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Um Putin herum haben sich Machtzentren gebildet, die um seine Gunst und Anerkennung konkurrieren. Wagner-Chef Prigoschin und Oberbefehlshaber Gerassimow sind vorne dabei.
München - Dass sich Wladimir Putin den Angriff gegen die Ukraine anders vorgestellt hat, ist kein Geheimnis. Statt einer schnellen Einnahme Kiews dauert der Krieg in der Ukraine seit fast einem Jahr an. Das in Putins Augen Versagen seiner Armee führte zu einem internen Machtkampf. Immer wieder zieht er personelle Konsequenzen, dabei bildete sich eine Rivalität zwischen seinen wichtigsten Männern. Wagner Chef Jewgeni Prigoschin und der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow stellen sich gegen den neuen Oberbefehlshaber der russischen Armee in der Ukraine, Waleri Gerassimow. Putins persönliches Game of Thrones ist entbrannt.
Putins persönliches Game of Thrones: Rivalitäten zwischen seinen wichtigsten Männern
In dem Streit zwischen den Vertrauten Putins geht es vor allem um die Gunst des russischen Präsidenten. Ein Streitpunkt ist die Position des Kommandeurs über die russischen Streitkräfte in der Ukraine. Der Armeegeneral Sergej Surowikin wurde nach nur drei Monaten im Januar 2023 von Waleri Gerassimow ausgetauscht. Gerassimow ist der Chef des Generalstabs der Streitkräfte Russlands und seit dem Wechsel Oberbefehlshaber über die russischen Truppen im Ukraine-Krieg. Putin will mit dem Wechsel eine Verbesserung der Kriegsführung erzielen. Seit der Invasion in der Ukraine kämpft Russland immer wieder mit schweren Verlusten.
Nicht nur Putin ist mit der russischen Kriegsführung unzufrieden. Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner, die für ihre brutale Kriegsführung in der Ukraine bekannt ist, zeigt sich auch unzufrieden. Einer seiner Verbündeten ist der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, der auch als „Putins Bluthund“ bekannt ist. Neben Pirogschins Wagner-Soldaten soll laut Vice auch Kadyrow Kämpfer in die Ukraine geschickt haben. Beide Putin-Männer gelten ebenso als Rivalen von Gerassimow. Und auch der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu steht nicht gerade in der Gunst des Wagner-Chefs.
Aufbau von Machtzentren: Zugang zu Putin und seine Gunst „das Einzige was zählt“
Im Krieg in der Ukraine sind es genau diese Männer, die Putin nahestehen. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz zwischen Prigoschin und Kadyrow gegen Gerassimow. Sie alle wollen Putins Anerkennung. Dieser Streit mag den einen oder anderen an die Serie „Game of Thrones“ erinnern. Denn wie die unterschiedlichen Häuser in der Serie geht es Gerassimow, Shoigu, Prigoschin und Kadyrow um Macht. Vor allem Prigoschin spielt eine zunehmend größere Rolle im Krieg gegen die Ukraine. Erst am Donnerstag (19. Januar) machte er seine Wagner-Soldaten für den Fortschritt in Bachmut verantwortlich.
„Putin hat ein System entworfen, bei dem der Zugang zu ihm und seiner Gunst das Einzige ist, was zählt“, erklärte ein NATO-Militärgeheimdienstoffizier, der nicht genannt werden möchte, der Vice. „Also bilden Rivalen Machtzentren, um Putin zu beeinflussen, der selbst andere Leute dazu bringen muss, die Schuld für die katastrophale Leistung des russischen Systems auf sich zu nehmen“, so der NATO-Offizier weiter.
Putins „Plan“: Shoigu und Gerassimow treten gegen Prigoschin und Kadyrow an
Putins Machenschaften sind immer schwerer zu verstehen. In der Ukraine kommt er kaum weiter. Gerassimow ist schon der vierte in seiner Position. „Gerassimow und Shoigu sitzen jetzt in direkter Schusslinie, und Kadyrow und insbesondere Prigoschin warten, ob sie stolpern“, analysierte der NATO-Offizier. Seiner Meinung nach werden sie genau das tun, stolpern. Putin solle anscheinend keine realistischen Erwartungen an sie haben.
„Es ist schwer, den Erfolg zu planen, wenn das gesamte System den Chef über seine Fähigkeiten belügt“, sagte der Offizier. Es zeichnet sich ab, dass es sich früher oder später zwischen den beiden Machtzentren um Putin entscheiden wird. Denn der „Plan“, so der Offizier, sei „Shoigu und Gerassimow gegen Prigoschin und Kadyrow, antreten zu lassen“. Dann würde Putin eben sehen, welche Seite „gewinnen“ wird, mutmaßt der Offizier. Russlands militärische Performance könnte daher in den nächsten Wochen entscheidend für beide Machtzentren um Putin herum sein. (vk)
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