VonFelicitas Breschendorfschließen
Warum haben sie es nicht besser gewusst? Nach den Berichten über mutmaßliche Praktiken bei Rammstein-Konzerten suchen manche die Fehler bei den Frauen.
Mehrere Frauen haben in den vergangenen Tagen schwere Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann erhoben. Die Frauen schildern Situationen, die sie teils als beängstigend empfunden hätten. Gleichzeitig äußern sich Menschen ungläubig und suchen den Fehler bei den Frauen.
Ein rechter Twitter-User kritisiert YouTuberin Kayla Shyx als „aufmerksamkeitsgeil“
Auf Twitter greift zum Beispiel ein User Kayla Shyx an. Die YouTuberin hatte Vorwürfe gegen Lindemann und seine ehemalige Mitarbeiterin Alena Makeeva geäußert, die Frauen für sexuelle Handlungen mit ihm rekrutiert haben soll.
Er zeigt das Instagram-Profil von Shyx, in dem sie Fotos von sich postet und leitet daraus ab, sie sei „aufmerksamkeitsgeil hoch 100“. Ihre Followerzahlen seien seit ihren Äußerungen gestiegen. Der Rammstein-Fall sei „ihre perfekte Chance“ gewesen, um mehr Reichweite zu bekommen.
Auch Frauen betreiben Victim Blaming im Fall Rammstein
Oft sind es alte, weiße Männer, die so abwertend über die jungen Frauen sprechen und ihnen nahelegen, selbst verantwortlich für das Erlebte zu sein. Nach dem Motto: Sie hätten doch wissen müssen, worauf sie sich einlassen. Das zeigt, dass es sich hier um Fälle von Sexismus handelt.
Victim Blaming gibt es auch unter Frauen, zeigt ein Video-Beitrag von Focus-Online, den der Twitter-User @DennisKBerlin teilte. Darin fragt ein Moderator Rammstein-Fans, was sie von den Vorfällen halten. „Wenn man auf so eine Afterparty hingeht, sollte man sich bewusst sein, [...] was man dort macht, versuchen, da [...] ein bisschen vorsichtig zu sein“, antwortet eine Frau.
Menschen sind dumm.
— DennisKBerlin (@DennisKBerlin) June 7, 2023
Manche #Rammstein Fans sind noch deutlich dümmer.
Sags wies ist. pic.twitter.com/GrIVhsS54Z
Neben Fans, die ihrer Band treu bleiben wollen, gibt es übrigens auch Fans, die Rammstein abstrafen.
7 Fragen, die sich Frauen wahrscheinlich auch nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann anhören müssen
Die Autorin Samira El Ouassil fragt sich in einem Beitrag auf der Plattform Über Medien, wann wir „endlich aufhören, Opfern eine Mitschuld zu geben“. Auf Twitter zählt sie Fragen auf, die sich Menschen immer noch stellen, wenn sie an die Rolle der Frauen bei den Rammstein-Konzerten denken:
- Warum ist sie mitgegangen?
- Warum hatte sie diese Kleidung an?
- Was hat sie denn erwartet?
- Warum war sie so naiv?
- Warum hat sie sich nicht der Situation entzogen?
- Warum hat sie das nicht zur Anzeige gebracht?
- Warum kommt sie erst jetzt damit?
Warum ist sie mitgegangen? Warum hatte sie diese Kleidung an? Was hat sie denn erwartet? Warum war sie so naiv? Warum hat sie sich nicht der Situation entzogen? Warum hat sie das nicht zur Anzeige gebracht? Warum kommt sie erst jetzt damit? Warum ist sie?https://t.co/qAJ1DCvmNa
— Samira El Ouassil (@samelou) June 7, 2023
Rammstein-Sänger Till Lindemann weist die Vorwürfe gegen ihn zurück. Seine Interessen lässt der 60-Jährige nun anwaltlich vertreten. Das gaben die Berliner Rechtsanwalte Simon Bergmann und Christian Schertz am Donnerstag (8. Juni) bekannt.
Es gibt auch Geschichten von Menschen, die sich auf die Seite der mutmaßlichen Opfer stellen: Eine Tätowiererin entfernt zum Beispiel Rammstein-Tattoos von (ehemaligen) Fans.
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