„Corey stand für das Beste in uns“

„Ein Mann der Liebe und nicht des Hasses“: Freunde und Bekannte betrauern Opfer des Trump-Attentats

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Zwei Tage nach der Bluttat hat der vom Attentäter getötete Mann einen Namen und ein Gesicht. Corey Comperatore war weit mehr als ein Fan von Donald Trump.

Butler – Zwei Menschenleben kostete das Attentat auf Donald Trump. Der Ex-Präsident kam in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania mit einem Streifschuss davon. Dagegen starb neben dem als Schütze identifizierten Thomas Matthew Crooks auch ein Mann im Publikum.

Bei dem von mindestens einer der Kugeln tödlich getroffenen Zuschauer handelt es sich um Corey Comperatore. Das gab Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania, bekannt. „Ich habe mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern gesprochen“, sagte der seit Januar 2023 amtierende Demokrat, der den Verstorbenen als „girl dad“ bezeichnete, worunter zu verstehen ist, dass Comperatore sich einsetzte, damit seine Töchter einmal die gleichen Rechte haben wie jeder Junge.

Wenige Wochen später ist er tot: Auf diesem Foto feiert Corey Comperatore mit seiner Tochter Allyson seinen 50. Geburtstag.

Todesopfer bei Trump-Attentat: Comperatore war „eifriger Unterstützer vom früheren Präsidenten“

„Corey war ein Feuerwehrmann. Corey ging jeden Sonntag in die Kirche“, führte der 51-Jährige fort: „Corey liebte die Gemeinschaft. Und vor allem anderen liebte Corey seine Familie.“ Außerdem sei der 50-Jährige ein „eifriger Unterstützer vom früheren Präsidenten“ gewesen, deshalb sei es ihm wichtig gewesen, bei dem Auftritt von Trump dabei zu sein.

Comperatores Frau habe ihn gebeten, allen mitzuteilen, „dass Corey als Held gestorben ist“. Das erklärte Shapiro so: „Corey hat sich vor seine Familie geworfen, um sie bei dieser Veranstaltung zu schützen. Corey stand für das Beste in uns. Möge sein Andenken ein Segen sein.“

Wie das Rundfunk-Syndikat NPR berichtet, lebte Comperatore in Sarver, das etwa 20 Kilometer südöstlich vom Tatort liegt. Seine beiden Töchter Allyson und Kaylee sind laut der New York Times 27 und 24 Jahre alt. Aus seinem LinkedIn-Profil geht hervor, dass er seit fast drei Jahrzehnten für den international tätigen Kunststoffhersteller JSP arbeitete, seit mindestens 2001 in Butler.

Comperatore stirbt bei Trump-Attentat: Nachbaren sprechen über „lockeren Typ“ und „patriotischen Kerl“

NBC sprach mit einigen Weggefährten von Comperatore. Ein 62-jähriger Nachbar, der ihn seit 20 Jahren kannte, bezeichnete ihn als „lockeren Typ“, mit dem er trotz aller politischen Differenzen gut ausgekommen sei. „Er wusste, dass ich Biden-Fan bin. Ich wusste, dass er Trump-Fan ist. Aber wir haben das nie zwischen uns kommen lassen“, betonte der Nachbar. Beide seien gemeinsam Dirtbike gefahren.

Ein anderer Nachbar, der seit rund elf Jahren in der Nähe der Comperatores wohnt, nannte diesen „einen patriotischen Kerl“, der in der Gemeinschaft sehr anerkannt gewesen sei. Der 60-Jährige hatte selbst überlegt, zu der Veranstaltung von Trump zu gehen, sich aber wegen eines Bauchgefühls dagegen entschieden.

Ein 73-Jähriger, der 20 Jahre lang unter Comperatore arbeitete, merkte an, dieser habe bei der Arbeit manchmal nach Rauch gerochen – weil er vorher noch freiwillig für die Feuerwehr im Einsatz gewesen war. „Sie wollen wissen, was für ein Mensch er war? Ich hatte einen Hirntumor und er ist die ganze Zeit über mit mir in Kontakt geblieben, als ich die Chemo hatte und so“, verrät der Mann.

Ein anderer Arbeitskollege sagte demnach, für Comperatore sei seine Familie alles gewesen. Und er „ein sehr gerechter Mann“: „Wenn du ein Problem hattest, konntest du mit ihm darüber sprechen und er hat es berücksichtigt.“

Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident

US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden.
US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania.
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Kurze Zeit später fielen die Schüsse. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht.
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump.
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump. Im Hintergrund decken Secret-Service-Mitarbeiter den Ex-Präsidenten hinter dem Pult. © dpa/AP | Evan Vucci
Auf Videos ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert.
Auf Aufnahmen ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter.
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe.
Ein Bild, das wohl auch im US-Wahlkampf immer wieder auftauchen wird. Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe. © dpa/AP | Evan Vucci
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen.
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen. © dpa/AP | Evan Vucci
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne.
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust.
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust. Zuvor rief er noch „fight“ in das Pult-Mikrofon. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr.
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren.
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren. © dpa/AP | Evan Vucci
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben.
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump – das Chaos lässt auf die entstandene Panik deuten. © dpa/AP | Evan Vucci
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.  © dpa/AP | Evan Vucci

Trump-Attentat vor US-Wahl: Pensionierter Notarzt wollte Comperatore wiederbeleben

In der Times kommt ein langjähriger Freund zu Wort, der auf viele gemeinsame Feuerwehreinsätze mit Comperatore für die Buffalo Township Volunteer Fire Company zurückblickt. Der 63-Jährige ist sicher, dass die schnellen Instinkte des Verstorbenen beim Attentat eine Rolle gespielt haben: „Wenn du ein freiwilliger Feuerwehrmann bist, ist es völlig egal, was du gerade tust, wenn die Pfeife ertönt und der Monitor loslegt, gehst du und tust, was du tun musst.“

So hat Comperatore wohl schon unzähligen Menschen geholfen und sie vor Schlimmerem bewahrt. Für ihn selbst kam beim Drama rund um das Trump-Attentat jede Hilfe zu spät. Bei CNN berichtete ein anwesender Chirurg, er habe dabei geholfen, den Körper von den Tribünen wegzutragen: „Sie haben die Leiche zum Zelt hinter den Tribünen gebracht.“

Ein pensionierter Notarzt versuchte nach eigenen Angaben noch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung, wurde dabei von Umstehenden unterstützt. Nachdem dies nicht geholfen habe, sei sein Blick zur Familie von Comperatore gegangen. Der Ausdruck auf ihren Gesichtern sei „etwas, das ich nie vergessen werde“.

Angriff auf Trump mit Todesopfer: Feuerwehrkollege lobt Comperatore als „Mann der Liebe“

Auf Facebook gedachte Comperatores Tochter Allyson „dem besten Papa, den sich ein Mädchen wünschen kann“. Mit ihm sei „ein Superheld im echten Leben gestorben“. Auch Dawn Comperatore Schafer, die Schwester des Verstorbenen, meldete sich im Online-Netzwerk zu Wort. „Die Kundgebung von Trump hat meinen Bruder das Leben gekostet“, schreibt sie: „Der Hass auf einen Mann hat demjenigen das Leben genommen, den wir am meisten geliebt haben.“

Zu Ehren von Comperatore sollen die Flaggen in Pennsylvania auf halbmast hängen. Die freiwillige Feuerwehr, in die er 1994 eintrat und die er Anfang der 2000er kurzzeitig leitete, hat laut CBS schwarze Wimpel an ihrem Gebäude und an einem der Trucks aufgehängt.

Craig Cirrincione, Second Lieutenant der Einheit, zeigte sich „nicht im Geringsten“ überrascht von Comperatores Heldentat in den letzten Sekunden seines Lebens: „Ich wäre nicht einmal überrascht, wenn er das für einen Fremden getan hätte.“ Man könne viel von ihm lernen: „Ich möchte, dass die Menschen wissen: Er war ein Mann der Liebe und nicht des Hasses.“

Hektik auf der Tribüne: Nach den Schüssen kümmern sich Einsatzkräfte um die Verletzten.

Spenden für Opfer von Trump-Attentat: Millionensumme kommt binnen zwei Tagen zusammen

Das unterstreicht auch die Geschichte, die ein 33-Jähriger aus der Nachbarschaft in der Times erzählt. Als er vor einigen Jahren im Krankenhaus gewesen sei, habe Comperatore über eine Online-Plattform Geld für ihn gespendet. Weihnachten des vergangenen Jahres habe Comperatore ihn gefragt, ob er jemanden in Not kenne, dem er einen Schinken schenken könne. Letztlich entschied er sich für eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern.

Nun wird auch für ihn gesammelt. Auf der Spenden-Webseite GoFundMe geht es im Namen von Trump um die Unterstützung der Opfer des Attentats – neben Comperatore wurden ein 57-Jähriger und ein 74-Jähriger schwer verletzt, ihr Zustand ist mittlerweile aber stabil. Binnen weniger als zwei Tage kamen mehr als 3,6 Millionen US-Dollar zusammen. Das sind rund 3,3 Millionen Euro.

Auch eine separate und private Spendensammlung für Comperatores ältere Tochter Allyson ist ein voller Erfolg. Nach 19 Stunden wurden ihr schon mehr als 830.000 US-Dollar vermacht, das sind rund 760.000 Euro. (mg)

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