„Grundlegende Schießfertigkeiten“

Wegen Putins Ukraine-Krieg: Polens Post lässt Beschäftigte an Waffe ausbilden

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Die polnische Armee soll wachsen: Die Post des Landes lässt ihre Mitarbeiter an der Waffe ausbilden. (Bild zeigt die Ehrengarde)
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In Polen wird die Aggression von Wladimir Putin mit Sorge verfolgt. Die Post des Landes zieht daraus nun Konsequenzen und lässt ihre Mitarbeiter an der Waffe ausbilden.

München - Angesichts der großspurigen Töne aus dem Kreml befürchten viele Beobachter, dass Russlands Machthaber Wladimir Putin seinen Feldzug nicht beenden wird, sollte der Angriffskrieg in der Ukraine erfolgreich sein - der schon jetzt immensen Verluste in seinen Truppen zum Trotz. Als mögliches nächstes Ziel wurde immer wieder die Republik Moldau genannt, die wie die Ukraine kein NATO-Mitglied.

Sucht Putin die direkte Konfrontation mit dem transatlantischen Verteidigungsbündnis, könnte er sich aber auch auf das Baltikum fixieren. Dieses ist nur über die sogenannte Suwalki-Lücke zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad mit den NATO-Partnern verbunden. Hier ließ Russland gerade erst wieder erfolgreich die Muskeln spielen, als es um den Transport von mit EU-Sanktionen belegten Waren durch Litauen ging.

Putin und der Ukraine-Krieg: Polnische Post lässt Mitarbeiter an Waffe ausbilden

Aber auch Polen wird als das nächste mögliche Ziel von Putins Truppen genannt. Sollte der Weg frei werden, könnte dies durchaus der Fall sein. Drohungen an die Adresse der deutschen Bundesregierung in Berlin hat sein Regime bereits häufiger ausgestoßen. Auch Warschau ist daher gewarnt.

Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, sollen in Polen die Beschäftigten der Post von Soldaten an der Waffe ausgebildet werden. Ein Sprecher des Unternehmens sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine entsprechende Vereinbarung mit dem Heimatschutz (WOT) der polnischen Armee werde im August unterzeichnet.

Video: Militärexperten zeigen, wie der Westen Putin stoppen kann

Putins Angriff: Polen und die Furcht vor dem Kreml-Chef - Schießtraining für Post-Mitarbeiter

Aus einem Erlass des Postvorstandes geht hervor, dass die Angestellten in dem Kursus die Sicherheitsregeln im Umgang mit Waffen lernen und „grundlegende Schießfertigkeiten“ erwerben sollen. Ein WOT-Sprecher erklärte der Zeitung Dziennik Gazeta Polska, die Ausbildung diene der Verbesserung der Verteidigungsbereitschaft Polens.

Nach offiziellen Angaben beschäftigt die Post in Polen 70.000 Menschen. Tausend Plätze sind für das erste Schießtraining vorgesehen. Dies soll aber nur der Anfang sein, weitere Angebote würden folgen. Die Teilnahme ist allerdings freiwillig. Es heißt, Absolventen des Trainings hätten gute Chancen bei der Aufnahme in die Heimatschutz-Verbände.

Schon seit längerem gibt es in Polen Pläne, die Zahl der Streitkräfte zu vergrößern. So wurde kürzlich ein freiwilliger Grundwehrdienst eingeführt. Derzeit umfasst die polnische Armee 110.000 Soldaten, hinzu kommen die 30.000 Männer und Frauen im Heimatschutz. Das Ziel sieht so aus: 250.000 Berufssoldaten und 50.000 Mitglieder des Heimatschutzes sollen Polen verteidigen können.

Mehr als Briefe austragen: Die Post-Mitarbeiter in Polen könnten bald Teil des Heimatschutzes werden.

Polen und die Kriegssimulation: Militärübung „Winter 20“ lässt die Alarmglocken schrillen

Erst gut ein Jahr vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine hatte Polen in einer Militärübung unter dem Namen „Winter 20“ eine Konfrontation mit Putins Truppen simuliert. Das Ergebnis war aus polnischer Sicht erschütternd, wie das Portal Interia berichtete. Demnach hätten sich die Verteidiger im Osten des Landes dem Gegner gestellt.

Der Stern zitiert aus dem damaligen Bericht: „Am fünften Tag des virtuellen Konflikts erreichte der Feind die Weichsel. Am vierten Tag war Warschau umzingelt.“ Kurzum: Die Situation sei „noch schlimmer als 1939“ gewesen.

Damals benötigte Adolf Hitlers Wehrmacht 18 Tage, um Warschau einzuschließen. Der damalige Überfall auf Polen wird heute oft als Blitzkrieg betitelt - wegen des schnellen Vormarschs des Aggressors. Der zunächst unterschätzt oder gar nicht ernst genommen wurde und letztlich den Zweiten Weltkrieg provozierte. (mg)

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