VonErkan Pehlivanschließen
Der iranische Präsident Ebrahim Raisi stirbt infolge eines Hubschrauber-Absturzes. Dem Land droht laut Experten ein interner Machtkampf.
Teheran - Die Leichen des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi und der weiteren Opfer des Hubschrauberunglücks sind nach Angaben des iranischen Roten Halbmondes vom Unglücksort geborgen worden. „Wir sind dabei, die Leichen der Märtyrer nach Täbris (im Nordwesten des Irans) zu überführen“, sagte der Leiter des iranischen Roten Halbmonds, Pirhossein Kooliwand, am Montag im Staatsfernsehen des Iran. Der Sucheinsatz sei nun beendet.
Raisi, sein Außenminister Hossein Amir-Abdollahian und weitere Passagiere waren bei einem Hubschrauberunglück im Nordwesten des Landes ums Leben gekommen. Rettungsteams hatten seit Sonntagnachmittag nach dem vermissten Hubschrauber gesucht und fanden den Helikopter am frühen Montagmorgen. „Der hart arbeitende und unermüdliche Präsident des iranischen Volkes (...) hat sein Leben für die Nation aufgeopfert“, erklärte die Regierung am Montag. Zunächst hatten Staatsmedien am frühen Morgen über den Tod berichtet.
Das Staatsfernsehen hatte am Sonntagnachmittag gemeldet, dass der Präsidentenhubschrauber in der Provinz Ost-Aserbaidschan bei schlechtem Wetter einen nicht näher beschriebenen „Unfall“ gehabt habe. Raisi hatte in der Provinz gemeinsam mit Aserbaidschans Staatschef Ilhan Alijew ein Staudammprojekt eingeweiht. Auf dem Rückflug ereignete sich das Unglück.
Alijew und Erdogan zeigen sich bestürzt nach Tod von Raisi
Am Abend wollten er und sein Abdollahian in Teheran zurück sein. Dazu kam es jedoch nicht. Aliyev zeigte sich bestürzt über Tod des iranischen Staatsoberhaupts. „Mit Präsident Ebrahim Raisi hat das iranische Volk einen herausragenden Staatsmann verloren, der seinem Land sein ganzes Leben lang mit Hingabe und Einsatz gedient hat. Sein Andenken wird immer in unseren Herzen weiterleben“, hieß es in einem am Montag in Baku veröffentlichten Beileidstelegramm Aliyevs an den iranischen Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei.
Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerte sich dem Tod Raisis. „Ich wünsche von Gott Gnade für meinen geschätzten Amtskollegen, Bruder und Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Herrn Ebrahim Reisi, der leider bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen ist“, schrieb Erdogan auf X. „Als ein Kollege, der seine Bemühungen um den Frieden des iranischen Volkes und unserer Region während seiner Amtszeit persönlich miterlebt hat, erinnere ich mich an Herrn Reisi mit Respekt und Dankbarkeit.“
Türkische „Akinci“ Drohne bei Suche nach Raisi mitbeteiligt
Die Türkei hatte nach dem Absturz eine Drohne des Typs „Akinci“ zur Verfügung gestellt, um bei der Suche nach dem abgestürzten Helikopter mitzuhelfen. Auf dem Rückweg hatte die Drohne über dem Van-See an der iranischen Grenze ein ungewöhnliches Manöver geflogen. Auf dem Radar war das Symbol von Halbmond und Stern zu sehen. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi postete dazu ein Foto auf X.
Irans Präsident Raisi als „Schlächter von Teheran“ bekannt
Raisi wurde 1960 im nordostiranischen Maschhad geboren. Als der Schah gestürzt wurde und von Revolutionsführer Ruhollah Khomeini 1979 die Islamische Republik ausgerufen worden war, war er 18 Jahre alt. Nach seinem Studium in Ghom entschied Raisi sich für eine Karriere im Justizapparat seines Landes. Raisi war knapp drei Jahre lang Präsident des Irans. In seiner früheren Funktion als Staatsanwalt soll er im Jahr 1988 für zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten verantwortlich gewesen sein, weshalb seine Gegner ihm den Beinamen „Schlächter von Teheran“ verpassten.
| Ebrahim Raisolsadati (Raisi) | |
|---|---|
| Geburtsdatum | 14. Dezember 1960 |
| Geburtsort | Maschad, Iran |
| Studium | Theologie und Recht |
| Antritt als Präsident | 3. August 2021 |
| Tätigkeiten zuvor | Staatsanwalt und später Justizchef |
Mit dem Tod von Präsident Ebrahim Raisi und Außenminister Hussein Amirabdollahian verliert die Staatsspitze des Iran zwei Persönlichkeiten, die die Außen- und Innenpolitik der Islamischen Republik geprägt haben. Aufgrund von Protesten, militärischen Spannungen im Nahen Osten und einer schweren Wirtschaftskrise befindet sich der Iran in einem anhaltenden Krisenzustand.
Machtkampf im Iran nach Tod von Raisi befürchtet
Mit Raisis Tod dürfte ein heftiger Machtkampf ausbrechen, schrieb der Iran-Experte Arash Azizi in einer Analyse für die US-Zeitschrift The Atlantic. Raisis Passivität habe Herausforderer unter den Hardlinern ermutigt. Sie würden seine schwache Präsidentschaft als Chance sehen. „Der Tod von Raisi würde das Machtgleichgewicht zwischen den Fraktionen innerhalb der Islamischen Republik verändern“, hieß es – noch bevor iranische Staatsmedien Raisis Tod bestätigten.
Bei den Parlamentswahlen im März hat sich im Iran zudem erneut ein Lager fundamentalistischer und konservativ-religiöser Politiker durchgesetzt, die auch Raisi nahestehen. Diese bisher eher unbekannten Abgeordneten könnten versuchen, mehr politischen Einfluss zu gewinnen. Moderate Politiker des Reformlagers wurden jüngst immer schwächer, auch weil der Wächterrat – ein mächtiges Kontrollgremium, besetzt mit erzkonservativen Gelehrten – ihre Kandidaturen immer stärker einschränkte.
Eine Änderung insbesondere der iranischen Außenpolitik ist nach dem Tod von Raisi ist nicht zu erwarten. „„Der Präsident der Islamischen Republik ist ein Umsetzer, kein Entscheidungsträger“, erklärte Jason Brodsky, politischer Direktor bei United Against Nuclear Iran. „Die Politik der Islamischen Republik, die Grundlagen dieser Politik, werden also die gleichen bleiben“, sagt der Experte gegenüber The Times of Israel. (erpe/dpa/AFP)
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