Die TV-Debatte gegen Donald Trump hat zwar für einen Aufschrei gesorgt, die Umfragen haben sich jedoch kaum verändert. Biden bleibt siegessicher.
Washington, D.C. – Der amtierende US-Präsident Joe Biden hat mit massivem Misstrauen in seiner eigenen Partei zu kämpfen. Nach dem Debakel bei der TV-Debatte zu der bevorstehenden US-Wahl 2024 wurden sogar Vermutungen laut, dass der US-Präsident womöglich an Demenz oder Parkinson erkrankt sei. Dementsprechend stellten viele US-Bürgerinnen und Bürger infrage, ob Biden noch eine Amtszeit als Präsident durchlaufen kann.
In der Debatte mit seinem Kontrahenten Donald Trump schien Biden Probleme zu haben, seine Antworten zusammenhängend vorzutragen. Oft stotterte der 81-jährige US-Präsident und wirkte regelrecht verwirrt und abwesend. Nach der Gesprächsrunde beteuerten Biden und seine Mitarbeiter, dass er lediglich einen schlechten Tag gehabt habe. „Kann ich die 100 Meter in 10 Sekunden laufen? Nein, aber ich bin immer noch gut in Form“, so Biden in einem Interview mit dem US-Sender ABC kurz nach der TV-Debatte. Seine Parteikollegen konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht überzeugen – das könnte sich aber schon geändert haben.
Biden hält flammende Rede auf Nato-Treffen – Vertrauen für US-Wahl 2024 steigt
Zu Beginn der Nato-Konferenz in Washington wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer Zeuge eines gänzlich anderen Biden. In der Rede zum 75. Jahrestag der Nato wirkt der Präsident wie ausgewechselt. „Unter den Augen der Welt hielt Präsident Joe Biden zur Eröffnung des NATO-Gipfels in Washington eine kraftvolle Rede“, schreibt beispielsweise die Tageszeitung Politico.
Auch aus dem Lager der Demokraten wurde Begeisterung nach Bidens Ansprache laut. „WOW! Die Rede,die Präsident Bidengerade auf dem NATO-Gipfel gehalten hat, war fantastisch“, schrieb der demokratische Aktivist Harry Sisson auf X. Und auch unter manchen Republikanern sorgte Bidens Nato-Rede für Beifall.
Der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete David Jolly sprach bei MSNBC sogar von einer „unglaublichen“ Rede. „Das ist genau seine stärkste Seite und er hat sie vor der Welt ausgespielt. Das war ein cooler Abend, das war ein sehr guter Abend für Amerika, um auf der Weltbühne die Führung zu übernehmen“, so Jolly.
„Er ist der beste Kandidat“ – Demokraten ändern ihre Meinung zu Bidens Kandidatur zur US-Wahl 2024
Laut Newsweek haben sich mindestens zehn demokratische Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus dafür ausgesprochen, dass Biden seine Kandidatur für die US-Wahl 2024 zurücknimmt. Doch auch unter den ehemaligen Biden-Gegnern scheint sich neues Vertrauen breitzumachen. „Er ist der beste Kandidat, er ist der einzige Kandidat“, sagte der demokratische Abgeordnete Jerrold Nadler gegenüber Newsweek. „Er hat gesagt, er wird im Amt bleiben. Er ist unser Kandidat und wir werden ihn alle unterstützen. Ich hoffe, wir werden ihn alle unterstützen.“
Nadler habe sich vor seinem Sinneswandel in einem privaten Gespräch mit dem Minderheitsführer des Repräsentantenhauses, Hakeem Jeffries, für Bidens Rücktritt ausgesprochen.
„Ich gehe nirgendwo hin“ – Biden ist zuversichtlich über Sieg gegen Donald Trump
Biden selbst ist sich seiner Sache sicher, was vielleicht mit dem wieder erwachten Rückhalt aus seiner Partei zu tun hat. „Ich gehe nirgendwo hin“, sagte Biden im Interview mit MSNBC vom 8. Juli. „Ich würde nicht kandidieren, wenn ich nicht absolut daran glauben würde, dass ich der beste Kandidat dafür bin, Donald Trump 2024 zu schlagen.“ Auf die Frage, was er besorgten Demokraten mitteilen würde, die Angst davor haben, dass Trump gewinnt, sagte Biden: „Ich habe ihn letztes Mal geschlagen, ich schlage ihn dieses Mal.“
Bidens Zuversicht könnte trotz des Aufschreis um sein TV-Duell begründet sein. Denn aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass sein Auftreten ihm maximal ein bis zwei Prozentpunkte gekostet haben. In einer Umfrage von CBS News und dem Marktforschungsinstitut YouGov, trennen die beiden Kontrahenten lediglich ein Prozent, wobei Trump auf 50 Prozent und Biden auf 49 Prozent kommt.
Zweifel nicht ganz ausgemerzt – Demokraten halten Treffen über Alternative für Biden ab
Nach seiner Rede sollen einige Vertreter des Weißen Hauses bereits mit einer Entschärfung der Situation für Biden gerechnet haben. Kayla Tausche sagte beispielsweise gegenüber CNN, dass sie hoffe, dass Biden jetzt wieder zum „Business as usual“ zurückkehren könne.
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Doch wann oder ob überhaupt wieder Normalität für Biden eintreten wird, stehe noch nicht fest. Laut CNN werde künftig jeder öffentliche Auftritt vor der US-Wahl im November eine Zerreißprobe für Bidens Kandidatur. Und während der Präsident darauf achten muss, sich keine weiteren Fehltritte mehr zu erlauben, debattieren Demokraten bereits, wer als Alternative für Biden infrage käme. (nhi)