Einschlag der Storm-Shadow: Video zeigt Angriff auf Krim-Brücke – hinter Attacke steckt neue Strategie
VonBedrettin Bölükbasi
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Die Tschonhar-Brücke ist eine wichtige Landverbindung zur von Russland besetzten Krim. Eine ukrainische Storm-Shadow-Rakete hat sie nun beschossen. Dahinter steckt eine neue Strategie.
Kiew/Tschonhar – Im Ukraine-Krieg sind logistische Routen für die Truppen von Kreml-Chef Wladimir Putin von großer Bedeutung. Ohne Nachschub kann der Angriffskrieg nicht fortgesetzt werden, inmitten der ukrainischen Gegenoffensive erst recht nicht. Ein Angriff auf die Tschonhar-Brücke zur Krim könnte die russische Armee jetzt in Schwierigkeiten bringen.
Ukraine-Krieg: Tschonhar-Brücke zur Krim wird beschossen
Die Brücke ist eine der wenigen Landverbindungen zwischen der Halbinsel Krim und dem südukrainischen Cherson, die vom Sywaschsee getrennt werden. Der Sywasch ähnelt dabei einer Art Sumpf und wird auch als „Faules Meer“ bezeichnet. Am Donnerstag (22. Juni) berichteten prorussische Beamte auf der Krim, die Tschonhar-Brücke sei von Explosionen erschüttert worden.
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Sergei Aksonow, der von Russland eingestellte Gouverneur der Krim, erklärte, es gab keine Verluste bei den Explosionen und man untersuche, welche Munition verwendet worden sei. Kurz darauf meldete sich auch Wolodymyr Saldo, der prorussische Besatzungsgouverneur von Cherson zu Wort und gab noch mehr Details an: Die Brücke sei von britisch-französischen Storm-Shadow-Raketen beschossen worden. Die Raketen wurden vor kurzem an die ukrainische Armee geliefert. Die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete, man habe französische Teile zwischen den Raketentrümmern gefunden.
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Ein russisches Untersuchungskomitee behauptete schließlich, vier Raketen seien auf der Brücke eingeschlagen. Videos im Netz zeigen den Einschlag der Rakete und die riesige Explosion auf der Tschonhar-Brücke. Russische Medien und Kriegsblogger veröffentlichten außerdem auch Aufnahmen eines riesigen Lochs inmitten der Brücke. „Die Reparatur der Brücke wird einige Wochen dauern, da wir zuerst noch die richtigen Materialien bestellen müssen“, sagte der von Russland ernannte Transportminister der Krim, Nikolaj Lukaschenko. Auf der unbeschädigten Seite der Brücke werde der Verkehr aber weiter laufen, versicherte er. Große Beeinträchtigungen werde es nicht geben.
Noch gab es zwar keine Kommentare aus dem Kreml zum Angriff, doch russischen Staatsagenturen und Beamten zufolge steckt ganz klar die Ukraine hinter dem Angriff. Aus Kiew kamen zwar bereits Stimmen zum Vorfall, doch die Verantwortung wurde nicht mit klaren Worten übernommen. Vielmehr handelte es sich um verdeckte Botschaften. „Die Arbeit läuft und wird weitergehen“, sagte Andrij Yusow, der Sprecher des ukrainischen Geheimdienstes, angesichts des Angriffs auf die Brücke im Sender Kanal 24.
Zuvor hatte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu mit einer Antwort gedroht, falls Storm-Shadows oder weitere Raketen die Krim ins Visier nehmen sollten. Auch darauf antwortete Yusow: „Diese langweiligen und depressiven Propagandisten, diese Fremdenhasser und Imperialisten können uns sagen, was sie wollen. Es wurde bereits alles gesagt. Jetzt werden die Ukrainer reden.“
Tschonhar-Brücke wichtige logistische Route: Angriff ist ein großer Schlag gegen Russland
Hinter dem Angriff auf die Brücke dürfte die Strategie stecken, die logistische Verbindung zwischen der Krim und Cherson sowie den restlichen besetzten Gebieten zu kappen. So versorgt das russische Militär Putins Truppen etwa in Saporischschja von dieser Brücke aus mit Nachschub. Ohne Nachschub können russische Soldaten ihre Stellungen gegen die ukrainische Gegenoffensive nur sehr schwer und sicherlich nicht lange verteidigen. Somit ist die Brücke eine lebenswichtige logistische Route für die Soldaten Moskaus.
Darauf machte auch Yurij Sobolewskji, ein ukrainischer Politiker aus Cherson, aufmerksam. „Der Schaden auf der Tschonhar-Brücke ist von großer Bedeutung“, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal und ergänzte: „Es ist ein Schlag gegen die militärische Logistik der Besatzer.“ Sobolewskji zog zudem einen Vergleich zu ukrainischen Erfolgen in Cherson im November 2022. Die Rückeroberung des rechten Ufers von Cherson sei kurz nach Angriffen auf die Antonowski-Brücke über den Fluss Dnepr erfolgt. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Gefechte im Süden nun dynamischer ausfallen werden“, so Sobolewskji.
Der Angriff auf die Tschonhar-Brücke stellt aber auch erneut einen großen psychologischen Schlag gegen die russische Kriegsführung dar. Das zeigt, dass die Ukraine Nachschubrouten von Russland jederzeit mit westlichen Präzisionswaffen bequem ins Visier nehmen kann. So auch Sobolewskji: „Der psychologische Effekt ist umso wichtiger. Es gibt keine Stelle auf dem Territorium von Cherson, wo sie sich sicher fühlen können.“ (bb)