Kampf gegen Dschihadisten „neu beleben“

Putsch in Burkina Faso – welche Rolle spielt Russland?

Im westafrikanischen Land Burkina Faso kam es zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres zu einem Militärputsch. Der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner begrüßte den erneuten Machtwechsel.

Ouagadougou - Während die Aufmerksamkeit der Welt sich auf den Ukraine-Krieg richtet, kam es im rund 20 Millionen Einwohner zählenden westafrikanischen Land Burkina Faso am Freitag (30. September) zum zweiten Putsch innerhalb eines Jahres. Die rebellierenden Militärs verlasen am Freitagabend in der Hauptstadt Ouagadougou eine Erklärung im nationalen Fernsehen, wonach der bisherige Chef der Militärjunta, Paul-Henri Sandaogo Damiba, von seinen Ämtern entbunden wurde. Nun ist Ibrahim Traoré an der Macht, doch wofür steht der neue Amtsinhaber? Und welchen Einfluss hatte Wladimir Putin auf den Militärputsch in Westafrika?

Junge Männer rufen Slogans gegen die Macht von Oberstleutnant Damiba, gegen Frankreich und schwenken eine russische Fahne. Der amtierende Präsident im westafrikanischen Burkina Faso wurde bei einem Militärputsch abgesetzt.

Burkina Faso: Schüsse am Amtssitz des Militärjunta-Chefs - Rebellen wollen Kampf gegen Dschihadisten „neu beleben“

Die Rebellen verhängten am Freitag eine nächtliche Ausgangssperre und veranlassten die Schließung der Landesgrenzen ab Mitternacht. Die Regierung und das Übergangsparlament wurden aufgelöst. Zuvor waren vermehrt Soldaten in der Hauptstadt zu sehen gewesen und es gab Schüsse am Amtssitz in Ouagadougou, der Verbleib des entmachteten Juntachefs war zunächst nicht bekannt. Am Sonntagabend gab es dann Berichte aus Diplomatenkreisen, dass Paul-Henri Sandaogo Damiba ins Nachbarland Togo geflohen sei.

Zuvor habe „Damiba selbst seinen Rücktritt angeboten, um Konfrontationen mit schwerwiegenden (...) Folgen zu vermeiden“, erklärten führende Religions- und Kommunenvertreter des Landes am Sonntagabend. Der neue selbsternannte Machthaber Ibrahim Traoré gab am Sonntagabend schließlich bekannt, er habe die Unterstützung der Armeechefs erhalten, um den Kampf gegen die Dschihadisten „neu zu beleben“.

Die politische Lage in dem Sahelstaat ist seit Jahren instabil. Damiba war erst Ende Januar durch einen Putsch gegen den gewählten Präsidenten Roch Marc Christian Kaboré an die Macht gekommen. Als Begründung für die Entmachtung von Damiba nannten die Rebellen „die kontinuierliche Verschlechterung der Sicherheitslage“ im Land. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Damiba angekündigt, die Sicherheit in dem seit Jahren von Angriffen durch Dschihadisten erschütterten Land zu seiner Priorität zu machen, doch seine Regierung konnte die Lage nicht beruhigen. Vielmehr nahmen die dschihadistischen Angriffe in den vergangenen Monaten zu. Unter anderem agieren die Terrorgruppen Islamischer Staat und das Terrornetzwerk al-Qaida im Land. Besonders im Norden von Burkina Faso kommt es immer wieder zu Anschlägen von Islamisten. Etwa 1,9 Millionen Menschen sind daher auf der Flucht. Dereinst friedliche Regionen des Landes stünden heute „unter terroristischer Kontrolle“, hieß es vonseiten der Rebellen. Experten zufolge kontrolliert Burkina Faso nur 60 Prozent seines Territoriums.

Der Chef der Militärjunta in Burkina Faso, Paul Henri Sandaogo Damiba, sprach noch im September auf der 77. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York City. Nun wurde er von einer Gruppe von Militärs abgesetzt.

EU, USA und UN verurteilen Putsch - welchen Einfluss hatte Russland?

Die EU äußerte sich besorgt über die Entwicklung, ebenso wie das US-Außenministerium in Washington. Ein Sprecher des State Department rief alle Beteiligung zur Zurückhaltung auf. Das französische Außenministerium empfahl den rund 4000 bis 5000 Franzosen im Land, vorerst ihr Zuhause nicht zu verlassen. UN-Generalsekretär António Guterre sagte, er sei „tief beunruhigt“ über die Entwicklungen in Burkina Faso und verurteilte jeden Versuch, mit Waffengewalt die Macht zu übernehmen. Auch die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) verurteilten die Machtübernahme durch die rebellierenden Militärs „auf das Schärfste“.

Der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, hatte den erneuten Machtwechsel in Burkina Faso indes begrüßt, wie der britische Sender BBC berichtete. Am Freitagnachmittag waren auf dem Platz der Nation in Ouagadougou hunderte Demonstranten zu sehen, von denen einige die russische Flagge schwenkten und eine engere Zusammenarbeit mit Russland forderten. Der Einfluss Moskaus hat in mehreren frankofonen Ländern der Region in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Den Militärmachthabern in Mali wirft der Westen vor, eng mit der berüchtigten russischen Söldnergruppe Wagner zusammenzuarbeiten. Experten befürchten eine ähnliche Entwicklung in Burkina Faso.

Wer ist der neue Machthaber Hauptmann Ibrahim Traoré?

Der neue Machthaber, der 34-jährige Offizier Traoré, befehligte bisher die Spezialeinheit „Cobra“ in der nördlichen Region Kaya, die dort gegen dschihadistische Milizen im Einsatz war. Auch den Putsch vom Freitag sollen offenbar Kräfte der Cobra-Einheit unterstützt haben. Traoré studierte an der Universität von Ouagadougou, im Gegensatz dazu erhielt Damiba seine Ausbildung in Frankreich. Insgesamt herrscht in Burkina Faso seit langem eine kritische Stimmung gegen die ehemalige Kolonialmacht Frankreich.

Hauptmann Traoré rief die Bevölkerung inzwischen dazu auf, friedlich zu bleiben. Besonders warnte er vor Gewalt und Vandalismus gegenüber französischen Institutionen. Demonstranten hatten am Samstag die französische Botschaft in der Hauptstadt Ouagadougou angegriffen. Die frühere Kolonialmacht Frankreich verurteilte die Ausschreitungen umgehend. Seit 2020 wurde in westafrikanischen Staaten nunmehr fünfmal geputscht: zweimal in Burkina Faso, zweimal in Mali und einmal in Guinea (bme/AFP/dpa).

Rubriklistenbild: © Sophie Garcia/dpa

Kommentare