VonPatrick Mayerschließen
Eine ukrainische Drohne trifft ein Landungsschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Die Marine Moskaus versucht, die „Olenegorski Gornjak“ zu retten. Was wir wissen, und was nicht.
München/Noworossijsk – Es soll im Ukraine-Krieg weitere solcher Attacken geben: Das hat ein Geheimdienstsprecher in Kiew nach dem Angriff einer ukrainischen Seedrohne auf ein russisches Landungsschiff im Schwarzmeerhafen von Noworossijsk angekündigt.
Ukraine-Krieg: Landungsschiff der russischen Schwarzmeerflotte wohl von Drohne getroffen
Getroffen wurde wohl die „Olenegorski Gornjak“ (zu Deutsch: Olenegorsker Bergmann), ein 112,5 Meter langes Kriegsschiff der Klasse Projekt 775. Ereignet haben soll sich der maritime Angriff, zu dem ein nicht verifizierbares Video kursiert, vor der Küste im äußersten Südwesten Russlands. Also nicht im Umfeld der Krim, wo die Schwarzmeerflotte in Sewastopol stationiert ist.
Das russische Verteidigungsministerium hatte behauptet, die Attacke auf seine Schwarzmeerflotte sei abgewehrt worden. Auf Videos und Bildern, die in den sozialen Medien kursieren, ist dagegen zu sehen, dass das Schiff offensichtlich gehörig Schlagseite hat. Es wäre der nächste Rückschlag für Kreml-Chef Wladimir Putin. IPPEN.MEDIA erklärt, was zum Landungsschiff „Olenegorski Gornjak“ bekannt ist, und was nicht.
#War Another detailed photo of the damaged ship. Apparently the drone hit the stern from the left side. Taking into account the design features of the amphibious ships of project 775, I will assume that one or more fuel or ballast tanks of this ship are flooded. pic.twitter.com/RrojOgz4og
— Capt(N) (@Capt_Navy) August 4, 2023
Überliefert ist: Die Ukraine reklamiert den wohl erfolgreichen militärischen Angriff für sich. Die Kyiv Post zitierte eine namentlich nicht genannte Quelle aus den Reihen des ukrainischen Geheimdienstes SBU: „Der SBU führte eine Sonderoperation in der Noworossijsker Bucht durch. Das große amphibische Angriffsschiff ‚Olenegorsky Gornyak‘ wurde dabei beschädigt.“
Landungsschiff „Olenegorski Gornjak“: Video von ukrainischer Überwasserdrohne
Das beschriebene Video (siehe oben) zeige, „wie eine SBU-Überwasserdrohne, beladen mit 450 Kilogramm TNT, ein feindliches Schiff mit etwa 100 Besatzungsmitgliedern angreift“. Weiter wird erklärt: „Infolge des Angriffs erlitt Olenegorsky Gornyak ein schweres Loch und ist derzeit nicht in der Lage, seine Kampfaufgaben zu erfüllen. Daher sind alle russischen Aussagen über einen abgewehrten Angriff falsch.“
Darauf, dass diese Einschätzung stimmt, deutet ein weiteres Video hin, das bei Twitter die Runde macht (siehe unten). Demnach wurde offenbar ein Kriegsschiff der Projekt-775-Klasse vor die russische Küste geschleppt. Wann und wo das Video genau entstanden ist, lässt sich derweil nicht unabhängig überprüfen. Gut erkennbar ist aber der typische, langgezogene und an der Spitze schanzenförmig ansteigende Bug der Schiffsklasse, die ein Leergewicht von 2200 Tonnen hat.
Landungsschiff „Olenegorski Gornjak“: Ukrainische Seedrohne in Form eines Jetskis?
Wie verschiedene Medien berichten, unter anderem das Nachrichtenportal The Daily Beast, haben die Ukrainer in den vergangenen Monaten eine Wasserdrohne der vierten Generation entwickelt, die die Form eines Kajaks oder Jetskis haben soll. Sie soll demnach in der Lage sein, sich ihrem Ziel geräuschlos und mit hoher Geschwindigkeit zu nähern. Die Überwasserdrohne soll auch beim jüngsten Angriff auf die Krim-Brücke im Einsatz gewesen sein.
In the night, Ukraine bombed the port of Novorossiisk. It appears to have landed a direct hit on the “Olenegorsky Miner”, one of Russia’s landing ships. pic.twitter.com/dlaps3ggSj
— Timothy Phillips (@TSJPhillips) August 4, 2023
„Olenegorski Gornjak“: Russisches Radar kann ukrainische Drohne wohl nicht orten
Das russische Radar war wohl erneut nicht in der Lage, das Gefährt rechtzeitig zu erkennen. Wegen der aerodynamischen Form, die die Radarwellen nicht erfassen können, wie bei Tarnkappenbombern? Dazu ranken sich im Internet reichlich Spekulationen, während Kiew zur Technik schweigt.
„Für die Ukraine ist das eine gute und gerechte Nachricht. Das wird weitergehen“, sagte der Sprecher des Militärgeheimdienstes HUR, Andrij Jussow, im russischsprachigen Auslandssender Freedom des ukrainischen Staatsfernsehens. Jussow betonte, dass gerade diese Landungsschiffe eine Gefahr für die Ukraine seien. Für die russische Propaganda sei die Nachricht dagegen eine Tragödie, meinte er.
Für die Ukraine ist das eine gute und gerechte Nachricht. Das wird weitergehen.
Landungsschiffe sind mit ihrem flachen Tiefgang von maximal 3,7 Metern darauf ausgelegt, Bodentruppen an Küstenabschnitten anzulanden. Neben Infanterie können leichtere Panzer wie BMP1- und BMP2-Schützenpanzer transportiert werden. Die „Olenegorski Gornjak“ wurde 1982 in der damaligen Sowjetunion in Dienst gestellt. Die Schiffe sind in der Regel mit je vier Strela-3-Flugabwehrraketen, zwei Grad-M-Mehrfachraketenwerfern sowie zwei AK-725-Geschütztürmen bewaffnet.
„Olenegorski Gornjak“: Russland hat wohl insgesamt 17 dieser Landungsschiffe
Von einstmals 25 sowjetischen Landungsschiffen sollen noch 17 im Dienst Russlands sein. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs wurde gemutmaßt, mit diesen und anderen Landungsschiffen könnte die ukrainische Hafenstadt Odessa angegriffen werden. Die russische Marine versucht nun offenbar alles, um die „Olenegorsky Gornyak“ in Küstennähe zu stabilisieren und zu retten. Bislang soll es trotz der Schlagseite nicht gesunken sein. (pm)
Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@Capt_Navy
