Putin plant eine Verdopplung der Truppenstärke – wird der Krieg jetzt noch brutaler?
VonKlaus Rimpel
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Ukrainische Soldaten rücken auf Kreisstadt in Kursk vor – Kommunalwahl in einigen Gemeinden der russischen Region verschoben.
Kursk/München – Die Ukraine erobert weitere Gebiete in der russischen Region Kursk. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) nannte Fotos aus der Region als Beleg dafür, dass die Ukrainer sich dichter an die Kreisstadt Korenjewo vorkämpfen. Von der Stadt Sudscha aus, die gleich zu Beginn der Offensive in ukrainische Hände fiel, gehe der Vormarsch nach Osten weiter.
Die russische Armee wiederum hat nach eigenen Angaben ein weiteres Dorf in der ostukrainischen Region Donezk eingenommen. Man habe die Ortschaft Schelanne „befreit“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau in seinem täglichen Bericht mit. Rund 20 Kilometer entfernt von Schelanne befindet sich die Stadt Prokowsk, die als wichtiger logistischer Knotenpunkt gilt.
Die Ukraine startete gestern den größten Drohnenangriff auf Moskau seit Monaten. Die russische Luftabwehr teilte mit, über der russischen Hauptstadt und der angrenzenden Region elf Drohnen abgeschossen zu haben. „Dies ist einer der bislang größten Versuche, Moskau mit Drohnen anzugreifen“, erklärte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin.
Drohnenangriffe auf Moskau sind selten. Im Mai hatte Russland erklärt, eine Drohne außerhalb der Hauptstadt abgeschossen zu haben. Dabei war es auch an den beiden Moskauer Flughäfen kurzzeitig zu Einschränkungen gekommen.
Putin plant im Ukraine-Krieg Vergeltung für Drohnen-Angriff auf Moskau
Wladimir Putin, der massiv unter Druck geraten ist, plant offenbar brutale Vergeltung. Der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine, Iwan Gawriljuk, sagte, Russland wolle seine Streitkräfte in der Ukraine weiter ausbauen. Demnach soll die russische Armee ihre Truppenstärke verdoppeln – von 400.000 zu Jahresbeginn über 600.000 aktuell auf 800.000 am Ende des Jahres.
Auf eine unpopuläre Generalmobilmachung will der Kreml aber weiter verzichten. Stattdessen lockt Putin junge Männer mit Geld: Russlands Verteidigungsministerium zahlt 1800 Euro Sold pro Monat, wenn man sich verpflichtet, freiwillig in der Ukraine Kriegsdienst zu leisten. Mehr als das Doppelte des russischen Durchschnittslohns, der bei nur 750 Euro im Monat liegt.
Bei einem Besuch im Kaukasus verglich Putin die Situation mit dem islamistischen Terror in Beslan vor 20 Jahren, als tschetschenische Separatisten eine Schule überfielen und mehr als 1100 Menschen als Geiseln nahmen. Auch damals habe das Ausland diese „Feinde Russlands“ unterstützt, behauptete Putin ohne jeden Beweis. Nun würden sie Verbrechen im Gebiet Kursk und im Donbass verüben. Doch genauso wie damals gegen die Terroristen werde Russland heute auch gegen die „Neonazis“ siegen, so der 71-Jährige.
Russland verschiebt im Ukraine-Krieg Wahlen in Kommunen der Region Kursk
In Anbetracht der ukrainischen Offensive hat Russland die anstehenden Lokalwahlen in sieben Kommunen der Region Kursk verschoben. „Die Zentrale Wahlkommission unterstützt den Vorschlag der Wahlkommission der Region Kursk, die Wahlen in sieben Gemeinden zu verschieben“, teilte das Gremium mit.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Die Wahlen sollten stattfinden, sobald eine „vollständige Garantie für die Sicherheit der Wähler“ gewährleistet werden könne, erklärte die Kommission weiter. Im Rest der Region Kursk sollen die Bürger aber wie geplant zwischen dem 28. August und dem 8. September den Gouverneur wählen. Die Kommissionsvorsitzende Tatjana Malachowa kündigte an, dass die Wahlhelfer mit Schutzwesten und Helmen ausgestattet werden. Außerdem würden zusätzliche Wahllokale in anderen Landesteilen eingerichtet, in die Menschen geflohen seien. (Klaus Rimpel)