„Zu 100 Prozent“

Putins NATO-Provokationen: Militärexperte zeichnet düsteres Szenario

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Russische Jets verletzen NATO-Luftraum – doch das ist nur der Anfang. Ein Experte hat eine klare Vermutung für Putins wahre Strategie.

München – Russische Kampfjets dringen 13 Minuten lang in estnischen Luftraum ein, 19 Drohnen verletzen polnisches Hoheitsgebiet – was nach einzelnen Provokationen aussieht, ist laut einem Militärexperten Teil eines größeren Plans. Gustav Gressel, Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR) in Berlin und einer der profiliertesten Kenner der russischen Militärstrategie, warnt vor Putins langfristigem Ziel: die Zerschlagung der europäischen Sicherheitsordnung.

Mit Verletzungen des Luftraumes testet Russland immer wieder die Abwehrbereitschaft der NATO, erklärt der Experte laut Welt. Putins Ziel sei nicht, die rote Fahne über Europa zu hissen. „Das Ziel ist, Nato und EU zur Selbstauflösung zu treiben – indem man das Vertrauen der Mitgliedstaaten in das Bündnis erschüttert“, warnt Gressel. Aus Angst und Zweifel sollen die Länder bilaterale Abmachungen mit Moskau schließen.

Wladimir Putin testet mit seinen auf den Luftraum der NATO die Reaktionen des Bündnisses (Symbolbild).

„Russland ist in der Ukraine stark gebunden und hat viel Material verloren. Es wird seine Streitkräfte umstrukturieren und konsolidieren. Aber wenn diese Neuaufstellung abgeschlossen ist, kann Moskau auch den Rest Europas angreifen“, sagt Gressel. Auch Deutschlands Generalinspekteur Carsten Breuer warnt: „Egal, ob es beabsichtigt war oder ob es unabsichtlich passiert ist: Putin beobachtet unsere Reaktion genau. Er testet uns als Allianz mit dieser Luftraumverletzung“, sagte er der DPA. Diese Tests seien kein Zufall, sondern Teil einer ausgeklügelten Strategie.

Moskaus Luftraumverletzungen bringen Trump zum Umdenken

US-Experten bestätigen diese Einschätzungen. Luke Coffey vom Hudson Institute warnt laut Radio Free Europe: „Ich erwarte, dass sie weitermachen, bis es entschlossenes Handeln gibt“. Jim Townsend vom Center for a New American Strategy bezeichnet die Lage im Gespräch mit dem Sender als „sehr ernste Angelegenheit“. Selbst im Weißen Haus sorgen die russischen Luftraumverletzungen offenbar für ein Umdenken. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, der Putin lange hofierte, vollzieht eine Kehrtwende. Nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj in New York verkündet Trump: „Ich denke, dass die Ukraine mit Unterstützung der Europäischen Union in der Lage ist, die gesamte Ukraine in ihrer ursprünglichen Form zurückzugewinnen“.

Russland ist nach dreieinhalb Jahren ohne echte Erfolge nur noch ein „Papiertiger“, schreibt Trump auf Truth Social. Bei einem Treffen mit Reportern bejahte er sogar, dass NATO-Länder russische Flugzeuge abschießen sollten, wenn sie in ihren Luftraum eindringen, berichtet ABC News. Auf die Frage nach US-Unterstützung antwortet Trump allerdings ausweichend: „Das hängt von den Umständen ab“, zitiert ihn ABC News. US-Außenminister Marco Rubio erklärt die neue Härte: „Der Präsident ist ein sehr geduldiger Mann. Er setzt sich sehr für den Frieden ein, aber seine Geduld ist nicht unendlich“. Russlands Verschleppung des Friedensprozesses und die Luftraumverletzungen bringen Trump zum Umdenken.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Ukraine-Krieg: Selenskyj wirbt vor UN um Luftabwehr-Koalition

Während die NATO-Staaten über ihre Reaktion ringen, wirbt der ukrainische Präsident Selenskyj im UN-Sicherheitsrat um eine internationale Luftabwehr-Koalition. „Wir schaffen heute mit Großbritannien, Frankreich und bereits mehr als 30 anderen Nationen eine Koalition der Willigen und eine neue Sicherheitsarchitektur“, sagte er. Selenskyjs Botschaft ist eindringlich: „Wenn wir unseren Luftraum stärken und mit einem gemeinsamen System gegen russische Raketen und Drohnen abriegeln könnten, dann ist Russland gezwungen, die Luftangriffe einzustellen“, so der ukrainische Präsident laut DPA. Er fordert: „Es muss Sicherheitsgarantien geben, die Russland nicht überwinden kann“.

Die jüngsten Ereignisse offenbaren dramatische Schwächen: Von 19 russischen Langstreckendrohnen über Polen konnte die NATO nur vier abschießen – mit katastrophalem Kosten-Nutzen-Verhältnis. „Das ist völlig richtig“, bestätigt Gressel gegenüber der Welt die mangelnde Vorbereitung auf Drohnen-Angriffe. Die unabhängige russische Nachrichtenseite Meduza dokumentiert systematisch die Eskalation. Seit 2022 häufen sich die Provokationen: von abgeschossenen US-Drohnen über dem Schwarzen Meer bis zu den aktuellen Luftraumverletzungen in Estland.

Russland zieht in den Krieg gegen Europa: die düstere 100-Prozent-Prognose

Gressels Warnung wird immer drastischer. Beziffert er die Wahrscheinlichkeit eines russischen Überfalls auf ein EU-Land zunächst mit 80 Prozent, verschärft er nun seine Prognose: „Wir stehen auf 100 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass dieser Krieg kommt“, warnt Gressel in einem Interview mit BR24. Der Zeitpunkt rücke näher: „Wenn diese Neuaufstellung abgeschlossen ist, kann Moskau auch den Rest Europas angreifen“, warnt der Experte gegenüber Welt. Russland werde demnach seine Streitkräfte umstrukturieren und konsolidieren – dann droht Europa der nächste Krieg.

Russland-Experte Prof. Dr. Manfred Hildermeier (i. R.) von der Universität Göttingen sieht das anders und nennt Gressels 100-Prozent-These im Gespräch mit Münchner Merkur von Ippen.Media „eine erhebliche Übertreibung: Putins Revanchismus zielt vorderhand ‚nur‘ auf die Wiederherstellung der großrussischen Hegemonie über die slavischen ‚Brüdervölker‘, die im Zuge des Machtverfalls des polnisch-litauischen Staates seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zum Herrschaftsbereich des Moskauer Staates gehörten.“

Laut Hildermeier hat Putin zwar sehr wahrscheinlich auch die baltischen Staaten ins Visier genommen, die sicher am ehesten bedroht sind. „Ob er sie tatsächlich angreifen wird, hängt sehr von der Reaktion der NATO, ihrer dortigen Präsenz und natürlich von der Haltung der USA ab. Solange Putin in der Ukraine nicht weiter kommt, scheint mir die Gefahr, dass er einen Zweifrontenkrieg wagt, nicht groß zu sein“, so Hildermeier. Trotzdem warnt er: „Aber natürlich muss die NATO sie ernst nehmen und gewappnet sein.“

Russische Provokationen: Nato bekräftigt Zusammenhalt

Die NATO bekräftigt zwar ihren Zusammenhalt: „Unser Bekenntnis zu Artikel 5 ist unerschütterlich“, heißt es in einem offiziellen NATO-Statement. Doch die Realität sieht anders aus: Europa scheint auf einen Krieg ohne amerikanische Rückdeckung nicht vorbereitet. Noch verhindert der Ukraine-Krieg eine zweite Front. Moskau glaubt, den Krieg in ein bis zwei Jahren gewonnen zu haben, und will sich laut der Experten nicht auf Frieden einrichten, sondern Europa ins Visier nehmen. (Quellen: Welt, DPA, BR24, Radio Free Europe/Radio Liberty, ABC, NATO, Meduza) (cgsc)

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA + dpa/AP | Dmitri Lovetsky

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