„Er denkt weiterhin wie ein Soldat“

„Reichsbürger“ veröffentlicht Video vor seiner Verhaftung - und warnte seine Nachbarin vor einer Razzia

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Ein bei der Reichsbürger-Razzia festgenommener Ex-Oberst kündigt „Umbruch“ per Video an - und warnt dann seiner Nachbarin vor dem Polizeieinsatz.

Split (Kroatien)/ Freyung-Grafenau (Niederbayern) - „Die nächsten Monate werden eine ganze Menge an Umbruch bringen“, kündigt der der Reichsbürgerszene zugeordnete Maximilian E. an - in einem kryptischen Video, das er Ende November auf Telegram postete. Der bei der Razzia gegen Reichsbürger verhaftete ehemalige Bundeswehr-Oberst sitzt im Video auf einem Balkon, hinter sich das Meer. „Es wird eine Zeitenwende kommen“, sagt er dann, „und ich hoffe sehr, dass sie vor Weihnachten 2022 kommt.“

Maximilian E., im Zuge der Reichsbürger verhafteter Ex-Oberst postete ein kryptisches Video mit Warnungen vor einem Umbruch

„Die Leute, die uns zweidreiviertel Jahre drangsaliert, belästigt, eingesperrt haben, die können sich warm anziehen“, meint der Ex-Oberst dann. Für die Corona-Maßnahmen politisch Verantwortlichen ziehe sich die Schlinge um den Hals zu, meint er dann. Und sagt, die Zeit des Verzeihens sei vorbei.

Reichsbürger-Razzia: Verhafteter Oberst warnte Nachbarn vor anstehender Razzia

Wenn die Betroffenen kooperieren, könne alles ohne Gewalt ablaufen, meint E. in seinem Video vor der Urlaubskulisse. „Es wird juristisch aufgearbeitet werden, und zwar mit einer neuen Justiz, einer komplett neuen.“ Eine neue Justiz und ein Umbruch vor Weihnachten 2022 - die Pläne des Mannes scheinen konkret.

Sein Video zeigt offenbar Split (Kroatien) im Hintergrund. Eine Nachbarin sagte dem ZDF: „Er hat mich Mitte vergangener Woche aus Split in Kroatien angerufen. Er wollte mich vor einer Polizeidurchsuchung bei ihm warnen - vermutlich, damit ich mich nicht erschrecke, weil sie bei mir klingeln könnten.“

Reichsbürger-Razzia: Ehemaliger Oberst durch Impflicht-Debatte radikalisiert?

Woher wusste E. schon vorab von der Razzia? Haben die selbst ernannten „Reichsbürger“ Informanten bei Staatsanwaltschaft oder Polizei? Davon geht der Bundestagsabgeordnete und vormalige Kriminalbeamte Sebastian Fiedler (SPD) laut ZDF aktuell nicht aus. Er sagte demnach: „Bei Ermittlungen gegen Terrorverdächtige ist es üblich, dass die Beschuldigten engmaschig überwacht werden. Man versucht es zwar zu verhindern, es kann aber passieren, dass die Betroffenen davon etwas mitbekommen - etwa, weil ihnen ein Auto der Ermittler auffällt.“

Und wie radikalisierte sich der Mann? Die Nachbarin erzählt dem ZDF von E. als reiselustig, sportlich und hilfsbereit - aber auch als Mann, der noch in seiner militärischen Vergangenheit lebte: „Er denkt weiterhin wie ein Soldat. Für mich ist er ein Mensch, der Probleme hat, sich im zivilen Leben zurechtzufinden.“ Radikalisiert haben könnte er sich im Zuge der Debatte um die Impfpflicht - ab da sei er zu Demos quer durch Deutschland gereist. „Über die Merkel-Regierung hat er mal gesagt, da müsse das KSK nach Berlin und dort aufräumen. Das hat mich entsetzt. Er meinte dann aber, das sei nur ein Scherz gewesen“, erzählt die Nachbarin auch. (kat)

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter/Thom Maxx TV

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