VonFelix Busjaegerschließen
US-Außenminister Blinken hat in Kiew eine musikalische Botschaft im Ukraine-Krieg gesendet. Der Auftritt fand vor dem Hintergrund der Charkiw-Offensive statt.
Kiew – Überschattet wurde sein Besuch in Kiew von den aktuellen Entwicklungen der Charkiw-Offensive im Ukraine-Krieg: Bei einem Treffen mit Wolodymyr Selenskyj sprach US-Außenminister Antony Blinken über kommende US-Hilfen gegen den Angriffskrieg von Wladimir Putin. Der ukrainische Präsident hatte zuvor die Lieferung von Patriot-Flugabwehrsysteme für Charkiw gefordert. Die Lage in der Ostukraine gilt aktuell als angespannt: Russlands Truppen haben bei ihrer Offensive bereits mehrere Dörfer eingenommen und sogenannte Pufferzonen errichtet.
Die USA hatten vor wenigen Wochen neue Waffenlieferungen für die Ukraine angekündigt. Insgesamt umfasst es etwa 61 Milliarden US-Dollar (56,5 Milliarden Euro). Die Waffen seien teils schon eingetroffen, teils noch unterwegs, sagte Blinken. „Das wird auf dem Schlachtfeld einen realen Unterschied machen gegen die russische Aggression.“ Abseits des offiziellen Protokolls ließ es sich der US-Außenminister allerdings am Ende eines düsteren Tages nicht nehmen, im informellen Kreis eine musikalische Botschaft im Ukraine-Krieg an den russischen Agressor zu senden.
Klassiker von Neil Young für Botschaft im Ukraine-Krieg: Blinken greift zur Gitarre
Der 62-jährige Blinken betrat am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Kiewer Bar die Bühne und griff zur Gitarre, wie auf einem Video zu sehen war. „Ich weiß, das sind wirklich schwere Zeiten“, sagte der US-Chefdiplomat in Anspielung auf die Lage in der Ostukraine und auf die Charkiw-Offensive im Ukraine-Krieg. Aber die Menschen in der Ukraine sollten wissen, dass die USA und die freie Welt hinter ihnen stünden. Gemeinsam mit einer Band spielte er anschließend Neil Youngs „Rockin‘ in the Free World“. Blinken begleitete den 1989 erschienenen Hit auf der Gitarre und sang den Refrain mit. Der Blinken-Auftritt verbreitete sich schnell über die Sozialen Medien.
Dass der Rock-Klassiker nicht zufällig gewählt wurde, ist sehr wahrscheinlich: Young schuf seinen Hit inmitten einer schwierigen Weltlage. Die Berliner Mauer stand nach fast 30 Jahren kurz vor dem Fall. Der sowjetisch-afghanische Krieg hatte ein Ende gefunden. Und George Bush war gerade US-Präsident geworden. Das Lied von Neil Young gilt als tiefer Einblick in die damalige Gesellschaft, transportiert einen gewissen US-Patriotismus zu einer Zeit, als der sowjetische Kommunismus zusammenbrach. Zugleich spart das Lied allerdings nicht an Kritik gegenüber der Arbeit der Regierungen und stellt eine scharfe Kritik an der Ära von Reagan dar.
USA unterstützen Kiew im Ukraine-Krieg weiter: Westen im „Kampf mit autoritären Kräften“
Wie die New York Times schreibt, hat Blinken nun im Ukraine-Krieg wahrscheinlich mit „Rockin‘ in the Free World“ die zentralen Botschaften seiner Amtszeit und der Präsidentschaft von Joe Biden hervorgehoben. Etwa, dass westliche Demokratien „sich in einem entscheidenden Kampf mit reaktionären autoritären Kräften befinden“. Für Blinken sei die Ukraine als junge Demokratie eine Frontlinie in diesem Kampf.
Dass Blinkens Auftritt nicht nur für Begeisterung, sondern auch für scharfe Kritik sorgte, verwundert wenig. Auf X, ehemals Twitter, wird der legere Auftritt des US-Außenministers hinterfragt und der US-Regierung die Seriosität abgesprochen. Trotz der negativen Stimmen: Offenbar hat die musikalische Einlage ihre Wirkung erreicht. Der virale Auftritt wird wahrscheinlich abseits der offiziellen Bekundungen als starkes Zeichen der US-Administration für die Ukraine verstanden werden. Nach seinem Bar-Auftritt wird Blinken auch am Mittwoch weiter die Ukraine besuchen. Unter anderem ist ein Treffen mit seinem Kollegen Dmytro Kuleba geplant. (fbu/dpa)
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