U-Haft in Moskau

Hochverrat? Russischer Raketenwissenschaftler verhaftet - dritter angeblicher Saboteur in nur einer Woche

+
Raketenstart: Hier wurde der Gefechtskopf der Hyperschallrakete Avangard getestet.
  • schließen

Wladimir Putin hat seine ganz eigenen Methoden, die Untergebenen auf Linie zu bekommen. Doch bei einigen Wissenschaftlern scheint das nicht verfangen zu haben. Haben sie ihr Land verraten?

München - Wladimir Putin ist mit dem Ukraine-Krieg eigentlich schon genug beschäftigt. Die Invasion im Nachbarland erfordert seit Monaten die volle Aufmerksamkeit des Kreml-Chefs. Da kann er Nebenkriegsschauplätze gar nicht gebrauchen. Am allerwenigsten im eigenen, so weitläufigen Land. Doch ausgerechnet jetzt mehren sich derzeit die niederschmetternden Nachrichten: Mehrere Wissenschaftler sollen Russland und damit Putin hintergangen haben.

Mittlerweile flog der dritte mutmaßliche Saboteur binnen weniger Wochen auf. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass mit Dr. Alexander Schipljuk der Direktor des Instituts für theoretische und angewandte Mechanik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften verhaftet wurde. Ihm wird laut Wassili Fomin, dem wissenschaftlichen Direktor des Instituts, Hochverrat vorgeworfen.

Dabei verwies er auch auf den Fall von Anatoly Maslow, der am 27. Juni festgenommen wurde. Dem Forschungsleiter des Instituts wird vorgeworfen, Staatsgeheimnisse im Zusammenhang mit Hyperschallraketen übermittelt zu haben. Der Fall werde vom Föderalen Sicherheitsdienst Russlands untersucht.

Verrat an Russland und Putin? U-Haft in ehemaliger Folterstätte der Geheimdienste

Schipljuk wurde laut Fomin in das Moskauer Lefortowo-Haftzentrum überstellt, wo auch Maslow einsitzen soll. Die einstige Folterstätte der sowjetischen Geheimdienste wird mittlerweile als Untersuchungsgefängnis genutzt.

Der Inhaftierte sei auf die Hochgeschwindigkeitsdynamik von Aerogas und die experimentelle Erforschung von Gasströmungen spezialisiert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten würde die experimentelle aerothermische Dynamik von Hyperschallflugzeugen zählen.

Drei Tage nach Maslow war auch Dmitri Kolker vom Institut für Laserphysik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften verhaftet worden. Dem Forscher sei der Nachrichtenagentur Reuters zufolge eine Zusammenarbeit mit chinesischen Sicherheitsdiensten vorgeworfen. Er litt an Krebs im vierten Stadium und starb während seiner Verlegung von einer Privatklinik nach Lefortowo am 2. Juli.

Video: Gerüchte um Putins Gesundheit - Was verraten äußere Merkmale?

Putin und die Hyperschall-Rakete: Kreml-Chef nennt Avangard „die absolute Waffe“

Wie das Riesenreich und die USA arbeitet Russland derzeit an der Entwicklung von Hyperschall-Gleitflugkörpern. Putin präsentierte den Typ Avangard bereits im März 2018 der Öffentlichkeit. Diese Rakete sei dem Kreml-Chef zufolge für westliche Luftabwehrsysteme „praktisch unverwundbar“, er halte sie für „die absolute Waffe“. Sie ging Ende 2019 in Betrieb, soll eine Reichweite von 4000 Kilometern aufweisen und die 20-fache Schallgeschwindigkeit erreichen können.

Damals betonte Putin, er könne sich nicht vorstellen, dass in den kommenden Jahren ein anderes Land über eine solche Waffe verfügen werde. Womöglich hat er da die Rechnung ohne seine eigenen Wissenschaftler gemacht. (mg)

Kommentare