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Die öffentlich-rechtlichen Sender zeigen anderen gern den erhobenen Zeigefinger. Der Rücktritt der unter Raffke-Verdacht stehenden ARD-Chefin trifft den Sender schwer. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.
Wo Rauch ist, ist meist auch Feuer. Im Fall der zurückgetretenen ARD-Vorsitzenden Patricia Schlesinger war es, um im Bild zu bleiben, dichter, beißender Qualm, der die Senderchefin umgab. Immer mehr verdichteten sich zuletzt die Hinweise, dass die 61-Jährige Privates und Berufliches auf anstößige Weise vermischte und sich auf Gebührenzahlerkosten ein Leben in Saus und Braus gönnte. Zur Wehr setzen muss sie sich zugleich gegen Vorwürfe, sie habe ihrem Mann lukrative Aufträge zugeschanzt. Es geht um Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft.
Audi A8 mit Massagesitzen – Rücktritt von ARD-Chefin Schlesinger offenbart Extravaganz
Eine durch Amt und Einkommen ohnehin privilegierte Vorzeigefrau des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks wie Patricia Schlesinger hat eine Vorbildfunktion. Schließlich sehen sich die Sender seit Langem mit der Kritik konfrontiert, nicht sparsam genug mit den zwangsweise von allen Bürgern erhobenen Gebühren umzugehen. Muss man da wirklich unbedingt einen 435-PS-Audi mit integrierten Massagesitzen auf Senderkosten fahren? Oder regelmäßige Abendessen mit Cateringservice in der privaten Wohnung dem öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber - und damit dem Gebührenzahler - in Rechnung stellen? Das spricht für viel Dummheit, ganz sicher auch für eine gehörige Portion Abgehobenheit an der Spitze eines Senders, der den Bürgern sonst gern mit erhobenem Zeigefinger kommt.
Sache nach Rücktritt von ARD-Chefin Schlesinger noch nicht ausgestanden
Ihre Funktion als ARD-Chefin hat Schlesinger richtigerweise aufgegeben, (noch) nicht aber ihren Posten als Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Doch auch da sollten die zuständigen Aufsichtsgremien jetzt zügig die richtigen Konsequenzen ziehen. Eile ist geboten. Der Fall bietet zu viel Verhetzungspotenzial, bedient er doch alle AfD-Klischees vom Selbstbedienungsladen öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Das Biotop Berlin mit seinem linken Filz kommt in der Affäre Schlesinger als Sahnehäubchen noch obendrauf.
