Unmut in den USA

Lawrow sucht „auf Tour“ Freunde: Lula rügt Westen - und bekommt Einladung von Putin

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Putin bemüht sich stets um weitere Verbündete. Jetzt will er den brasilianischen Präsidenten Lula da Silva in St. Petersburg treffen.

Moskau/Rio de Janeiro - Lange hofiert von Brasiliens Ex-Staatschef Jair Bolsonaro, will der russische Präsident Wladimir Putin nun wieder neue Freundschaften in Südamerika schließen. Er hat seinen brasilianischen Amtskollegen, Luiz Inacio Lula da Silva, zum Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg eingeladen, wie Lulas Außenminister Mauro Vieira am Montag (17. April) sagte.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow überreichte Lula die Einladung bei einem persönlichen Treffen in der Präsidentenresidenz, berichtete die russische Staaatsagentur Tass. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass der Ukraine-Konflikt so schnell wie möglich endet“, sagte Lawrow bei seinem Besuch in Brasilia. Er soll laut Tass auf einer „Lateinamerika-Tour“ auch noch Nicaragua, Venezuela und Kuba besuchen.

Brasilien und Russland: Lula riskiert guten Beziehungen zum Westen

Zuvor hatte Lawrow den brasilianischen Außenminister Mauro Vieira getroffen und mit ihm über Handel und Energie, aber auch über den Ukraine-Krieg gesprochen. Lawrow dankte dem Gastland für das „klare Verständnis“ über die Entstehung dieses Konflikts. Ihm gehe es um eine „dauerhafte und nicht sofortige“ Lösung. Zugleich bekräftigte Lawrow seine Forderung nach einer „multipolaren“ Weltordnung. Er warf dem Westen vor, dieser versuche, „die internationale Arena zu dominieren“.

Lula in China: USA werfen dem Staatsoberhaupt von Brasilien Propaganda vor. (Archivbild)

Am Wochenende hatte Lula den Westen während einer offiziellen China-Reise kritisiert und Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg mit „politischen G20“ angekündigt. Beobachter hatten gewarnt, dass Lula seine guten Beziehungen zum Westen riskiert.

Brasilien auf Annäherung mit Putins Russland? USA rügen „Nachplappern“ von „Propaganda“

Aus den Vereinigten Staaten gab es ebenfalls Kritik. „Brasilien hat die russische und chinesische Propaganda nachgeplappert, ohne die Tatsachen zu betrachten“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Montag in Washington. Es sei zutiefst problematisch, wenn Brasilien behaupte, dass die USA und Europa nicht am Frieden interessiert oder für den Krieg mitverantwortlich seien.

Der brasilianische Außenminister Mauricio Vieira bekräftigte das Interesse Brasiliens an einer friedlichen Lösung und kritisierte Sanktionen gegen Russland. „Solche Maßnahmen haben negative Auswirkungen vor allem auf die Wirtschaft in Entwicklungsländern.“ Brasilien hängt als einer der weltweit führenden Agrarproduzenten von Düngemitteln aus Russland ab.

Der russische Präsident hatte eine enge Beziehung zum ehemaligen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, der sich ebenfalls gegen Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hatte. „Die wirtschaftlichen Barrieren, die die Vereinigten Staaten und Europa gegen Russland errichtet haben, haben nicht funktioniert“, sagte Bolsonaro im Juli 2022; seine Position gegenüber Putin und dem Ukraine-Konflikt sei „eine des Gleichgewichts“. Diese Haltung, erklärte damals Bolsonaro, habe es ihm ermöglicht, Düngemittel aus Russland zu beziehen, die für den riesigen brasilianischen Agrarsektor wichtig sind. (AFP/yec)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ton Molina

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