VonJana Stäbenerschließen
Wer mit KI eine Reise plant, bekommt oft falsche Antworten. Ein Tourismusexperte verrät, wie die Zukunft der Reisebranche aussieht.
Eine Instagramerin behauptet, ChatGPT sei DAS perfekte Tool, um Reisen zu planen. Ob das stimmt, haben wir von BuzzFeed News Deutschland mal genauer getestet und fünf Urlaubsvorschläge von ChatGPT angefragt. Unser Fazit: So richtig zuverlässig kann die KI Reisen wohl nicht planen – teilweise existierten die Hotels gar nicht, die uns der Bot vorschlug.
Für den Marketingberater und Tourismusexperte Günter Exel, keine große Überraschung. Er beobachtet ChatGPT als eine Art digitales Reisebüro schon lange und kennt die Tücken, die es hat, mit KI einen Urlaub planen zu wollen. BuzzFeed News verrät er, warum uns die KI manchmal anflunkert und was die Zukunft bringen könnte.
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ChatGPT für die Urlaubsplanung: Deswegen gibt die KI falsche Antworten
Günter Exel arbeitet bei Realizing Progress, eine Marketingagentur, die sich besonders mit der Zukunft des Tourismus beschäftigt. Er findet das Thema super spannend, das merkt man an seinen leuchtenden Augen, wenn er von der KI-Urlaubsplanung spricht. Wir fragen ihn, warum ChatGPT uns Hotels ausgespuckt hat, die es gar nicht gibt.
„Was alle Künstlichen Intelligenzen zunächst gemeinsam hatten: Sie halluzinieren, wenn sie etwas nicht wissen. Sie unterscheiden nicht zwischen Realität und Fiktion“, sagt Exel BuzzFeed News Deutschland. ChatGPT durchsuche nicht das Internet. Zumindest noch nicht. Die Gratisversion der KI habe bisher nur den Datenpool, mit dem sie trainiert wurde und der gehe nur bis September 2021. „ChatGPT konnte gar nicht wissen, was aktuelle Flüge kosten.“
Doch das könnte sich bald ändern: Wer in Zukunft den Bing-Browser verwendet, soll mit ChatGPT Zugriff auf aktuelle Informationen aus dem Internet haben, berichtet Mashable. Für die kostenpflichtige Version der KI (GPT-4) gibt es diese Funktion bereits. Sie heißt Web-Browsing. „Mit dem gibt ChatGPT Antworten, die tatsächlich stimmen“, sagt Exel.
Weil er Fehler macht, wird ChatGPT leicht zum „Superspreader“ von Fake News: Die KI textete noch im Januar in 80 von 100 Fällen falsche Informationen.
„Man muss ganz klar zwischen Inspiration und Planung unterscheiden“
Er gibt ein Beispiel aus seinem Alltag als Marketingberater für die Reisebranche: Ein Reisebürobesitzer habe eine Stunde lang nach Schlosshotels mit Blick auf Rhein, Main oder Mosel gesucht und nichts gefunden. „GPT-4 fand auf Anfrage fünf Häuser und lieferte die Links dazu.“ Zwar sei die Websuche nicht so flink, wie die Antworten der Gratisversion, dafür seien sie viel akkurater.
Was bedeutet das für die Reisebranche, fragen wir Exel. Er glaubt, dass die einfach ein neues, leistungsstarkes Tool dazu gewonnen habe. „Im März habe ich Lehrlingen von Reisebüros ChatGPT gezeigt. Einer sagte: ‚Dann braucht es uns ja nicht mehr‘. Aber das stimmt nicht, denn Reisen ist ein sehr komplexes Thema und sobald du eine komplexe Reise planst, beginnt die Stunde der Reiseberater:innen.“ (Die beginnt auch, wenn fünf Urlaubsregionen in Europa, gar nicht mehr bereist werden können.)
Also darf man ChatGPT keine zu schwierigen Aufgaben geben? „Man muss ganz klar zwischen Inspiration und Planung unterscheiden. Für ersteres ist ChatGPT großartig. Wenn man allgemeine Anregungen will, gibt die KI wertvolle Ergebnisse. Bei der Planung wird es jedoch schwierig“, gibt Exel zu Bedenken. „Wann man wo sein sollte und welche Verkehrsanbindungen sinnvoll sind – das kann KI noch nicht so gut.“ Doch er ist sich sicher: Mit neuen Plugins wie dem Web-Browsing und auch der Zusammenarbeit mit Bing sei der „Startschuss erst gefallen“.
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