Analyse

Bildungsmonitor zeigt Misere: „Bundesländer halten an dem kaputten System fest“

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In vielen Bereichen werden die Leistungen deutscher Schüler schlechter, sagt eine Studie.
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Sachsen hat die besten Schulen, Bremen die schlechtesten. Wirklich? Der „Bildungsmonitor“ ist umstritten. Und doch zeigt er auf ein grundsätzliches Problem im deutschen Bildungssystem.

Bildung ist Ländersache. Es sind nur drei Worte, doch kaum ein Grundsatz des politischen Berlins hat so viele Auswirkungen. Im Kern besagt er, dass dem Bund letztlich die Hände gebunden sind, was in deutschen Schulen gelehrt und geprüft wird. Denn genau das entscheiden am Ende die Bundesländer. Die Folge sind 16 verschiedene Systeme – die sich obendrein in ihrer Qualität unterscheiden.

Wie stark sie das tun, will eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft herausgefunden haben. Der „Bildungsmonitor“ der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) zeichnet ein dramatisches Bild der deutschen Schulen. Demnach sei das Bildungsniveau bis 2013 zwar in vielen Feldern gewachsen, danach allerdings kontinuierlich abgesackt. So hätten sich bei den Viertklässlern zum Beispiel die Kompetenzen beim Lesen, Zuhören, der Rechtschreibung und in Mathematik in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich verschlechtert. Besonders dramatisch sei die Lage in den letztplatzierten Bundesländern Brandenburg, Berlin und Bremen. Auf den ersten drei Plätzen landen Thüringen, Bayern und Sachsen.

Autoren des Bildungsmonitors haben eigenes Interesse

Die Arbeit der INSM ist nicht gerade unumstritten. Der Interessenverband ist laut Lobbycontrol „eine marktliberale Lobby-Organisation, die von den Unternehmerverbänden der Metall- und Elektroindustrie (Gesamtmetall) finanziert wird. Sie will unter anderem erreichen, dass der Arbeitsmarkt und das Bildungswesen stärker an den Bedürfnissen von Unternehmen ausgerichtet werden.“ Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Studienautoren eine „explizit bildungsökonomische Sichtweise“ einnehmen, wie sie selbst schreiben.

Und genau an diesem Punkt regt sich Kritik an vielen Medien, weil der „Bildungsmonitor“ oft als ein Ranking verstanden wird, welches Bundesland denn nun die besten Schulen hat. „Einmal im Jahr wissen die Medien plötzlich, in welchem Bundesland die Kinder am besten lernen und in welchem nicht. Nämlich immer dann, wenn der ‚Bildungsmonitor‘ erscheint“, schrieb das Medienportal Übermedien im letzten Jahr.

Schulsystem in Deutschland: Das Problem mit dem Föderalismus

Ganz gleich, was man von der Qualität der vorgestellten Ergebnisse hält: Dass die Bildungssysteme unterschiedlich gut sind, liegt bei 16 verschiedenen Ansätzen in der Natur der Sache. Eine Natur, die sich nur mit einer Grundgesetzänderung ändern ließe. Das weiß auch Ria Schröder, bildungspolitische Sprecherin der FDP. „Der Föderalismus macht das Bildungssystem in Deutschland träge, intransparent und ungerecht“, sagte Schröder zu IPPEN.MEDIA. Wenn es nach ihr geht, soll genau damit Schluss sein. „Als FDP setzen wir uns für eine Reform des Bildungsföderalismus ein. Die Länder und die Opposition im Bund halten aber an dem kaputten System fest, daher fehlt für eine notwendige Grundgesetzänderung die Mehrheit“, so Schröder.

Dass die Länder sich eine ihrer wichtigsten Kompetenzen aus der Hand nehmen lassen, darf allerdings getrost bezweifelt werden. Damit wird es in puncto Schulbildung weiterhin einer Lotterie gleichen, in welchem Bundesland ein Kind geboren wird. „Die Bildungschancen hängen massiv vom jeweiligen Kultusministerium und dem Wohnort ab“, sagte auch Schröder. Sie plädiert für „bundeseinheitliche Qualitätsstandards“.

Anfang September, wenn auch in den letzten Bundesländern die Sommerferien vorüber sind und das neue Schuljahr begonnen hat, treffen sich in Berlin die Amtschefs der Landes-Kultusministerien zur Konferenz. Eines ist bereits jetzt klar: Es gibt einiges zu besprechen.

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