US-Geheimdienst berichtet

Putins Armee gehen Artilleriegeschosse aus: Nordkorea soll mit „verschleierten Lieferungen“ helfen

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Die russischen Streitkräfte haben aktuell wohl mit einem Mangel an Munition zu kämpfen. Lieferungen aus Nordkorea sollen Abhilfe schaffen und stärken die Beziehung zwischen Moskau und Pjöngjang.

Moskau - Das russische Militär bereitet sich aktuell auf einen harten Winter vor. Die Offensivbemühungen der Streitkräfte beschränken sich bereits seit mehreren Wochen auf ein Minimum. Nachdem die ukrainische Armee bereits weite Teile der besetzen Region Charkiw zurückerobert hat, nimmt Kiew jetzt den Süden des Landes in Visier. Erstes Zwischenziel soll dabei die Rückeroberung der strategisch wichtigen Metropole Cherson sein. Von da aus könnten die ukrainischen Truppen weiter an der Schwarzmeerküste in Richtung der Städte Melitopol und Mariupol vorstoßen.

Putins Streitkräften geht die Munition aus – Nordkorea soll Artilleriegeschosse liefern

Als weiteres großes Problem für die russischen Streitkräfte könnte sich in den kommenden Monaten ein Mangel an Munition erweisen. Gerade bei Artilleriegeschossen sei der Bedarf so groß, dass Moskau nun wohl auf Lieferungen aus Nordkorea zurückgreifen muss. Wie das britische Portal the Guardian berichtet, soll der Kreml über den Winter verstärkt auf Geschosse aus nordkoreanischer Produktion zurückgreifen, um die nationale Munitionsproduktion zu entlasten.

US-Geheimdienste meldeten bereits in der vergangenen Woche in einem Bericht, dass Nordkorea die Waffenlieferungen verschleiern könnte, in dem die Lieferungen durch Drittstaaten in Afrika oder dem Nahen Osten erfolgen.

Russlands Präsident Wladimir Putin posiert auf einem von der staatlichen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichtem Bild mit russischen Soldaten.

Wahres Ziel „verschleiert“: US-Offizieller berichtet von Waffenlieferungen durch Nordkorea

„Unsere Informationen deuten darauf hin, dass die DVRK Russlands Krieg in der Ukraine heimlich mit einer beträchtlichen Anzahl Artilleriegranaten versorgt, während sie das wahre Ziel der Waffenlieferungen verschleiert, indem sie versucht, den Anschein zu erwecken, als würden sie in Länder im Nahen Osten oder Nordafrika geschickt“, erklärte John Kirby, der Kommunikationsdirektor des United States National Security Council.

Angaben zu den Ländern, über welche die Waffenlieferungen laufen, machte Kirby nicht. Nordkorea arbeitet jedoch seit Längerem mit dem Iran zusammen – unter anderem bei einem gemeinsamen Raketenprogramm – und Pjöngjang lieferte in der Vergangenheit bereits Waffen an Teheran.

Ukraine-Krieg könnte Abhängigkeit zwischen Russland und Nordkorea weiter verstärken

Auch Russland und Nordkorea haben eine gemeinsame Vergangenheit. Pjöngjang erkannte als eines der wenigen Länder die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson durch Russland an. Moskau blockierte zuvor neue Sanktionen gegen Nordkorea durch sein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Die Entwicklungen im Ukraine-Krieg könnten nun dazu beitragen, dass sich die Abhängigkeit zwischen Russland und Nordkorea weiter verstärkt.

„Russland hat Engpässe in mehreren Schlüsselbereichen, wie dem Vorrat von 122-mm-Munition, und Nordkorea hat einen beträchtlichen Vorrat von dieser Munition“, erklärt Militärexperte Jack Watling gegenüber the Guardian. Pjöngjang bietet sich auch deswegen für Waffenlieferungen nach Russland an, da die Streitkräfte nordkoreanische Varianten von sowjetischen Waffensystemen benutzen, die mit den russischen Systemen kompatibel sind.

Russland kauft wohl Munition aus Nordkorea – Hinweis auf Zustand der Armee?

Die wachsenden Bestrebungen Moskaus, Waffen und Munition im Ausland zu kaufen, könnten einen weiteren Hinweis auf den schlechten Zustand der russischen Armee geben. Zuletzt bestätigte auch der Iran erstmals die Lieferung von Kamikaze-Drohnen vom Typ Shahed-136 an Russland. Diese setzte das russische Militär in den vergangenen Wochen bei Angriffen auf ukrainische Metropolen ein. (fd)

Rubriklistenbild: © MIKHAIL KLIMENTYEV/AFP

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