Putins Wirtschaft weiter in Angst: Ukraine expandiert Drohnenproduktion
VonSimon Schröder
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In Deutschland sollen künftig Drohnen für die Ukraine produziert werden. Langstrecken-Drohnen sind für Putins Wirtschaft eine große Bedrohung.
Berlin/Kiew – Kostengünstig, effektiv, vielseitig und tödlich: Spätestens seit dem Ukraine-Krieg sind Drohnen zu einer der wichtigsten Waffe der modernen Kriegsführung geworden. Nun sollen die von der Ukraine selbst entwickelten Kampfdrohnen in großen Stückzahlen auch in Deutschland gebaut werden. Produziert werde im Auftrag des Kiewer Verteidigungsministeriums, teilten der ukrainische Drohnenbauer „Frontline Robotics“ und die deutsche Rüstungsfirma „Quantum Systems“ beim Deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum in Berlin mit.
Der Leiter des Gemeinschaftsunternehmens Quantum Frontline Industries, Matthias Lehna, sprach vom Bau Zehntausender Drohnen im Jahr und einem Volumen im dreistelligen Millionenbereich. Produziert werden sollen die auf dem Schlachtfeld erprobte Logistikdrohne „Linsa“, die Aufklärungsdrohne „Zoom“ und der ferngesteuerte mobile Geschützturm „Buria“.
Drohnen im Ukraine-Krieg gegen Wladimir Putins Ölproduktion
Die Drohnen im Ukraine-Krieg erfüllen drei wichtige Anforderungen auf dem Schlachtfeld, wie der Think-Tank „Center for European Policy Analysis“ (CEPA) schreibt: Angriffe tief im feindlichen Gebiet, eine präzise Zielerfassung und eine Echtzeit-Informationsbeschaffung über die Lage auf dem Schlachtfeld. In der Verteidigung gegen die russischen Invasoren setzt die Ukraine vor allem auf die kleinen FPV-Drohnen gegen russische Panzer und Infanterie und größere Langstreckendrohnen die militärische Ziele weit hinter der Ukraine-Front ins Visier nehmen.
Dabei sind die Langstreckendrohnen auch für die russische Kriegswirtschaft gefährlich. Immer wieder meldet das ukrainische Militär erfolgreiche Schläge mit den unbemannten Fluggeräten gegen russische Öldepots, Plattformen und Raffinerien tief in Russland. Zuletzt gelang es der Ukraine erstmals eine russische Offshore-Ölplattform im Kaspischen Meer anzugreifen. Der Angriff auf die Filanowski-Plattform von Lukoil wurde vom ukrainischen Geheimdienst SBU mit Langstreckendrohnen am 11. Dezember durchgeführt. Die Elite-Einheit „Alpha“ des SBU traf die Plattform mit mindestens vier Einschlägen, wie Quellen gegenüber dem ukrainischen Sender Suspilne bestätigten. Die Anlage verfügt über nachgewiesene Reserven von rund 129 Millionen Tonnen Öl und 30 Milliarden Kubikmetern Gas. Wie groß die Schäden an der Ölplattform ausfallen, ist unklar.
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Ukrainische Drohnen erreichen ihr Ziel trotz umfassender russischer Luftverteidigung
Ukrainische Drohnenangriffe auf russisches Territorium erreichen trotz umfangreicher russischer Luftverteidigung weiterhin ihre Ziele. Laut einer aktuellen Studie des „Royal United Services Institute for Defence and Security Studies“ (RUSI) durchbrechen etwa zehn Prozent der angreifenden ukrainischen Drohnen die gegnerische Luftverteidigung und erreichen ihr Ziel. Die Ukraine setzt vor allem auf eine Überlastung der feindlichen Kapazitäten, die Drohnen abzuschießen.
Russland kann aufgrund der großen Anzahl an strategisch wichtigen Anlagen im eigenen Land nicht alle möglichen Ziele ausreichend mit Luftverteidigungssystemen abdecken. Die Ukraine habe im Laufe der Zeit Erfahrungen gesammelt und sei zunehmend effektiver darin geworden, Standorte ohne Luftverteidigungsschutz anzugreifen, schreibt das RUSI weiter. Priorität erhalten dabei Ziele, bei denen brennbare oder empfindliche Materialien vorhanden sind, die es einer relativ kleinen Anzahl von Drohnen ermöglichen, einen verhältnismäßig großen Schaden anzurichten. Bei Angriffen auf gut verteidigte Anlagen mit Salven von 100 bis 150 Drohnen erreichen laut den vom RUSI befragten ukrainischen Offizieren typischerweise etwa zehn Drohnen das Ziel. Die Kosten für die Angriffsdrohnen belaufen sich dabei auf zwischen 20.000 und 80.000 US-Dollar pro Einheit.
Zusammenspiel zwischen ukrainischen Drohnen und Marschflugkörpern
Angriffe gegen stark verteidigte Ziele erfordern oft den Start von mehr als 100 Drohnen, um die Luftverteidigung in diesem Sektor zu erschöpfen. Erst danach werden teurere Marschflugkörper oder große Angriffsdrohnen zum Zerstören des Ziels eingesetzt. In einigen Fällen führte die Ukraine komplexe, mehrschichtige Angriffe durch, die Luftverteidigungssysteme überlisteten, jedoch werden solche Operationen selten wiederholt, heißt es in der Studie.
Parallel dazu passt sich Russlands Luftverteidigungssystem rapide an neue Bedrohungen an. Während gelenkte GMLRS-Raketen und später ATACMS-Ballistische Raketen anfangs erhebliche Verluste für Russland verursachten, stiegen die Abfangquoten im Laufe der Zeit deutlich an. Nach Daten der ukrainischen Streitkräfte sank der Anteil erfolgreicher Treffer von fast 70 Prozent bei GMLRS im Jahr 2022 auf rund 30 Prozent in den Jahren 2023–2024 und mittlerweile auf oftmals nur etwa acht Prozent im Jahr 2025.
Für Angriffe auf Luftverteidigungselemente sind Erfahrungen zufolge bis zu zehn ATACMS-Raketen erforderlich, um ein einzelnes Radar zu zerstören. Bei der Bekämpfung präzisionsgelenkter Waffen, die auf kombinierte Satelliten- und Trägheitsnavigation angewiesen sind, spielt elektronische Kriegsführung eine bedeutende Rolle. Trotz der Anpassungen der russischen Luftverteidigung identifizieren ukrainische Kräfte weiterhin Schwachstellen. Laut ukrainischen Offizieren für Angriffsoperationen ermöglichen russische Luftverteidigungsanpassungen oft den Abschuss von mehr als 50 Prozent hochwertiger Marschflugkörper wie der britisch-französische „Storm Shadow“.
Ukrainische Drohnenangriffe auf Putins Öl-Imperium zeigen ihre Wirkung
Die Bedrohung durch die ukrainischen Langstreckendrohnen für die russische Kriegswirtschaft ist weiter enorm. Die russischen Ölexporte sind im November auf den niedrigsten Stand der vergangenen Jahre gefallen. Nach Angaben des Energiedatenanbieters Vortexa erreichten die Ausfuhren von Ölprodukten nur etwa zwei Millionen Barrel pro Tag – 21 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2024 für diesen Monat.
Als Hauptursachen für den drastischen Rückgang nennen Experten zunächst die im Oktober verhängten US- und britischen Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft, Russlands zwei größte Ölkonzerne, berichtet die britische Financial Times. Eine Serie erfolgreicher ukrainischer Angriffe auf die russische Exportinfrastruktur verschärfte die Lage. Ende November trafen ukrainische Marinedrohnen ein Ölverladeterminal im Schwarzen Meer, das russische Ölexporte abwickelt, und verursachten erhebliche Schäden. Bei einem separaten Angriff vor der türkischen Küste wurden zwei mit Russland verbundene Tanker getroffen. (Quellen: Financial Times/CEPA/dpa/Suspilne/RUSI) (sischr)