SPD leistet sich Fauxpas nach Sylter Nazi-Skandal – Nun reagiert auch Faeser
VonRichard Strobl
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Ein Versuch der SPD, gegen rassistische Parolen auf Sylt vorzugehen, endet in einem Shitstorm. Die Partei sieht sich gezwungen, ihre Aussagen zu korrigieren.
Update vom 27. Mai, 12.10 Uhr: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat den inzwischen gelöschten Post ihrer Partei zum Skandal-Video von Sylt kritisiert. „Finde ich nicht schön“, sagte sie in der Sendung „Caren Miosga“. Der Post habe Nazi-Sprech normalisiert, gestand sie. „Man sollte gerade dieser Tage besonders sensibel reagieren, gerade mit diesen Wortspielen“, ergänzte Faeser.
Auf das Video, in dem eine Gruppe von Jugendlichen ein Lied mit der Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ singt, hatte die SPD mit einem Beitrag auf sozialen Medien reagiert. Darin hieß es: „Deutschland den Deutschen, die unsere Demokratie verteidigen.“ Der Post hatte für großes Aufsehen im Netz gesorgt. Die SPD hatte sich entschuldigt und den Post gelöscht.
Update vom 26. Mai, 13.43 Uhr: Die Betreiber der betroffenen Sylter Bar haben nach eigenen Angaben Strafanzeige gestellt. Zugleich verteidigten sie ihr Verhalten zum Zeitpunkt des Rassismus-Vorfalls: „Hätte unser Personal zu irgendeinem Zeitpunkt ein solches Verhalten mitbekommen, hätten wir sofort reagiert“, schrieben sie laut tagesschau.de auf Instagram.
Nach dem Nazi-Eklat auf Sylt reagierte auch die SPD, traf aber anders als Kanzler Olaf Scholz ganz und gar nicht den richtigen Ton. (Collage mit Archivbild)
Antisemitismusbeauftragter schockiert über Rassismus-Eklat auf Sylt
Update vom 26. Mai, 9.57 Uhr: Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat den rechtsextremen Zwischenfall auf Sylt verurteilt. Die Aufnahmen schockierten ihn, „weil sie ganz offensichtlich Teil der Popkultur und in einem Milieu salonfähig geworden ist, dem klar sein müsste, dass Ausländer maßgeblich zu unserem Wohlstand beitragen“, sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
SPD leistet sich im Sylter Nazi-Skandal Fauxpas: Partei rudert nach Kritik zurück
Erstmeldung: Sylt – Kanzler Olaf Scholz bezeichnete die Vorfälle als eine „Schande für Deutschland“ und sprach von „ekeligen“ Parolen. Die rassistischen Gesänge in einer noblen Bar auf Sylt erregen in Deutschland großes Aufsehen. Die SPD, die Partei des Kanzlers, wollte eine klare Position beziehen, doch sie verfehlte den richtigen Ton.
Die SPD versuchte, mit einem Instagram-Post gegen das rassistische Partygegröle auf Sylt Stellung zu beziehen. Dies führte jedoch hauptsächlich zu Unverständnis und Kritik, woraufhin die Partei ihre Aussagen korrigierte. Ursprünglich hatte die Partei auf der Plattform unter einem schwarz-rot-goldenen Banner geschrieben: „Deutschland den Deutschen, die unsere Demokratie verteidigen.“ Nach zahlreichen negativen Reaktionen wurde der Post schließlich gelöscht – eine drastische Maßnahme im Bereich der sozialen Medien. Eine Parteisprecherin bestätigte am Freitagabend auf Anfrage den Inhalt der nicht mehr abrufbaren Nachricht.
Die SPD korrigiert ihre Aussagen zum Sylt-Skandal: „Möchten uns aufrichtig entschuldigen“
Anstatt dessen veröffentlichte die Partei (Rechtschreibung wie im Original) folgende Worte: „Wir haben gerade einen Post veröffentlicht mit dem wir auf‘s Schärfste verurteilen, was wir alle in einem Video aus Sylt gesehen haben. Dabei haben wir es nicht geschafft, einen Ton zu treffen, der alle mitnimmt. Dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen. Uns geht es darum, klar zu machen, dass wir dieses Land nicht den Rechtsextremen und Hasspredigern überlassen wollen.“
Am Freitag wurde im Internet ein Video von Sylt weit verbreitet, das bundesweit für Empörung sorgte. Es zeigt offensichtlich wohlhabende junge Menschen, die vor einer Bar auf der Nordsee-Insel zu dem Lied „L‘amour toujours“ grölen „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“. Das Lokal distanzierte sich von den Vorfällen und kündigte rechtliche Schritte an. Der Staatsschutz der Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. In den letzten Monaten wurden immer wieder ähnliche Fälle bekannt.
Rassistischer Eklat auf Sylt: Berufliche Konsequenzen für Beteiligte
Für einige der Beteiligten hat das rassistische Gegröle bereits berufliche Konsequenzen. Die Werbeagentur-Gruppe Serviceplan Group gab am Freitagabend auf Instagram bekannt, dass sie einen Mitarbeiter, der an dem Vorfall beteiligt war, fristlos entlassen hat. „Wir tolerieren Rassismus in jeglicher Form innerhalb unserer Agenturgruppe nicht“, erklärte das Unternehmen.
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Die Hamburger Influencerin Milena Karl gab ebenfalls bekannt, dass sie eine Mitarbeiterin entlassen hat, die an dem Vorfall beteiligt war. „Abgesehen von dem ohnehin abscheulichen Inhalt des Videos hat es mich schockiert, verletzt und enttäuscht, zu sehen, dass eine der Personen aus dem Video mit mir in einem Anstellungsverhältnis stand“, schrieb sie in einer Instagram-Story. Sie hat das Arbeitsverhältnis sofort beendet und distanziert sich ausdrücklich „von sämtlichen Personen, die in diesem Video auftreten“. „Ich bin selbst Migrantin und als werdende Mutter steht alles, was in diesem Video zu sehen ist, für eine Gesellschaft, in der ich mein Kind nicht großziehen möchte.“