Wie, mit 67 fängt das Leben erst an?

Rente und Altersvorsorge: Steuern wir als Millennials und Gen Z auf die Altersarmut zu?

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Bei den Themen Rente und Eintrittsalter sind viele verloren oder fühlen sich getriggert. Hier ein Überblick mit den wichtigsten Punkten zur Altersvorsorge.

Berlin – Seit 1957 die große Rentenreform verabschiedet wurde, gilt in Deutschland der Generationenvertrag, der die gesetzliche Rentenversicherung regelt. Doch der demografische Wandel und steigende Lebenserwartungen stellen unsere Gesellschaft vor eine große Herausforderung und überlasten das aktuelle Rentensystem.

Zuständige Behörde für gesetzliche RenteDeutsche Rentenversicherung
Voraussetzungen Variiert je nach Art der Rente
Eintrittsalter 67 Jahre ab Jahrgang 1964

Rente in Frankreich: Proteste nach der neuen Rentenreform

Wie emotional das Thema Rente sein kann, zeigen die massiven Proteste in Folge der neuen Rentenreform in Frankreich: Paris und viele andere französische Städte standen Anfang des Jahres 2023 regelrecht in Flammen – und das monatelang.

Heftige Proteste hielten Frankreich nach Beschluss der neuen Rentenreform und Erhöhung des Renteneintrittsalters von 62 auf 64 Jahre monatelang in Atem.

Seit diese Bilder um die Welt gingen, haben viele das Thema Rente und Altersvorsorge wieder auf dem Schirm. Doch wer hat Anspruch auf welche Rente? Und was ist denn eigentlich das Problem mit dem Renteneintrittsalter?

Rentenversicherung in Deutschland: Wie funktioniert der Generationenvertrag?

Das deutsche Rentensystem funktioniert über das sogenannte Umlageverfahren. Arbeitnehmer:innen und ihre Arbeitgeber zahlen jeden Monat zu gleichen Teilen den fälligen Betrag – 18,6 Prozent vom Bruttogehalt (Stand: Juni 2023) – in die Rentenversicherung ein. Der Staat spart oder hortet diese Beiträge allerdings nicht, sondern zahlt sie direkt wieder an die Menschen aus, die aktuell Anspruch auf Rente haben. Erwerbstätige Menschen finanzieren also die Rente der älteren Generation und haben somit auch später einen Anspruch darauf, dass die Abgaben der nächsten Generation die eigene Rente ermöglichen.

Ein Rechenbeispiel:
Liegt dein monatliches Bruttoeinkommen bei 2.000 Euro, dann wird mit dem Rentenbeitragssatz von 18,6 Prozent ein Betrag von 327 Euro fällig. Davon bezahl dein Arbeitgeber die Hälfte und du die andere, also jeweils 186 Euro. Good to know: Auch die Beiträge für die Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung teilst du dir mit deinem Arbeitgeber.

Rente: Welche Arten gibt es?

Die 3 Säulen der Altersvorsorge

Allgemein spricht man von drei Säulen der Altersvorsorge. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt eine Mischung aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente. Jede:r Arbeitnehmer:in hat Anspruch auf die reguläre gesetzliche Rentenversicherung. Private und/oder betriebliche Absicherungen sind optional. Für Menschen, die nicht arbeiten können, greift die Grundsicherung.

  • Die reguläre Altersrente
    Hast du die mindestens fünf Jahre gearbeitet (also in die Rentenversicherung eingezahlt), die Wartezeit von 35 Jahren hinter dir und das Eintrittsalter erreicht, hast du Anspruch auf die reguläre Altersrente.
  • Grundsicherung
    Betrifft nur diejenigen, die keine Rente beziehen können und unzureichende Einnahmen für ihren Unterhalt haben. Das sind meistens Menschen, die lange arbeitslos oder wegen gesundheitlicher Probleme arbeitsunfähig waren.
  • Al­ters­ren­te für schwer­be­hin­der­te Men­schen
    Wer als schwerbehinderter Mensch einen Behinderungsgrad von mindestens 50 vorweisen und somit gar nicht oder nicht bis zum regulären Renteneintritts arbeiten kann, hat Anspruch auf diese Rente.
  • Er­werbs­min­de­rungs­ren­te
    Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeitsfähig ist, kann eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen, die das Einkommen ergänzt oder ersetzt.
  • Ren­ten für Hin­ter­blie­be­ne
    Prozentuale Auszahlung der Rente eine:s verstorbenen Ehefrau/Ehemann oder Lebenspartner:in an den/die Hinterbliebene:n
  • Private Rentenversicherung
    Umfasst prinzipiell alle privaten Vorkehrungen für die finanzielle Absicherung im Alter, zum Beispiel „Riester“-Verträge, Immobilien, Aktien
  • Betriebliche Rentenversicherung
    Grundsätzlich ist die betriebliche Altersversorgung eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, der damit eine zusätzliche lebenslange Rentenzahlung für seine Arbeitnehmer:innen aufbaut.

Renteneintrittsalter: Wann kann ich in Rente gehen?

Im Jahr 2007 wurde das Renteneintrittsalter mit dem RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz auf 67 Jahre erhöht. Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente gehen möchte, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen und mit einem Abschlag von aktuell 0,3 Prozent rechnen. Früher in Rente gehen ist also möglich, aber hat seinen Preis. Andersherum zahlt sich später in Rente gehen mit einem Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat aus. (Stand: Juni 2023)

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Rente für Millennials und GenZ

Mittlerweile hat das Rentensystem aber mehrere Schwachstellen, denn das Umlageverfahren kommt bei der anhaltend niedrigen Geburtenrate schnell an seine Grenzen. Zudem steigen junge Menschen durch lange Studienzeiten immer später in den Beruf ein, während die Lebenserwartung stetig steigt.

So stehen in Zukunft immer mehr Rentenbezieher:innen immer weniger Beitragszahler:innen gegenüber. Besonders für Menschen, die ab 1980 und später geboren wurden, die Generationen „Millennials“ und die „GenZ“ ist das problematisch. Viele von ihnen beginnen gerade ihre Karriere oder sind schon seit einiger Zeit voll berufstätig, haben aber noch einen langen Weg bis zur Rente vor sich.

„Wird schon“ - Wie Millennials und GenZ-Kids über Rente nachdenken

Für sie darf der Beitragssatz, den sie für die aktuellen und zahlreichen Rentenbezieher:innen leisten, nicht zu stark steigen, während die Wahrscheinlichkeit auf die stabile Finanzierung ihrer eigenen Rente absinkt. Deshalb wird die gesetzliche Rente in den kommenden Jahrzehnten langsamer wachsen als die Löhne. Expert:innen gehen davon aus, dass der steuerpflichtige Teil der Rente schrittweise bis 2040 steigen wird. Generell tendieren viele dazu, zusätzlich privat für das Alter vorzusorgen, um nicht in eine potenzielle Altersarmut abzurutschen.

Was versteht man unter Altersarmut?

Von Altersarmut spricht man, wenn ein Mensch im Alter nicht genug Geld hat, um die Ausgaben für seine Bedürfnisse zu decken und sein Einkommen unter 60 Prozent des deutschen Medianeinkommens liegt. Laut dem Statistischen Bundesamt war im Jahr 2021 fast ein Viertel der über 80-Jährigen von Altersarmut betroffen – Tendenz steigend.

„Pension-Pay-Gap“: Besonders Frauen sind von Altersarmut betroffen

Frauen sind deutlich stärker von Altersarmut betroffen, besonders alleinstehende ältere Frauen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

  • Frauen werden im Schnitt älter als Männer.
  • Frauen sind schlechter abgesichert. Die Gehälter in der Erwerbstätigkeit sind bei gleicher fachlicher Qualifikation oft niedriger als bei Männern. Hinzukommen häufig längere Phasen der Kinderbetreuung, in denen die Frau über Minijobs oder Arbeiten in Teilzeit wenig bis kein Einkommen hat.
  • Frauen sind deswegen tendenziell finanziell von Männern abhängig. Das ändert sich auch im Alter und sogar nach dem Tod des Partners oder Ehemanns nicht. Hat also die Rente zweier Eheleute alle Ausgaben gedeckt, könnte das nach dem Tod des Partners ganz anders aussehen. Denn die Frau bekommt zwar eine Witwenrente ausgezahlt, diese ist aber deutlich niedriger (zwischen mindestens 25 und maximal 60 Prozent) als die Rente des Mannes. Gibt es jetzt noch Kredite o.Ä. abzuzahlen, steigt das Risiko auf Altersarmut.

Eine Möglichkeit, der zusätzlichen Altersarmutsgefährdung von Frauen entgegenzuwirken, ist die Schließung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen und das Schaffen fairer Bedingungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt, beispielsweise durch das Aufteilen von Kindererziehung und die Frauenquote.

Rubriklistenbild: © Westend61/IMAGO

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