VonStephanie Munkschließen
Ist Trump in der Lage, Harris bei der US-Wahl 2024 zu schlagen? Die Republikaner wirken skeptisch. Doch ihr Kandidat zeigt sich resistent gegenüber Ermahnungen.
Washington D. C. – Donald Trump muss sich bereits als Sieger gefühlt haben, als er am 15. Juli mit verbundenem Ohr und seliger Mine beim Parteitag der Republikaner in der riesigen Halle in Milwaukee stand und die Menge ihm zujubelte.
Dass er US-Präsident Joe Biden bei der US-Wahl 2024 schlagen würde, schien ausgemacht. Nur noch die Frage, wie groß sein Vorsprung sein würde, war zu klären. Trump hatte zwei Tage zuvor ein Attentat knapp überlebt. Er schien unbesiegbar.
Doch Trumps heroisches Auftreten nach dem Attentat, seine scheinbare haushohe Überlegenheit gegenüber den Demokraten – all das wirkt ewig her. Seit dem 21. Juli ist es Kamala Harris, eine 20 Jahre jüngere Schwarze, gegen die sich Donald Trump im Wahlkampf beweisen muss.
Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident




Seit Harris gegen Trump bei der US-Wahl 2024 antritt, wirkt er verwundbar
Trump wirkt nun nicht mehr unverwundbar. Sondern nervös, wütend, unüberlegt. Seine abfälligen Kommentare zur Herkunft und Person von Kamala Harris treiben ihre Beliebtheitswerte bei Frauen und Schwarzen nach oben statt nach unten. Und auch die weiße Wählerschaft scheint sich laut Umfragen Kamala Harris als US-Präsidentin immer besser vorstellen zu können.
Auch Parteigrößen innerhalb der Republikaner merken, dass Trump im US-Wahlkampf schwächelt, seit Harris die Bühne als Kandidatin der Demokraten betrat. Die Angst vor einer Niederlage Trumps steigt. Immer mehr zweifeln offenbar, ob Donald Trump wirklich der richtige für die Republikaner und für das Land ist.
Republikaner zweifeln vor US-Wahl an Trump – „Aus der Fassung gebrachter Kandidat“
Die New York Times sprach mit über einem Dutzend einflussreicher Personen innerhalb der republikanischen Partei und berichtet über eine Stimmung zunehmender Besorgnis. „Die Menschen um Trump herum sehen einen aus der Fassung gebrachten Kandidaten“, bilanziert das renommierte US-Blatt.
Trump verbreite keine positive Aufbruchstimmung, sondern wütende Aggression. Auch in privaten Gesprächen sei Trump in den vergangenen Wochen vor allem zornig und schlecht gelaunt gewesen, schreibt die New York Times auf Basis ihrer vertraulichen Interviews mit Personen aus seinem Umfeld.
Trump setzt im Wahlkampf gegen Harris auf Beschimpfungen statt auf inhaltliche Kritik
Öffentlich beschimpft Trump seine Gegnerin Harris als „böse“ und als „Schlampe“, anstatt sich auf Inhalte zu konzentrieren und zu erklären, mit welcher Politik er die US-Wähler überzeugen will. Offen kritisierte das jetzt der Republikaner Kevin McCarthy, ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, in einem Interview mit Fox News.
McCarthy legte in dem Interview vom Montag (12. August) nahe, dass Trump seine Strategie gegenüber Kamala Harris ändern müsse. „Hör auf, die Größe ihrer Zuschauermengen infrage zu stellen, sondern fang an, ihre Positionen infrage zu stellen“, mahnte er. Der Republikaner bezog sich damit auf Trumps Verschwörungsmythen über die Größe der Menschenmenge bei Harris-Kundgebungen.
McCarthy kritisierte indirekt auch Trumps persönliche Attacken auf Harris: „Man kann den Wahlkampf nicht nur auf Basis ihrer Persönlichkeit führen.“ Trump solle sich auf Inhalte konzentrieren und seine Gegenkandidatin im Bereich der Kriminalität, der Grenzpolitik und der Inflation attackieren. In einem zweistündigen Interview mit Elon Musk tags darauf zeigte sich Trump von der Kritik nicht beeindruckt: Statt politischer Fakten enthielt es eine Reihe von Fake News.
Umfragen vor der US-Wahl sehen Trumps Rückhalt schrumpfen
Dabei sehen Umfragen vor der US-Wahl den Vorsprung Trumps gegenüber Kamala Harris schrumpfen, wenn nicht sogar schwinden. In einigen Erhebungen zu den für die US-Wahl so entscheidenden Swing States hat Harris Trump sogar schon überholt.
Das heißt noch lange nicht, dass ihr der Einzug ins Oval Office sicher ist. Doch gegenwärtig haben die Demokraten mehr Auftrieb als die ratlos wirkenden Republikanern.
Es passt ins Bild, dass die Begeisterung der Trump-Fans angesichts der anstehenden US-Wahl laut einer Erhebung in Auftrag von The Economist zuletzt enorm sank: Neun Prozent weniger als in der Vorwoche gaben in der Umfrage an, die stünden der US-Wahl enthusiastisch gegenüber. Und erstmals in einer Umfrage glaubte eine Mehrheit in den USA, dass die neue Präsidentin der USA Kamala Harris heißen wird – unabhängig von der Parteipräferenz der Befragten. Auch die republikanischen Anhänger sehen Trumps Chancen bei der US-Wahl schwinden.
Harris vor Kür als Kandidatin der Demokraten – Trump gerät in Hintergrund
In den kommenden Tagen dürfte sich das Blatt für Trump vorerst nicht wenden. Denn der Parteitag der Demokraten mit der offiziellen Kür von Kamala Harris und Tim Walz als Kandidatin und Vize-Kandidaten steht an. Es wird ein viertägiges Groß-Event mit Unterstützung der prominentesten US-Amerikaner, die es mit im Land gibt – Barack Obama und George Clooney zum Beispiel.
Das Medieninteresse wird hauptsächlich im Harris statt um Trump kreisen, was für die Demokraten erneut kostenlose Wahlkampf-Unterstützung bedeutet. Selbst Trumps Schimpftiraden auf seiner eigenen Plattform Truth Social und X (vormals Twitter) – wo Elon Musk ihn wieder freischalten will – werden da wohl erstmal ins Leere laufen. (smu)
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