Zoff um CDU-Vorstoß

„Rücksichtslos“: SPD wehrt sich gegen Spahns Renten-Schnitt für Arbeiter

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Rente mit 63 abschaffen? Mit diesem Vorschlag ist Jens Spahn vorgeprescht. Die SPD ist erzürnt - und weist den Ex-Minister in die Schranken.

Berlin - Viel Gegenwind für Jens Spahn (CDU): Nach seinem Vorstoß zur Abschaffung der Rente mit 63 ist in Deutschland eine hitzige Debatte entbrannt. Während die Union angesichts des Fachkräftemangels keinen anderen Ausweg aus der drohenden Rentenlücke sieht, werfen Linke und SPD der Opposition Zündeln am gesellschaftlichen Zusammenhalt vor.

Rente mit 63 abschaffen? SPD weist Vorschlag von Spahn empört zurück

Besonders scharf reagierte nun die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf Spahns Initiative. Dass der frühere Gesundheitsminister und jetzige Unionsfraktionsvize die Rente mit 63 abschaffen wolle, sei „ungerecht und rücksichtslos“, wetterte die Sozialdemokratin am Montag (29. Mai) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Es geht dabei um Menschen, die 45 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben“, sagte die SPD-Politikerin. „Menschen, die meist seit sie 14 Jahre alt sind, malochen.“

Will Maurer notfalls länger arbeiten lassen: Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) fordert die Abschaffung der Rente mit 63.

Dreyer betonte weiter: „Herr Spahn kann sich das vielleicht gar nicht vorstellen. Es geht um Dachdecker, Verkäufer, Pflegekräfte, Arbeiter und Arbeiterinnen, die ihr ganzes Berufsleben lang hart gearbeitet und viel zum Wohlstand unseres Landes beigetragen haben.“

Rente mit 63: Langjährige Versicherte können gestaffelt ohne Abschläge in den Ruhestand

Die Regelung ist er 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden. Die Rente mit 63 zielt dabei auf „besonders langjährig Versicherte“, die mindestens 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Vor 1953 Geborene konnten bislang ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen. Für Jüngere, die bis 1963 geboren wurden, steigt diese Altersgrenze schrittweise an. Vom Geburtsjahrgang 1964 an liegt sie dann wieder bei 65 Jahren, wie es in generellen Informationen der Deutschen Rentenversicherung heißt.

Doch angesichts des in Deutschland herrschenden Fachkräftemangels und der damit verbundenen Probleme bei der Finanzierung der Rentensysteme regt sich immer wieder Widerstand gegen einen vorzeitigen Abschied von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Ruhestand. In der Bild am Sonntag hatte Spahn deswegen einen neuen Vorstoß gewagt - und die Abschaffung der Rente mit 63 gefordert.

Kostet die Rente mit 63 zuviel Wohlstand? Spahn fordert die Abschaffung

„Die Rente mit 63 kostet Wohlstand, belastet künftige Generationen und setzt die falschen Anreize. Sie sollte sofort abgeschafft und durch eine bessere Erwerbsminderungsrente ersetzt werden“, hatte der Unionspolitiker gesagt. Zwei Millionen Fachkräfte, die früher in Rente gegangen seien, fehlten nun „bitterlich“.

Bei SPD, Grünen und Linke stieß die Forderung umgehend auf Widerspruch. Am Montag legte Dreyer dann jetzt noch einmal nach. Die Abschaffung der Rente mit 63 träfe Menschen hart, die ihr ganzes Leben lang und oft mit vollem körperlichen Einsatz hart gearbeitet haben. „Es ist für mich ein Zeichen des Respekts, dass sie nach dieser langen Zeit ohne Abschläge in Rente gehen können“, betonte Dreyer. Es sei unverantwortlich, dass die Union um Spahn diese Menschen in die Erwerbsminderungsrente drücken wolle. (jkf mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Daniel Bockwoldt/dpa

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