Botschafter äußert sich

Russische Operationen im Atlantik: Macht Putin Jagd auf Nato-U-Boote?

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Es wird vermutet, dass Russland heimlich Sensoren in Nato-Gewässern positioniert hat. Britische Behörden sind beunruhigt. Aber Moskau dementiert.

London – Wladimir Putins Botschafter in Großbritannien bestreitet nicht, dass Russland Sensoren in den Nato-Gewässern um das Vereinigte Königreich versteckt hat, um britische Atom-U-Boote zu verfolgen. Ihm zufolge geht von Russland dennoch keinerlei Bedrohung für die Inselnation aus – eine Sichtweise, die nach der jüngsten Enthüllung längst nicht alle teilen.

Er bestreite nicht, dass Russland versuche, britische U-Boote zu verfolgen, so Andrei Kelin gegenüber der BBC. Gleichzeitig weise er aber zurück, dass solche Aktivitäten eine Bedrohung für Großbritannien darstellten. „Ich werde es nicht leugnen, aber ich frage mich, ob wir wirklich ein Interesse daran haben, alle britischen U-Boote mit sehr alten, veralteten Atomsprengköpfen zu verfolgen“, spielte der Botschafter die Anschuldigungen herunter, und ergänzte „all diese Bedrohungen“ seien „extrem übertrieben“.

Russlands U-Boot-Überwachung bestätigt: Botschafter bestreitet jedoch Bedrohungslage

Als Moderatorin Laura Kuenssberg noch immer nicht locker ließ, fügte Kelin schließlich hinzu: „Ich leugne die Existenz von Bedrohungen für das Vereinigte Königreich. Diese Bedrohung wurde erfunden, absolut, es gibt überhaupt keine Bedrohung von Russland für das Vereinigte Königreich“.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Das Eingeständnis von Wladimir Putins Botschafter folgt auf eine Untersuchung, die Anfang des Monats von der Sunday Times veröffentlicht wurde. Sie beschreibt die Entdeckung mutmaßlicher russischer Sensoren in den Meeren um Großbritannien. Moskau habe diese Geräte wohl platziert, um Informationen über die vier Vanguard-U-Boote des Vereinigten Königreichs zu sammeln, die mit Atomraketen bestückt sind. Das britische Militär habe die Existenz der Geräte entdeckt und sie als potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft, so die Zeitung.

Putins Spionagenetz im Meer: Experten warnen vor militärischer Eskalation im Atlantik

„Es sollte keinen Zweifel geben, dass im Atlantik ein Krieg tobt. Dies ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das seit dem Ende des Kalten Krieges andauert und sich nun wieder zuspitzt“, gab ein Angehöriger des britischen Militärs laut dem Bericht zu bedenken. Eine andere Quelle habe die Situation mit einem „Wettlauf ins All“ verglichen. Es sei „eine Welt, die von Geheimhaltung und Täuschung geprägt ist“. Es gebe aber „genug Rauch, um darauf hinzuweisen, dass irgendwo etwas in Flammen steht“.

Zuvor hatte die Royal Navy im März Bilder eines russischen Kriegsschiffes veröffentlicht, das sie in der Nähe britischer Gewässer aufgespürt hatte. Dieses Schiff mit dem Namen Boikiy ist eines von mehreren russischen Schiffen, die in den letzten Monaten in der Nähe der britischen Küste gesichtet wurden.

Russland soll Jagd auf britische U-Boote machen: Putins geheime Sensoren vor Großbritannien

Bereits im Januar hatte der Verteidigungsminister Großbritanniens, John Healey, Abgeordneten mitgeteilt, dass die Royal Navy ein russisches Spionageschiff überwacht habe, nachdem es in britischen Gewässern gesichtet worden war. Healy beschuldigte das Schiff namens Yantar, zur Informationsbeschaffung und Kartierung der Unterwasserinfrastruktur des Vereinigten Königreichs eingesetzt zu werden.

Wladimir Putins Botschafter in Großbritannien bestreitet, dass eine Bedrohung von Russland ausgeht – trotz der jüngsten Enthüllungen.

Dem ehemaligen britischen Verteidigungs- und Außenminister Tobias Ellwood zufolge besteht die Gefahr, dass das Vereinigte Königreich bei der Verfolgung russischer Tiefseeoperationen „hinter der Kurve“ zurückbleibt. Der Einsatz von Sensoren sei „nur die halbe Wahrheit“, so Ellwood Anfang April gegenüber dem Guardian. Russland habe zudem „entfernte Meeresbodenplattformen“ vor der britischen Küste errichtet. Diese dienten als Ladestationen für Dutzende von Mini-U-Booten, die eingesetzt würden, „um unsere Unterseekabelnetze auf mögliche Sabotage zu untersuchen“. Regierungsbeamte seien über diese Tiefseestützpunkte informiert und man bemühe sich darum, angemessen auf die Bedrogungslage zu reagieren. (tpn)

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