Ukraine-Krieg

Post von Prigoschin: Wagner-Boss schreibt Brief ans Weiße Haus

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Die USA wollen die Wagner-Gruppe als „transnationale kriminelle Organisation“ einstufen. Deren Chef reagiert – per Brief ans Weiße Haus.

Moskau – Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat die Gruppe-Wagner um Jewgeni Prigoschin immens an Bedeutung für den Kreml gewonnen: Unter allen Streitkräften im Dienste Wladimir Putins machen Mitglieder der Gruppe laut BBC inzwischen schätzungsweise rund zehn Prozent aus. Der Chef der Gruppe, Jewgeni Prigoschin, baut seine Macht weiter aus. Ungelegen kommt ihm bei seinen Geschäften die Ankündigung der USA, die Gruppe als „transnationale kriminelle Organisation“ einzustufen. Prigoschin wendet sich in einem Brief ans Weiße Haus – er ist sich keiner Schuld bewusst.

Der Fall Wagner: Söldner-Gruppe soll kriminelle Organisation werden – Prigoschin reagiert per Brief

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg erfährt sie einiges an medialer und auch politischer Aufmerksamkeit: die Gruppe Wagner. Söldner-Gruppe, Aktiengesellschaft und zunehmend eigenständiger Machtfaktor in Russland – die Organisation um Jewgeni Prigoschin erlebt derzeit einen erheblichen Machtzuwachs. Auch im Weißen Haus ist das nicht unbemerkt geblieben. Im Zuge des Ukraine-Kriegs wollen die Vereinigten Staaten die Organisation jetzt als „transnationale kriminelle Organisation“ einstufen, es werden Sanktionen vorbereitet. Bei Wagner selbst gibt man sich verständnislos, trotz zahlloser Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen.

Jewgeni Prigoschin, fotografiert im März 2017 in Moskau. Der Wagner-Chef richtet sich jetzt mit einem Brief ans Weiße Haus. (Archivfoto)

Prigoschin hat sich nun öffentlichkeitswirksam in einem Brief an die USA gewandt. Darin heißt es laut Reuters in Richtung John Kirby, Sprecher für nationale Sicherheit im Weißen Haus: „Sehr geehrter Herr Kirby, könnten Sie bitte klarstellen, welches Verbrechen von PMC Wagner begangen wurde?“ Nach Angaben von t-online.de soll der Brief zudem einen Seitenhieb in Richtung USA enthalten. So soll Prigoschin geschrieben haben, Wagner und die Vereinigten Staaten seien jetzt wohl Kollegen, zumal die USA selbst kriminell seien. Die Einstufung der Wagner-Gruppe und erwartete Sanktionen sind schlecht für Prigoschins Geschäft – das in Russland jedoch weiter blüht.

Konkurrenz mit der Wagner-Gruppe: Chef der Söldnerarmee Prigoschin baut eigene Machtposition aus

Mit zunehmender Bedeutung der Söldner-Truppe für den Kreml wächst auch die Konkurrenz zwischen staatlichen Stellen und dem Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin. Der baut seine Macht in Russland indes weiter aus und bedient sich dabei offenbar vermehrt einer PR-Kampagne in eigener Sache. Die Gruppe tritt auch abseits dieser Tendenz zunehmend aus dem Schatten, die Tage der geheimnisvollen Schattenstruktur scheinen gezählt – davon zeugen auch öffentliche Kampagnen.

Kirby behauptet mit Blick auf das Verhältnis der Gruppe zur russischen Politik: „Wir sehen wachsende Spannungen zwischen Wagner und dem russischen Verteidigungsministerium“. Tatsächlich kritisierte Prigoschin die russische Administration zuletzt immer wieder deutlich und öffentlich. Unter anderem hatte der Söldner-Chef Mitarbeitern des Kremls Verrat vorgeworfen und personelle Veränderungen im Verteidigungsministerium gefordert. Auch die Militärführung kritisierte er scharf. „Putins Koch“ gilt als Vertrauter des Regierungschefs, doch er vertritt ebenso starke eigene Interessen.

Gruppe-Wagner: Von Söldnern und Aktiengesellschaften

Die Gruppe Wagner ist ein Söldner-Verband, doch sie ist längst viel mehr als nur das. Auch ein weiterer Schritt soll dem Bedeutungsgewinn Rechnung tragen: Die Organisation ist inzwischen eine offiziell in St. Petersburg eingetragene Aktiengesellschaft mit dem Namen „PMC Wagner Center“. Als Aufgabenfelder der Gruppe geführt werden „Unternehmens- und Managementberatung, Verlagswesen, Medien, wissenschaftliche Entwicklung und Leasing von Schiffen und Flugzeugen“, so die Moscow Times. Die Gruppe unterhält inzwischen einen eigenen Sitz in Sankt Petersburg, das sogenannte „Wagner Technology Center“. Es wird deutlich: Wagner wird zunehmend zu einem eigenständigen Machtfaktor in Russland.

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