Bei England-Besuch: Trump und Starmer feilschen um 42-Milliarden-Dollar-Deal und Putin-Strategie
VonKonstantin Ochsenreiter
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Donald Trump trifft heute Premierminister Keir Starmer. Im Fokus stehen Wirtschafts-Deals, der Ukraine-Krieg und die brisante Epstein-Verbindung.
London – Der Staatsbesuch von Donald Trump in Großbritannien geht in die nächste Runde. Am Mittwoch (17. September) traf der US-Präsident König Charles III., der sich betont zugewandt zeigte: Er hob die gemeinsamen Werte beider Nationen hervor, mahnte jedoch auch deren Verpflichtungen an. Dieser Ton könnte beim heutigen Treffen von Trump mit dem britischen Premierminister Keir Starmer zur Zukunft der Nato entscheidend sein.
Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern
Der US-Präsident wird am Donnerstag von Starmer auf dessen Landsitz Chequers nordwestlich von London empfangen. Im Mittelpunkt des Treffens steht ein milliardenschweres Wirtschaftsabkommen zu Technologie und Atomkraft.
Trump zu Besuch in England: US-Präsident trifft Keir Starmer – Deal von Tech-Riesen und Ukraine-Krieg
Trump hatte bereits vor seinem Abflug angekündigt, er wolle den Staatsbesuch nutzen, um das Handelsabkommen vom Mai weiter auszuarbeiten. Beide Länder hatten sich damals auf ein Grundsatzabkommen zu Zöllen und Handel geeinigt. Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dürfte bei dem Gespräch eine Rolle spielen.
Nach den Gesprächen steht ein gemeinsames Mittagessen von Trump und Starmer auf dem Programm, anschließend eine Pressekonferenz. Am Donnerstagabend will Trump in die USA zurückreisen.
Zuletzt begrüßte US-Präsident Donald Trump im Juli den britischen Premierminister Keir Starmer und seine Frau Victoria auf dem Trump Turnberry Golfplatz. (Archivbild)
Trump will bei Treffen mit Starmer in London an Handels-Deal feilen
Anlässlich des hohen Besuchs aus den USA kündigten bereits mehrere US-Tech-Riesen Milliardeninvestitionen für die britische KI-Infrastruktur an. Binnen vier Jahren werde Microsoft 30 Milliarden Dollar investieren, wie das Unternehmen laut der Nachrichtenagentur AFP erklärte. Etwa die Hälfte des Geldes soll in Cloud-Computing und KI-Infrastruktur fließen.
Insgesamt wollen US-Tech-Giganten in Großbritannien 42 Milliarden Dollar bereitstellen. Die Investitionen sind Teil eines „Technologie-Wohlstandsabkommens“, welches auch Vereinbarungen zur Zusammenarbeit der USA und Großbritannien im Atom- und Raumfahrtsektor umfasst. Wie Politico berichtet, werden beide Länder eine Technologiepartnerschaft unterzeichnen und sich verpflichten, in Bereichen wie KI, Quantenphysik und Raumfahrt zusammenzuarbeiten. Der Schwerpunkt soll auf Forschung, Beschaffung und Qualifikationen liegen. Die britische Botschaft in Washington stellte dies als Möglichkeit dar, China im Technologiewettlauf zu schlagen.
England-Besuch: Trump und Starmer beraten bei Treffen zum Ukraine-Krieg
Beim Treffen von Premierminister Keir Starmer mit US-Präsident Donald Trump steht neben wirtschaftlichen Fragen besonders der Ukraine-Krieg im Fokus. Nachdem zuletzt russische Drohnen den polnischen Luftraum verletzt hatten, sieht sich die NATO vor einer neuen Bewährungsprobe. Starmer könnte versuchen, den 79-jährigen Trump einmal mehr von der Bedeutsamkeit des transatlantischen Bündnisses zu überzeugen.
Die USA bewegen sich zuletzt zwar merklich in Richtung Sicherheitsgarantien für Kiew, diese sind jedoch noch nicht ausgearbeitet und hängen von einem Waffenstillstand ab. „Die Koalition der Willigen ist deutlich vorangekommen. Jetzt liegt es an Präsident Putin, zu zeigen, dass er es ernst meint, und sich an den Verhandlungstisch zu setzen“, so Starmers Sprecher am Montag gegenüber Politico. Trump hatte seinerseits erklärt, er sei bereit, „massive Sanktionen“ gegen Moskau zu verhängen, wenn die NATO-Mitglieder den Kauf von russischem Öl einstellen.
Starmer setzte bereits auf einen besonderen Trumpf: König Charles III. erinnerte bei seinem Treffen mit Trump an gemeinsame Geschichte, Kultur und demokratische Tradition. Der König erklärte: „Unsere Länder arbeiten zusammen für die so wichtigen diplomatischen Fortschritte, was auch Ihr Ansatz ist, Lösungen zu finden für einige der hartnäckigsten Konflikte, um Frieden zu schaffen.“ Die anerkennenden Worte dürften dem US-Präsidenten imponiert haben. Trump lobt sich selbst gerne dafür, dass er seine Meinung nach viele Konfilte beendet hat, und strebt offenbar den Friedensnobelpreis an.
Proteste in Großbritannien gegen Trump-Besuch bei Starmer: Epstein-Beziehung im Fokus
Gegen den Trumps Besuch in Großbritannien gab es auch Proteste. Nach Berichten der BBC schätzte die Polizei 5.000 Teilnehmer, welche sich zu einer Kundgebung auf dem Parliament Square in London versammelten. Einige Demonstranten trugen Schilder mit Slogans wie „Nein zu Rassismus“, „Nein zu Trump“ und „Stoppt die Bewaffnung Israels“. Andere trugen kleinere Versionen des sechs Meter hohen Trump-Baby-Blimps.
Besonders für Aufsehen sorgten Protestaktionen, bei denen Demonstranten die Beziehung zwischen Trump und Jeffrey Epstein anprangerten. In den sozialen Medien war eine Art Diashow zu sehen, welche für einige Minuten auf dem Turm des Schlosses in Windsor ablief. Darauf zu sehen waren der US-Präsident und der verstorbene Sexualstraftäter.
In Großbritannien ist die Stimmung zum Epstein-Fall besonders angeheizt, da kürzlich der britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, wegen seiner Verbindungen zu dem Sexualstraftäter entlassen wurde. Auch der britische Royal Prinz Andrew steht wegen Verbindungen zu Epstein unter Druck. (Quellen: AFP, Politico, Tagesschau, Reuters, The Guardian, BBC, Deutsche Welle) (kox)