Anschlag in den USA

„Turning Point USA“: Wie Charlie Kirk die Jugend für Donald Trump radikalisierte

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Die Zentrale von Kirks Organisation in Arizona.
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Was steckt hinter Kirks Gen-Z-Netzwerk „Turning Point USA“, das Trump mutmaßlich zur zweiten Präsidentschaft verhalf und auch international Rechtskonservative stützt?

Ein blauer Pfeil schwingt im Viertelkreis nach links oben und biegt darüber in Rot scharf rechts ab. Das Logo von Charlie Kirks Organisation „Turning Point USA“ soll symbolisieren, wohin Rechtskonservative die US-Gesellschaft und vor allem junge Menschen lenken wollen. Kirk arbeitete seit 2012 an diesem jugendlichen Rechtsruck, schon mit 18 gründete der am Mittwoch erschossene Aktivist die Gruppe.

Als Podcaster, Fox-News-Stammgast und Social-Media-Star erreichte er Millionen. Er war einer der Scharfmacher, die im Zuge von Donald Trumps Aufstieg und Übernahme des rechten Spektrums ins Rampenlicht rückten. Dabei verbreitete er routiniert Behauptungen und Verschwörungsmythen von Trumps Maga-Bewegung („Make America Great Again“, „Macht Amerika wieder großartig“) – und sicherte sich so einen festen Platz in dessen Umfeld.

Im US-Wahlkampf auch an US-Universitäten: „Trump! Trump!“ zu hören

Heute gilt „Turning Point“ als größte Jugendbewegung für Rechtskonservative in den USA mit gut 80 Millionen Dollar Jahresumsatz. An mehr als 3500 Universitäten ist sie eigenen Angaben nach mit Gruppen vertreten. Wenn man vergangenes Jahr im Wahlkampf an – den oft linksliberal dominierten – US-Colleges unterwegs war, kam es auch mal vor, dass weiße Studenten „Trump! Trump!“ grölten und Maga-Schilder hochhielten.

Da überraschte es kaum, dass Trump bei der Wahl im November einen größeren Anteil der Wählerschaft unter 30 Jahren gewann als jeder andere republikanische Kandidat seit 2008. Bei jungen Männern lag Trump 14 Prozentpunkte vor seiner demokratischen Konkurrentin Kamala Harris. Harris lag derweil bei den jungen Frauen vorne.

Kirk propagierte die Idee des „Amerikanischen Exzeptionalismus“

Kirk predigte einen aggressiven, christlichen Patriotismus und die Idee des „Amerikanischen Exzeptionalismus“ – eine nationalistische Ideologie, wonach sich die Vereinigten Staaten von Amerika von allen anderen Nationen abheben. Im Juli lockte er damit Tausende zu einer Großkonferenz in Florida, bei der auch Regierungsmitglieder und Trumps rechter Vordenker Steve Bannon auftraten.

Kirks letztes Event, am Mittwoch im Bundesstaat Utah, sollte der Auftakt sein für die mehrwöchige „America Comeback Tour“ an zahlreichen Universitäten.

Kirks Methode: Stakkatohafte Sätze, überspitzte Argumenten und faktenferne Vergleiche

Fesseln konnte er die „Turning Point“-Fans besonders mit dem Talk-Format „Prove me wrong“ – „Beweise mir das Gegenteil“. Dabei forderte er Menschen aus dem Publikum auf, ihn mit allen erdenklichen Meinungen und Themen zu konfrontieren. Mit stakkatohaften Sätzen, überspitzten Argumenten und faktenfernen Vergleichen hielt Kirk dagegen. Er sagte, Abtreibungen seien schlimmer als der Holocaust. Schwarzen Menschen sei es in den 1940er Jahren der USA besser ergangen als heute, denn Statistiken zeigten, dass sie damals weniger Verbrechen begangen hätten – Lynchmorde und Diskriminierungen ließ er außen vor.

Für solche Aussagen stand Kirk und seine Organisation massiv in der Kritik. In seinem Buch „Die Maga-Doktrin“ hielt er dagegen: „Das eigentliche ‚Verbrechen‘ von Turning Point USA besteht darin, dass wir aufzeigen, wie wirkungslos die alten Methoden geworden sind, und dass neue Zielgruppen und größere politische Erfolge möglich sind, wenn die Menschen etwas fantasievoller und provokativer vorgehen.“

Für das rechtsgerichtete Portal „Nius“ ist Kirk ein „konservativer Held der Meinungsfreiheit“

Die Methoden der Organisation wollte er über die USA hinaus verbreiten. Vergangene Woche sagte Kirk bei einer konservativen Konferenz in Südkorea: „Das Phänomen, dass junge Menschen, insbesondere Männer, konservativ werden, tritt gleichzeitig auf mehreren Kontinenten auf.“ In Japan besuchte er ein Treffen der extrem rechten Partei Sanseito, die im Juli aus dem Stand 15 Sitze bei den Oberhaus-Wahlen holte. In Großbritannien ist eine Untergruppe von „Turning Point“ aktiv. Und für das rechtsgerichtete Portal „Nius“ in Deutschland ist Kirk ein „konservativer Held der Meinungsfreiheit“.

Trump ordnete eine mehrtägige Trauerbeflaggung an und rühmte den 31-Jährigen, dem er seine zweite Präsidentschaft mit zu verdanken hat, als „Märtyrer der Wahrheit“.

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