Mit Material der dpa)
