Für den Notfall

5 Tipps, wenn du K.o.-Tropfen in deinem Drink vermutest wie die Frauen bei Rammstein-Konzerten

  • schließen

Über das Betäubungsmittel sprachen schon viele vor der Rammstein-Debatte. Wir zeigen dir, wie du dich davor schützen kannst und was im schlimmsten Fall zu tun ist.

Die aktuellen Vorwürfe gegen Till Lindemann rücken auch das Thema K.o.-Tropfen in den Fokus. Bei Konzerten könnten Fans der Stoff mutmaßlich verabreicht worden sein, heißt es in Berichten von Betroffenen. Weil K.o.-Tropfen benebelt machen, könnte das einen mutmaßlichen Missbrauch der jungen Frauen erleichtert haben.

Es braucht kein Konzert, um mit K.o.-Tropfen in Berührung zu kommen. Auch in Clubs und Bars kann es dir (leider) passieren, dass sie dir jemand in den Drink tropft.

Vorfälle in Berliner Clubs im vergangenen Jahr zeigten zudem, dass K.o.-Tropfen nicht nur beim Trinken eine Gefahr sind. Beim sogenannten „Needle Spiking“ wird der Stoff mit einer Nadel in die Haut initiiert, wenn die Betroffene gerade nicht aufpasst. Auch wenn die Opfer meistens weiblich sind, können K.O.-Tropfen-Angriffe natürlich auch Männer treffen.

K/O-Tropfen sorgen dafür, dass dir schwindlig wird. (Symbolbild)

Was sind eigentlich K.O.-Tropfen?

Vielleicht hast du in Clubs schon mal eine Warnung vor der Droge „GHB“ gesehen. Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) oder auch Gamma-Butyrolacton (GBL – Vorstufe von GHB) ist der Stoff, der meistens für K.O.-Tropfen verwendet wird. Es handelt sich um ein Narkosemittel, das heutzutage in der Medizin nur noch selten eingesetzt wird. In der Partyszene ist GHB auch unter dem Namen „Liquid Ecstasy“, „Liquid E“ oder „Liquid X“ bekannt.

Manchmal missbrauchen Täter:innen auch die Partydroge Ketamin als K.O.-Tropfen. In der Tiermedizin und Notfallmedizin wird sie eigentlich als Schmerzmittel verwendet.

Benzodiazepine („Benzos“) sind Beruhigungsmittel, die unter jungen Menschen auch als Droge verbreitet sind. Weil sie die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit einschränken, können Personen damit bewusstlos gemacht werden, bis hin zu einem komatösem Schlaf.

(Die Infos stammen von der Kampagne „K.O.-Tropfen Nein, danke!“, die auf die Gefahr aufmerksam macht.)

4 Tipps, damit K.O.-Tropfen gegen dich keine Macht haben

Du bist im Club, tanzt unbekümmert durch den Raum. Plötzlich wird dir schummrig oder du bemerkst, dass dein:e Freund:in nicht mehr ansprechbar ist. Hier sind Dinge, die du in diesem Moment tun kannst. Und, was du tun kannst, dass es gar nicht erst so weit kommt:

1. Auf die Hinweise achten

Übelkeit und Schwindel sind nicht die einzigen Symptome, die auf K.O.-Tropfen hindeuten können. Weil es sich bei den Stoffen wie GHB um euphorisierende Drogen handelt, kann es auch sein, dass du oder dein:e betroffene Freund:in übertrieben gut gelaunt wird.

Die Kampagne „K.O.-Tropfen Nein, danke!“ zeigt Erfahrungsberichte von Menschen, die unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen ungebremst flirteten oder extrem auf andere Personen einredeten. Du fragst dich, wie du hier auf die Idee kommen solltest, dass etwas nicht stimmt? Generell gilt: Wenn sich dein:e Freundin komisch oder abwesend verhält, können deine Alarmglocken läuten.

Das bekannteste Szenario bei K.O.-Tropfen ist wohl, dass Betroffene bewusstlos werden. Die größte Gefahr ist, dass sie willenlos werden können, also nicht mehr entscheiden können, was sie tun. Im Nachhinein können sie sich oft nicht erinnern, was passiert ist.

2. Krankenwagen rufen

Die Warnzeichen treten auf, was dann? Du kannst, wie bei jedem anderen Notfall, immer die Notrufnummer 112 wählen. Wenn die Person bewusstlos ist, kannst du die Person bei Bedarf in die stabile Seitenlage bringen. Zudem solltest du laut „K.O.-Tropfen Nein, danke!“ Atmung und Puls kontrollieren, bis der Notarzt kommt. Hole dir im besten Fall Hilfe von anderen Personen.

Zudem kannst du jederzeit die Polizei unter der Nummer 110 erreichen. Die kann dafür sorgen, dass der Urin der betroffenen Person im Krankenhaus nach Spuren von K.O.-Tropfen untersucht wird. Mit diesem Beweis kann sie dann gegen die Täter:in vorgehen, sollte klar sein, wer es war (oft ist Letzteres leider nicht der Fall). In manchen Städten ist das auch ohne polizeiliche Anzeige möglich (das findet dann aber privat statt und kostet in Berlin zum Beispiel rund 50 Euro).

3. An der Bar Bescheid sagen

Wenn du nicht alleine den Krankenwagen rufen möchtest oder aber es dir selbst nicht so gut geht, kannst du immer bei der Bar Bescheid geben. Organisationen und Städte schaffen schon länger ein Bewusstsein für K.O.-Tropfen. Den meisten Barkeeper:innen sollte also bewusst sein, worum es geht. Sie können dir dann weiterhelfen. In Clubs gibt es dafür manchmal auch ein eigenes Awareness-Team, bei dem du dich melden kannst.

Manchmal kann es unangenehm sein, offen um Hilfe zu fragen. In Bars in Münster hat sich deshalb ein Codewort eingebürgert, das K.O.-Tropfen im Spiel sein könnten. Du musst einfach nur den Satz „Ist Luise da?“ sagen.

4. Ein Armband hilft dabei, K.O.-Tropfen zu identifizieren

„Grundsätzlich sind die Flüssigkeiten farblos, geruchlos und nahezu geschmacklos“, sagt der Toxikologe Professor Florian Eyer, Chefarzt der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf am Universitätsklinikum München in der Apotheken Rundschau. Das macht es natürlich schwer, zu erkennen, ob sich in meinem Drink K.O.-Tropfen befinden oder nicht.

Ein Armband der Marke Xantus kann dir jedoch dabei helfen, genau das herauszufinden. Kaufen kannst du es ganz einfach in der Apotheke, bei dm oder im Müller.

Achtung! Das Armband testet nur auf den Wirkstoff GHB. Es kann aber sein, dass in dem Drink ein anderes Mittel verwindet wird (siehe Info-Kasten).

5. Euch und eure Drinks nie aus den Augen lassen

Mit diesem Überzug können keine K/O-Tropfen in den Drink gelangen.

Damit es gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, dass du deinen Drink im Club nicht alleine lässt. Oder du stülpst einen Überzug darüber, mit einer Öffnung für den Strohhalm. Solche Anti-Spike-Getränkeabdeckungen gibt es zum Beispiel bei Amazon kaufen.

Generell solltest du auf dich selbst und dein:e Freund:innen immer Acht geben. Wenn dir jemand im Club oder in einer Bar komisch vorkommt, versuche dich lieber zu distanzieren. Du kannst die Person immer bei Mitarbeitenden oder dem Awareness-Team melden. Denk immer daran: Du bist nicht alleine!

Catcalling ist eine weitere Gefahr für Frauen – so kannst du gegen die Sprüche vorgehen.

Rubriklistenbild: © Monkey Business/ Imago

Kommentare