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Wie viel Rente bekommst du und wie erkennst du deine Rentenlücke?

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Jedes Jahr flattert Post von der Deutschen Rentenversicherung in die Wohnung. Wir zeigen dir, auf welche Punkte du beim Überfliegen besonders achten musst.

Wenn du über 27 Jahre alt bist und mindestens fünf Jahre Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hast (auch Kindererziehungszeiten für die ersten drei Lebensjahre eines Kindes werden angerechnet), dann bekommst du einmal im Jahr Post von der Deutschen Rentenversicherung: die sogenannte Renteninformation. Aber was beinhaltet dieses Schreiben eigentlich? Und wie verlässlich ist es? BuzzFeed News Deutschland erklärt das für dich mal an einem Beispielbrief.

Checkst du deine jährliche Renteninformation? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Renteninformation: So könnte deine finanzielle Situation im Alter aussehen

Die Renteninformation wird laut Deutscher Rentenversicherung jährlich an rund 31 Millionen Versicherte versandt. Sie gibt dir einen Überblick darüber, wie deine finanzielle Situation im Alter aussehen könnte. Das zu wissen, ist für dich extrem wichtig, denn viele junge Menschen sparen kaum fürs Alter und tappen in eine Armutsfalle.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Die Renteninformation ist nur eine Hochrechnung – die Angaben sind nicht verbindlich. Gerade auch, weil die Menschen in Deutschland immer älter werden (Demografischer Wandel) gibt es einen Belastungsanstieg bei den Renten, weil später mal weniger Berufstätige für mehr Rentner aufkommen müssen, über den auch die Tagesschau berichtet.

Wie viel Rente bekomme ich irgendwann?

Teil 1: In der Renteninformation steht auch, wie viel du bekommen würdest, wenn du heute aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könntest.

Im ersten Teil deiner Renteninformation steht, wann du im Normalfall in Rente gehen kannst, ohne Abzüge zu bekommen (gelb). Das Eintrittsalter liegt für alle, die nach 1964 geboren wurden, bei 67 Jahren. Immer wieder fordern Ökonomen die Rente mit 70, ärgerlich für die, die schon mit 26 wissen, dass sie früh in Rente gehen wollen.

Außerdem zeigt dir die Renteninformation, was du später einmal brutto bekommen könntest, wenn du aufgrund von Krankheit berentet wirst (rot). (Das ist nicht viel, weshalb du über Berufsunfähigkeitsversicherungen nachdenken kannst – am besten so früh wie möglich.)

Weiter unten steht, was du zu deinem regulären Renteneintritt brutto bekommst, wenn du ab heute nicht mehr in die Rentenversicherung einzahlen würdest (orange). Wenn du in den Jahren bis dahin so viel verdienen wirst, wie durchschnittlich in den vergangenen fünf Jahren, dann bekommst du brutto die Summe, die weiter unten steht (grün).

Achtung: Brutto bedeutet: Von den Rentenbeiträgen müsstest du gegebenenfalls noch Kranken-, Pflegeversicherungsbeiträge und Steuern zahlen.

Renteninformation: Das passiert, wenn die Renten steigen

Teil 2: Was hat es mit der Rentenanpassung auf sich? Wir erklären es dir.

Im zweiten Teil deiner Renteninformation wird ein wenig in die Zukunft geschaut und ausgerechnet, wie viel man bei einem angenommenen Anpassungssatz von einem Prozent und zwei Prozent pro Jahr an Regelaltersrente bekommen würde (blau). Denn je nach Inflationslage (Stand April 2023: 7,2 Prozent) steigen die Renten, um Teuerungen auszugleichen.

Jedes Jahr zum 1. Juli findet die sogenannte Rentenanpassung statt. Im Jahr 2023 steigen die Renten um 4,39 Prozent in den alten Bundesländern und 5,86 Prozent in den neuen Bundesländern. Bis zum Jahr 2036 sollen die Renten laut Rentenversicherungsbericht um 43 Prozent ansteigen, eine durchschnittliche Steigerungsrate von 2,6 Prozent pro Jahr, berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrem Rentenüberblick für 2023.

Klingt viel? Die Rentensteigung für 2023 gleicht aber nicht einmal die aktuelle Inflation aus. Deswegen solltest du lieber mit der grünen Summe (siehe Bild 1) rechnen. Sie zeigt dir realistischer, wie viel du dir von deiner Rente irgendwann mal leisten kannst. Und das ist (Achtung Spoiler!) nicht viel. Schon heute sind viele Senior:innen von Altersarmut betroffen, gerade auch in der queeren Community.

Wie groß ist meine Rentenlücke?

Umso wichtiger ist der letzte Punkt in deiner Renteninformation. Er macht dir noch einmal klar, dass es bei deiner Rente später einmal eine Rentenlücke (auch Versorgungslücke genannt) geben wird. Bedeutet, die Rentensumme deckt nicht alle Kosten ab, die du mit 67, 70 und 80 Jahren haben wirst. Es entsteht zwingend ein Defizit, dass du schon in jungen Jahren durch private Rentenversicherungen, Sparen oder Investments ausgleichen musst.

Und so berechnest du deine Rentenlücke: Schau dir an, was du aktuell netto zur Verfügung hast und rechne dann damit, dass du davon 70 bis 80 Prozent zum Leben brauchen wirst. Wenn du beispielsweise 2000 Euro netto verdienst und im Alter 70 Prozent davon haben willst, sind das 1400 Euro. Wenn in deiner Renteninformation steht, dass du später mal 700 Euro Rente bekommst, dann ist deine Rentenlücke 700 Euro groß. Genau die gilt es mit Sparplänen und Anlagen auszugleichen – zumindest so viel eben geht.

Renteninformation: Wie hängen Rentenbeiträge und Entgeltpunkte zusammen?

Teil 3: Renteninformation: So wird deine Rente berechnet.

Auf der Rückseite deiner Renteninformation, dem dritten Teil, steht neben Details zur Rentenanpassung, Erwerbsminderung oder Berechnung der Regelaltersrente auch, wie sich die Beiträge überhaupt berechnen. Ihre Höhe hängt nämlich davon ab, viele Rentenpunkte (auch Entgeltpunkte genannt) du bisher angesammelt hast (pink).

Ein Entgeltpunkt wird berechnet, wenn du ein Jahr lang den Durchschnittsverdienst aller Versicherten (aktuell 43.142 Euro) bekommen hast. Auch Kindererziehung, Freiwilligendienste, Arbeitslosigkeit oder Krankheit geben anteilig Rentenpunkte.

Mithilfe dieser Rentenpunkte kannst du deine Rentenlücke auch in einem Online-Rechner (hier oder hier) ermitteln. Wenn du noch keine Renteninformation erhalten hast, kannst du online auch deine Rentenpunkte berechnen. Aber Achtung: Die Ergebnisse von Online-Rechnern sind noch ungenauer, als die Renteninformation und können stark abweichen.

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