VonJana Stäbenerschließen
Ein Unternehmer warnt vor Personen, die mehr als zehn Millionen Euro besitzen – und der Macht, die sie „im Verborgenen“ ausüben.
„Superreiche sind eine Gefahr für die Demokratie“, sagt Sebastian Klein BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Nicht nur in den USA, wo sich Milliardäre wie Elon Musk schon „in die erste Reihe trauen“. Auch in Deutschland warnt Klein vor einer Einflussnahme durch die Reichsten in der Bevölkerung. Zu denen zählt er sich selbst, denn er hat mit dem Verkauf von Unternehmen wie „Blinkist“ viel Geld verdient. Zu viel, wie er sagt.
Heute würden 90 Prozent von Kleins Privatvermögen in gemeinnützigen Strukturen wie dem systemischen Investmentfonds Karma Capital stecken. Dass er etwas tun müsse, habe er vor etwa sieben Jahren gemerkt, als er die Bücher des Ökonomen Thomas Piketty gelesen habe. „Das war augenöffnend für mich. Er beschreibt die extreme Ungleichheit in Ländern wie Deutschland. Für mich eines der größten Probleme unserer Zeit.“
Superreiche in Deutschland haben dank „viel Geld ganz andere Einflussmöglichkeiten“
In Deutschland besitzen 3300 Superreiche laut einer Studie der Boston Consulting Group 23 Prozent des Gesamtvermögens. Die ärmere Hälfte weniger als drei Prozent. In unserer Verfassung stehe, dass jede Stimme gleich viel zählen müsse. „In einer ungleichen Gesellschaft geht das nicht, dann hast du mit viel Geld ganz andere Einflussmöglichkeiten“, sagt Klein BuzzFeed News Deutschland. Im Februar erschien ein Buch, das er zu diesem Thema geschrieben hat.
„Jeder Milliardär ist ein Systemfehler“, weil er zu viel Macht besitze. Dass vermögende Familien diese Macht ausüben, passiere in Deutschland „im Verborgenen“. Sie gingen anders als Elon Musk, der Donald Trump mehr als 250.000 gespendet hat, teilweise sogar dagegen vor, dass ihr Vermögen öffentlich gemacht werde. Sie übten mit Unternehmensverbänden gezielte Lobbyarbeit aus – vor allem auf Steuergesetze.
„Eine der Strategien von Reichen ist, dem Rest der Bevölkerung das Gefühl zu geben, dass Steuerreformen auch sie betreffen“, sagt Klein. So würden populistische Politiker immer wieder davon reden, dass man das Häuschen der Oma durch Reformen der Erbschaftssteuer verlieren könne. „Da wird dann den Leuten mit Szenarien Angst gemacht, die völliger Quatsch sind. Eine Reform der Erbschaftssteuer wäre dringend nötig.“
„Große Vermögen wachsen immer weiter an“, kritisiert Unternehmer
In Deutschland werden Arbeitseinkommen besonders stark durch Steuern und Sozialabgaben belastet. Während jemand, der sein Kapital für sich arbeiten lässt, mit um die 25 Prozent besteuert wird, müssen andere auf ihr Gehalt bis zu 45 Prozent Steuern zahlen. „Um das zu ändern, hätten wir jede Menge Hebel im Steuersystem“, sagt der Unternehmer und Autor BuzzFeed News Deutschland.
„Große Vermögen wachsen immer weiter an, weil wir sie nicht durch eine Erbschaftssteuer, nicht durch eine Vermögenssteuer, nicht durch eine Kapitalertragssteuer limitieren“, sagt Klein. Experten würden die Obergrenze für zu viel Macht in einer Demokratie bei einem Vermögen in Höhe von zehn Millionen Euro sehen. Ob sich so eine Obergrenze durchsetzen lasse, bezweifelt Klein zwar, aber so, wie es momentan sei, gehe es nicht weiter.
Er meine damit nicht, dass es keine Unterschiede oder keinen Wettbewerb mehr geben solle. „Aber wenn die Unterschiede so groß sind wie heute, dann schaffst du im Grunde die Demokratie ab. Dann bist du auf dem Weg in die Oligarchie“, sagt Klein, in der eine kleine Gruppe die politische Herrschaft ausübt. „Wenn wir den Kapitalismus erhalten wollen, müssen wir ihn reformieren, sonst fliegt er uns um die Ohren.“
Rubriklistenbild: © Peter Seyfferth/IMAGO


