Vermögen, Kinder und Karriere

Vom Banker zum Premier: Rishi Sunaks steiler Aufstieg in der britischen Politik

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Rishi Sunak hat in Großbritannien eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Trotz seines Vermögens strebt er weiter nach politischem Einfluss.

London – Der britische Top-Politiker Rishi Sunak machte im Frühjahr 2022 international Schlagzeilen. Er war der Erste, der es auf die Liste der reichsten Briten der „Sunday Times Rich List“ geschafft hat. Trotz seines beträchtlichen Vermögens verfolgte der Multimillionär Sunak weiterhin ehrgeizig seine politische Karriere bei den Konservativen (Tories). Im Sommer 2022 kandidierte er gegen Liz Truss für das Amt des Premierministers, musste jedoch eine Niederlage einstecken.

Doch das Blatt wendete sich schnell. Nach nur 49 Tagen im Amt trat Truss am 24. Oktober 2022 zurück. Noch am selben Tag wurde Sunak zum Parteichef der Konservativen ernannt und einen Tag später von König Charles III. zum Premierminister ernannt.

NameRishi Sunak
Geburtsdatum12. Mai 1980
GeburtsortSouthampton, Großbritannien
ParteiKonservative Partei (Tories)
AmtPremierminister
EhefrauAkshata Murthy (seit 2009)
ReligionHindu

Rishi Sunak und seine Frau Akashata Murthy gehören zu den reichsten Menschen in Großbritannien

Sunak und seine Frau Akashata Murthy gehören zu den reichsten Briten. Sunak verdankt seinen Reichtum seiner Karriere als Banker und seiner Heirat mit Akashata Murthy, die einen erheblichen Teil des Vermögens beisteuerte. Ihr Vater ist einer der erfolgreichsten Männer Indiens.

Zusammen bringen der konservative Politiker und seine Frau Akshata ein Vermögen von 651 Millionen Pfund (umgerechnet mehr als 770 Millionen Euro) auf, schätzen britische Medien. Damit belegen sie in Großbritannien Platz 245 auf der „Sunday Times Rich List“ im Jahr 2024. Dies schließt ihre Immobilien ein, darunter auch ein Anwesen im Londoner Stadtteil Kensington im Wert von 7 Millionen Pfund.

Rishi Sunak und seine Familie

Sunak lernte seine Frau während seines Studiums in Standford (Kalifornien, USA) kennen. 2009 heirateten sie in Bangalore (Südindien), der Heimat von Akashata Murthy. Das Paar hat zwei Töchter - Anoushka und Krishna. Beide Mädchen „unterhalten und beschäftigen uns“, schreibt Sunak auf seiner Webseite.

Der britische Premierminister Rishi Sunak und seine Frau Akshata Murty.

Es wird oft spekuliert, ob es sich bei der Ehe der beiden um eine arrangierte Ehe handelt. Akashatas Vater, N.R. Narayana Murthy, ist in Indien ein berühmter und extrem reicher Mann. Es liegt nahe, dass der Schwiegersohn eines indischen Milliardärs bestimmte Eigenschaften aufweisen musste, bevor er seine Tochter heiraten durfte. Arrangierte Ehen sind in der indischen Kultur trotz gelockerter sozialer Normen üblich, auch für Inder, die in Europa aufgewachsen sind. Bei Akashata und Rishi scheint es vonseiten der Familie jedoch keine Einwände gegeben zu haben.

Schwiegervater schwärmt von Rishi Sunak: „Brillant, gutaussehend und ehrlich“

In einem Brief, der in dem Buch „Legacy; Letters from eminent parents to their daughters“ veröffentlicht wurde, schreibt Akashatas Vater, dass er „ein wenig traurig und eifersüchtig gewesen“ sei, als ihm seine Tochter von ihrem neuen Lebenspartner erzählt habe. Als er Rishi jedoch getroffen habe, sei er genau so gewesen, wie sie ihn beschrieben hatte – „brillant, gutaussehend und vor allem ehrlich“. Der indische Millionär habe verstanden, warum seine Tochter sich „ihr Herz stehlen“ ließ.

Die legalen Steuertricks seiner Ehefrau brachten Sunak unter Druck. Akashata Murthy ist Nicht-Britin und hat ihren ständigen Wohnsitz im Ausland. Daher zahlte sie bisher in Großbritannien keine Steuern auf Einkünfte im Ausland. Nach Recherchen der BBC sparte die Millionenerbin dadurch 2021 legal rund 2,1 Millionen Pfund. Nach heftiger Kritik kündigte Murthy im April 2022 an, alle Einnahmen in Großbritannien zu versteuern. Dem britischen Staat sind geschätzte 20 Millionen Pfund Steuern von Murthy entgangen.

Herkunft, Familie und Religion: Rishi Sunak ist in Großbritannien geboren

Sunak wurde als Sohn eines Hausarztes und einer Apothekerin am 12. Mai 1980 in der südenglischen Hafenstadt Southampton geboren. Seine Großeltern stammen aus Punjab und wanderten über Ostafrika nach England ein. Er ist der älteste Sohn von drei Geschwistern und half als Jugendlicher in der Apotheke seiner Mutter bei den Auslieferungen.

„Meine Eltern haben viel geopfert, damit ich gute Schulen besuchen konnte“, ist auf seiner Webseite zu lesen. Seine Eltern schickten Sunak auf das Winchester College, eine der ältesten englischen Privatschulen. Dort wurde er bald Schulsprecher. Nach seinem Abschluss mit Bestnoten studierte er Philosophie, Politik und Wirtschaft (Philosophy, Politics and Economics – kurz PPE) an der Oxford University. Für seinen Master of Business Administration ging er mit einem Fullbright-Stipendium nach Kalifornien an die renommierte Standford University. Dort lernte er seine Frau kennen.

Was hat Rishi Sunak vor seiner politischen Karriere gemacht?

Nach seinem MBA begann Sunak seine Karriere als Analyst bei der US-Investmentfirma Goldman Sachs. Der „Goldjunge“, wie ihn die Presse mit Blick auf seine steile Karriere beschreibt, wurde Hedgefonds-Manager und Partner bei The Children’s Investment Fund Management. Mit gerade mal 29 Jahren gründete er mit Kollegen die private Investmentfirma Theleme Partners (2010). Sein indischer Schwiegervater machte ihn zudem zum Direktor der Investmentfirma Catamaran Ventures.

Wie sieht der politische Hintergrund von Rishi Sunak aus?

Sunak wurde 2020 als aufgehender Stern am britischen Politikhimmel gefeiert. Boris Johnson holte Sunak als Finanzminister in sein Kabinett. Der Abgeordnete aus Richmond York rückte ins nationale Rampenlicht. Er galt plötzlich als Aushängeschild der Konservativen. Vielen Briten war seine Existenz bis dahin kaum bewusst. Dabei beginnt seine politische Laufbahn schon Jahre zuvor.

  • 2014 tritt Rishi Sunak in die Konservative Partei (umgangssprachlich auch Tories genannt) ein.
  • 2015 lässt sich der Brite mit den indischen Wurzeln für die Tories in Richmond Nordyorkshire aufstellen. Seitdem ist Rishi Sunak unangefochten Abgeordneter für den Wahlkreis. Den Eid als Abgeordneter legte der gläubige Hindu auf die Bhagavad Gita, statt traditionell auf der Bibel ab.
  • 2016 war Sunak ein entschiedener Kämpfer für den Brexit.
  • 2018 berief Theresa May ihn als Unterstaatssekretär in ihre Regierung. 
  • Unter Boris Johnson beginnt im Juli 2019 seine Arbeit im Finanzministerium. Seine Position als führender Staatssekretär der Staatsfinanzen ist noch unter dem damaligen Finanzminister Sajid Javid.
  • 2020 beruft Johnson Rishi Sunak als Schatzkanzler in sein Kabinett.
  • Am 5. Juli 2022 tritt Rishi Sunak als Finanzminister aus Protest gegen Premier Boris Johnson zurück.
  • Am 8. Juli kündigt der Ex-Finanzminister seine Kandidatur als Tory-Leader an. Sunak will auf den Chefsessel des britischen Premiers Boris Johnson.

Im Sommer 2022 wollte Sunak Premierminister werden und bewarb sich um die Nachfolge von Boris Johnson. Seine Konkurrentin war Liz Truss, die am 5. September 2022 den Sieg mit nach Hause nahm und die neue Premierministerin wurde.

Der neue Premierminister in Großbritannien: Rishi Sunak

Der ehemalige Finanzminister bekam eine neue Chance auf das Amt des Premierministers. Liz Truss verkündete nur nach sechs Wochen ihren Rücktritt. Es war die bisher kürzeste Amtszeit der britischen Geschichte. Sie versuchte eine radikale Steuerreform durchzusetzen, die in den eigenen Reihen auf großen Widerstand traf. So hatte die Premierministerin schon nach einigen Wochen keine Autorität mehr.

Am 20. Oktober 2022 trat Truss offiziell zurück. Innerhalb von einer Woche sollte die Nachfolge in einer Stichwahl gewählt werden. Rishi Sunak kandidierte gleich wieder. Seine Konkurrentin war Penny Mordaunt, aktuell Ministerin für Parlamentsfragen. Am 24. Oktober 2022 wurde entschieden und Sunak ist der offiziell neue Premierminister.

Drehtür Downing Street: Großbritannien lässt Tory-Chaos hinter sich

David Cameron
Sechs Jahre lang führte David Cameron als Premierminister das politische Großbritannien. Vom 11. Mai 2010 an stand er zunächst an der Spitze einer Koalitionsregierung mit den Liberaldemokraten, ehe er seit 2015 mit absoluter Mehrheit seiner konservativen Partei im Unterhaus regierte. Doch die eigene Partei machte ihm oft das Leben schwer. Camerons Fraktion im Unterhaus verwehrte ihm mehrfach die Gefolgschaft, etwa bei der Homo-Ehe oder bei der Reform des Oberhauses. Der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson oder Ex-Parteichef Ian Duncan Smith warfen ihm wiederholt Führungsschwäche vor. © Stefan Rousseau/afp
David Cameron
Camerons größtes Problem war aber die Europapolitik. Eine Lösung dieser Frage, die die Tories seit Jahrzehnten spaltet, fand auch er nicht. Zunächst war er noch optimistisch. „Ich war immer der Meinung, dass man große Entscheidung angehen muss und nicht vor ihnen zurückschrecken“, sagte er rückblickend. Doch im Lauf der Zeit machte er dem eurokritischen Flügel seiner Partei immer mehr Zugeständnisse. So ereiferte er sich offen über die Europäische Union und stellte sich in Brüssel demonstrativ quer. Nützlich war das alles aber nicht.  © Stephane de Sakutin/afp
David Cameron
Am Ende sollte Cameron an Europa scheitern. 2016 setzte er mit dem Referendum über den Verbleib des Landes in der EU alles auf eine Karte – und mutierte plötzlich zum Verfechter der europäischen Idee. Seine Landsleute nahmen ihm das allerdings nicht ab. Schlimmer noch: Gegen seinen erklärten Willen entschieden sich die Menschen in Großbritannien für den Austritt aus der EU. Der Brexit wurde zu Camerons größter Niederlage. So blieb ihm nur übrig, seinen Rücktritt zu erklären. Als er an jenem 24. Juni 2016 vor der Downing Street Nummer 10 an der Seite seiner Ehefrau Samantha vor die Kameras trat, war er den Tränen nahe.  © Leon Neal/afp
Theresa May
Nach dem Brexit-Votum benötigte Großbritannien eine neue Führungsspitze. Hier kam Theresa May ins Spiel. Die Tochter eines Pfarrers trat am 13. Juli 2016 als Nachfolgerin von David Cameron ihr Amt an. Oft wurde sie mit der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher oder mit Angela Merkel verglichen. Doch diese Vergleiche hinkten alle. Sie war einfach ein ganz anderer Typ. Bezeichnend sind die drei Worte, die sie einmal wählte, um sich selbst zu beschreiben: Sie sei eine „bloody difficult woman“, eine verdammt schwierige Frau. © Dominic Lipinski/dpa
Theresa May
Als Regierungschefin agierte sie weitgehend glücklos. Nach dem Brexit-Votum hofften viele Menschen in Europa und in Großbritannien, dass sie doch noch einen Weg aus dem Schlamassel finden würde. Immerhin hatte sich May vor dem Referendum noch für den Verbleib in der EU ausgesprochen. Zu Kompromissen war sie anschließend allerdings nicht mehr bereit. Ihr Mantra lautete: „Brexit bedeutet Brexit.“ Und das hieß: Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion. Dabei hatte sich May vor dem Referendum noch für den Verbleib in der EU ausgesprochen.  © Stefan Rousseau/dpa
Theresa May
Da May für ihre Brexit-Pläne im Parlament keine Mehrheit sah, rief sie eine Neuwahl aus. Doch die vorgezogene Unterhauswahl im Juni 2017 wurde zum Desaster. Ihr einstudiertes Auftreten im Wahlkampf ließ sie kalt und steif erscheinen. Das Ergebnis fiel bitter aus: Vom erwarteten Erdrutschsieg gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn war sie weit entfernt, die Tories verloren ihre absolute Mehrheit. Der offizielle Tories-Historiker Alistair Lexden stellte ihr in einem Artikel im Februar 2019 ein überaus schlechtes Zeugnis aus: Für ihn war May die „schlechteste Führerin der Tories“ überhaupt. Im Juli 2019 trat sie von ihrem Amt zurück. © Tolga Akmen/afp
Boris Johnson
Vom 24. Juli 2019 an versuchte Boris Johnson, Großbritannien aus dem Brexit-Schlamassel zu befreien. Hohe Ziele hatte er schon immer. In New York als Sohn eines Beraters für Umweltfragen geboren, wollte er laut Johnsons Schwester Rachel als Kind nichts weniger als der „König der Welt“ werden. Es reichte dann immerhin zum Premierminister. Johnsons Lebensweg war quasi vorgezeichnet. Er besuchte die Eliteschule Eton sowie die Universität Oxford, wo er Mitglied des berüchtigten Bullingdon Clubs war. Dabei handelt es sich um eine legendäre Tischgesellschaft, die für ihr Rowdytum und ihre Trinkgelage bekannt ist.  © Andrew Parsons/Imago
Boris Johnson
Nach seinem Studium arbeitete Johnson bei der Times, wurde aber nach nur einem Jahr wieder gefeuert – weil er Zitate gefälscht hatte. Das tat seiner Karriere aber keinen Abbruch. 1987 heuerte er beim Daily Telegraph an, deren Mitherausgeber er von 1994 bis 1999 war. Anschließend wechselte er zum konservativen Wochenblatt The Spectator, das er bis 2005 als Herausgeber leitete. In seiner Zeit als Bürgermeister von London (2008 bis 2016) veröffentlichte er zudem eine Biografie über sein Vorbild Winston Churchill. Bekannter als „Der Churchill-Faktor“ wurde aber der Verriss des Historikers Richard J. Evans.  © Imago
Boris Johnson
Bei Johnson ging es stets hoch her. Da baumelte er schon mal an einer Seilrutsche abwärts, versuchte sich im Tauziehen und walzte einen Jungen beim Rugby nieder. Nicht zu vergessen, dass er sich einmal in einem begehbaren Kühlschrank versteckte, um einem Interview zu entgehen. Seit seinem Amtsantritt jagte dann aber ein Skandal den nächsten. Johnson überstand zunächst alles, auch die „Partygate“-Affäre um illegale Lockdown-Feiern in der Downing Street. Eine Affäre um Johnsons Parteikollegen Chris Pincher brachte das Fass aber zum Überlaufen. Der Druck aus der Partei wurde zu groß, Johnson trat im Sommer 2022 zurück. © Andrew Parsons/Imago
Liz Truss
Am 6. September 2022 übernahm Liz Truss das Ruder in Großbritannien. 1975 in Oxford geboren, wuchs Truss im schottischen Paisley und im englischen Leeds auf. Ihr Vater war Mathematikprofessor, die Mutter Krankenschwester, beide beschrieb sie einst als „linksgerichtet“. Ihre Mutter nahm sie sogar auf Demonstrationen gegen Atomwaffen mit. Doch Truss begehrte auf gegen die politische Prägung ihres Elternhauses und schloss sich zunächst den Liberaldemokraten an, bevor sie zu den Konservativen wechselte. Das war nur konsequent, gilt doch Ex-Premierministerin Margaret Thatcher als ihr großes Vorbild.  © Victoria Jones/dpa
Liz Truss
Truss gilt als äußerst sprunghaft. Das zeigte sich auch beim Brexit-Referendum. Nachdem sie vorher noch für den Verbleib in der EU getrommelt hatte, galt sie hinterher als Bekehrte („born again Brexiteer“). Diesem Sinneswandel verdankte sie auch ihren Aufstieg bei den Tories bis hin zur Premierministerin. Wie keine andere Regierungschefin vor ihr versuchte Truss, die Brexit-Ideologie in die Tat umzusetzen. Sobald die Fesseln der EU abgeworfen und Steuern gesenkt seien, sollte ein beinahe märchenhaftes Wirtschaftswachstum ausgelöst werden, so die Theorie.  © Kristy O`Connor/afp
Liz Truss
Doch grau ist alle Theorie. Als die Regierung ein Mega-Paket an Steuererleichterungen ankündigte, rasselte der Kurs des Pfunds in den Keller. Die Renditen für Staatsanleihen schossen nach oben. Die Notenbank musste intervenieren, um Rentenfonds vor dem Kollaps zu bewahren. Zu diesem Zeitpunkt war Truss erst 17 Tage im Amt. Das Magazin Economist bescheinigte Truss daher die Haltbarkeitsdauer eines Salats. Die Boulevardzeitung Daily Star macht sich einen Spaß daraus und platzierte in einer Live-Übertragung einen Salatkopf neben dem Porträt der Premierministerin, um zu sehen, wer länger hält. Der Salat gewann. © Imago
Rishi Sunak
Nur 45 Tage lang blieb Liz Truss im Amt. Danach war Rishi Sunak an der Reihe. Seine Ernennung zum Premierminister galt aufgrund seiner Herkunft als Beweis für Toleranz im Vereinigten Königreich. Sunaks Großeltern stammen aus Indien und wanderten in den 1960er Jahren aus Ostafrika nach Großbritannien aus. Tatsächlich gab es 1980, als Sunak in Southampton zur Welt kam, keine einzige „Person of Colour“ im Parlament. Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra zeigte sich im Guardian dennoch kritisch: „Seine übereilte Beförderung in die Downing Street 10 ermutigt jetzt unverschämte Rassisten, sich als Vertreter von ethnischer Vielfalt zu gerieren.“ © Geoff Caddick/afp
Rishi Sunak
In der Tat zeigt sich die britische Regierung ausgerechnet Minderheiten gegenüber wenig sensibel. Bestes Beispiel ist das Asylgesetz, das sie auf den Weg bringen will. Der Entwurf sieht vor, dass alle Personen, die irregulär nach Großbritannien kommen, ungeachtet ihrer Herkunft nach Ruanda abgeschoben werden. Der Ruanda-Plan war ein Steckenpferd der früheren Innenministerin Suella Braverman. Die Vertreterin des rechten Parteiflügels, die ebenfalls indische Wurzeln hat, erzählte im Herbst 2022 einmal sogar lächelnd, es sei ihr „Traum“, dass London vor Weihnachten Asylsuchende per Flugzeug nach Ruanda abschiebe.  © Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS)/afp
Rishi Sunak
Für Misstrauen sorgt aber auch Sunaks persönlicher Hintergrund als ehemaliger Investmentbanker, dessen Ehefrau die Tochter eines der reichsten Menschen in Indien ist. Die Guardian-Kolumnistin Nesrine Malik twitterte sarkastisch, Sunaks Amtsantritt sende eine starke Botschaft an People of Colour: „Wenn Sie auf eine Privatschule gehen, ein Vermögen anhäufen, der reichste Abgeordnete im Parlament werden und mit Ihrer Frau ein gemeinsames Vermögen haben, das größer ist als das des Königs, können auch Sie Premierminister werden.“ © James Manning/afp
Rishi Sunak steht im Regen.
Nach 14 Jahren Tory-Regierung herrscht in Großbritannien vor allem Chaos. Monatelang drängte die Opposition den Premierminister, einen Termin für die nächste Parlamentswahl festzulegen. Am 22. Mai war es dann so weit: Sunak rief vor dem Regierungssitz 10 Downing Street die Wahl für den 4. Juli aus. Er tat dies im strömenden Regen – und wurde patschnass. Der Auftritt des bedröppelt wirkenden Premiers war symbolträchtig. Die Tories kassierten eine verheerende Niederlage. 14 Jahre Chaos sind damit zu Ende gegangen. © Henry Nicholls/afp

Wie groß ist Rishi Sunak? Passt der britische Politiker durch die Tür von Nr. 10

Während seiner Zeit als Schatzmeister präsentierte sich Rishi Sunak mit einer roten Aktentasche in der Hand vor der Tür der Downing Street 11. Ein Ritual für die Pressefotografen, bevor er sich auf den Weg machte, den Finanzplan im britischen Unterhaus vorzustellen, der sich nämlich in der „berühmten roten Aktentasche“ des Schatzkanzlers befand.

Mit der Größe von Rishi Sunak hat dies eigentlich weniger zu tun. Doch angesichts dieser Aufnahmen fragten sich die Briten, wie groß er genau ist, berichten britische Medien. Es sei zwar noch nicht 100 Prozent bestätigt, doch Sunak soll etwa 1,70 Meter groß sein. Damit wäre er etwas kleiner als Boris Johnson (1,75 Meter). Die Tür in der Downing Street Nr. 10 dürfte für den Ex-Finanzminister demnach kein Problem sein.

Die politischen Ziele von Rishi Sunak

Sunak beantragte am 22. Mai 2024 die vorzeitige Auflösung des britischen Unterhauses. Die nächste Großbritannien-Wahl findet demnach am 4. Juli 2024 statt. Im Wahlkampf setzt er vor allem auf Steuersenkungen von gut 20 Milliarden Euro. Weiter verspricht er 8000 neue Stellen bei der Polizei sowie härtere Strafen für Schwerverbrecher und eine jährliche Obergrenze für Migranten. Das Thema Migration ist für Sunak ohnehin besonders wichtig, allerdings hatte der Oberste Gerichtshof im November 2023 einen Teil seiner Asylgesetze, die die Abschiebung von Geflüchteten ohne Asylverfahren nach Ruanda vorsah, für verfassungswidrig erklärt.

War Rishi Sunak ein Brexiteer?

Rishi Sunak stimmte 2016 beim EU-Referendum für den Brexit. Das wird betont der britische Politiker mit indischen Wurzeln immer wieder. Damit will Sunak bei den überzeugten Brexiteers punkten. Seine Erfolgsgeschichte erzählt er gerne als Einwandergeschichte, der sich mit harter Arbeit hochgearbeitet hat. Seine Kritiker bezweifeln, dass der millionenschwere Ex-Finanzminister die Probleme normaler Leute in der aktuellen Krise nachvollziehen kann. Rishi Sunaks großes Vorbild ist Margaret Thatcher. Er selbst steht für Markt-Liberalismus, einen schlanken Staat und niedrige Steuern. (ml)

Rubriklistenbild: © Ludovic Marin/AFP/AP/dpa

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