Ukraine-Krieg

Roboterhund zur Unterstützung: Ukraine plant Entlastung für Soldaten

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Im Konflikt in der Ukraine könnten in Kürze ferngesteuerte Roboter zum Einsatz kommen. Dies könnte die Arbeit der Soldaten erleichtern.

Kiew – Die Ukraine könnte schon bald Roboterhunde an ihrer Front einsetzen, die Soldaten bei gefährlichen Einsätzen wie dem Ausspähen russischer Schützengräben oder dem Aufspüren von Minen ersetzen. Auch außerhalb des Ukraine-Kriegs kommen solche Geräte bereits zum Einsatz. Während die einen sie als Chance auf dem Schlachtfeld begreifen, gelten sie für andere als hochriskante Technologie.

Bei der Demonstration stand der Metallhund mit der Bezeichnung ‚BAD One‘ auf, legte sich hin, rannte und sprang entsprechend den Befehlen seines Bedieners. So schildert die Nachrichtenagentur AFP die Vorstellung in einem nicht näher bezeichneten Teil der Ukraine. Der Agentur zufolge lobte der Hersteller, ein nicht namentlich genanntes britisches Rüstungsunternehmen, den Roboter in den höchsten Tönen. Schon bald könne dieser für die ukrainische Armee ein unschätzbarer Verbündeter an der Front werden. Da das Gerät sich tief am Boden befinde, und schwer zu entdecken sei, könne es eingesetzt werden, um mithilfe von Wärmebildern feindliche Schützengräben oder das Innere von Gebäuden in Kampfgebieten zu untersuchen.

Die Ukraine könnte gegen Russland bald auf ‚BAD One‘ setzen – ein Fortschritt im Ukraine-Krieg?

„Wir haben Überwachungssoldaten, die auf Aufklärungsmissionen geschickt werden, die meistens sehr gut ausgebildete und erfahrene Leute sind und immer Risiken ausgesetzt sind“, so der Betreiber der britischen Firma laut dem Bericht. Hauptfunktion des Robo-Hundes sei damit, das Risiko für die Soldaten zu begrenzen und „die operativen Fähigkeiten“ zu erhöhen. Zwar könne er keine genauen Angaben dazu machen, wie viele der Roboter zukünftig in der Ukraine eingesetzt werden, er sei aber sicher, dass sie „einen erheblichen Einfluss auf die Operationen haben und die Sicherheit der Soldaten erhöhen“ werden. Und für den Fall, dass die ferngesteuerten Vierbeiner jemals in russische Hände gelangen, könne man weiterhin alle Daten per Knopfdruck löschen.

Der Roboterhund ‚BAD One‘ bei der Vorführung in der Ukraine.

Laut dem Bericht verfügt der Metall-Hund über eine Batterie, die es ihn zwei Stunden lang mit Strom versorgt. So lange könne ‚BAD One‘ dann seinen Aufgaben nachgehen: Minen und improvisierte Sprengsätze aufspüren, Informationen liefern und bis zu sieben Kilo Munition oder Medikamente zu Brennpunkten auf dem Schlachtfeld transportieren. Auch ein technisch noch weiter entwickeltes Modell, der ‚BAD Two‘, sei bereits im Einsatz. Dieses habe man aus Sicherheitsgründen aber nicht zeigen wollen. Einem Post auf dem Kurznachrichtendienst X zufolge soll die 28. Mechanisierte Brigade der Ukraine die neuen Geräte zunächst in der Gegend um Toretsk in der Region Donezk testen.

Roboter im Ukraine-Krieg stammt aus China – Der Vierbeiner soll die Verluste gegen Russland verringern

Obwohl es eine britische Firma ist, die den „Bad One“ vertreibt, ist offenbar nicht bekannt, woher genau die Roboter stammen. Wie t-online schreibt, sehen die in der Ukraine vorgestellten Modelle zunächst denen des US-Herstellers ‚Boston Dynamics‘ ähnlich. Dieser gilt als Pionier auf dem Gebiet und hat mit seinem, ebenfalls einem Hund nachgeahmten ‚Spot‘ bereits viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Auf den zweiten Blick offenbare sich aber, dass es sich beim ‚BAD One‘ um das Produkt einer chinesischen Firma handle - den ‚Go2‘ des Herstellers ‚Unitree‘. Das in der Ukraine gezeigte Modell wirke, als sei es lediglich noch mit Tarnfarbe versehen worden.

Wie viele der Drohnen, die im Ukraine-Krieg eingesetzt werden, ist der ‚Go2‘ als Produkt für Endverbraucher erhältlich. Unklar ist, wie die mechanischen Hunde ihren Weg in die Ukraine gefunden haben; man kann sie aber einfach auf der Website des Herstellers bestellen. Der Preis liegt für das Basismodell bei 1.600 Dollar (etwa 1465 Euro).

Die USA und China bewaffnen solche Roboter bereits – Im Ukraine-Krieg sollen sie zur Aufklärung dienen

Selbst wenn es sich beim ‚Go2‘ also nicht ausschließlich um chinesische Militär-Technologie handelt, haben die mechanischen Vierbeiner große Ähnlichkeiten zu dem vor gut zwei Monaten vorgestellten Modell ‚B1‘, das ebenfalls von Unitree gefertigt wird. Die chinesische Armee hatte damals ein Video veröffentlicht, in dem ein mit einem Sturmgewehr bestückter ‚B1‘-Roboter beim Häuserkampf zu sehen ist. Unter anderem CNN hatte darüber berichtet. Auch die US-Armee, die zusammen mit der chinesischen den Wettlauf um die fortschrittlichsten Roboter anführt, hat bereits mehrere Modelle mit Waffensystemen ausgestattet. Medienberichten zufolge testet Israel im Gazastreifen ebenfalls ähnliche Roboter, bisher allerdings ohne Bewaffnung.

Vor allem die Perspektive, dass solche Systeme durch künstliche Intelligenz bald größere Autonomie erhalten könnten, ist Forschenden zufolge Grund zur Sorge. „Ich bin mir sicher, dass diese Integration von Waffen mit der aufkommenden Agilität und eventuellen Allgegenwärtigkeit von kleinen, laufenden Maschinen eine entscheidende ethische Grenze überschreitet“, so Daniel Koditschek gegenüber der britischen Zeitung The Telegraph. Bereits heute weisen sie laut dem Professor für Ingenieurwissenschaften von der Universität Pennsylvania eine „erhebliche autonome Mobilität in rauen Außenumgebungen“ auf. Auch die Möglichkeit der vollständigen Autonomie werde bald „nur ein Software-Update“ entfernt sein. (tpn)

Rubriklistenbild: © GENYA SAVILOV / AFP

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