Kreml zu US-Sicherheitsstrategie

Russland begrüßt Trumps Strategiepapier: „Entspricht weitgehend unserer Vision“

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Mit der neuen US-Sicherheitsstrategie will Donald Trump seine „America First“-Politik geopolitisch vorantreiben. Russland zeigt sich davon durchaus angetan.

Berlin – Mit der am Donnerstag (4. Dezember) veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie lässt US-Präsident Donald Trump die Gräben zwischen den USA und Europa tiefer werden. In dem 33-seitigen Dokument lässt der Republikaner keine Zweifel daran, dass seine „America First“-Doktrin auch geopolitisch oberste Priorität für ihn besitzt. In der Europäischen Union sorgte die neue US-Sicherheitsstrategie für Besorgnis, gleichzeitig lässt sie Fragen der Verteidigungsfähigkeit ihrer Mitgliedsstaaten nochmals drängender werden. Eine Reaktion auf Trumps neue US-Sicherheitsstrategie folgte nun aber auch aus Moskau: aus dem Kreml gibt es reichlich Zuspruch.

Fotomontage von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow (l.) und Donald Trump (r.)

Kreml-Sprecher sieht neue US-Sicherheitsstrategie nahe an Russlands „Vision“

In Russland wurde Trumps neue nationale Sicherheitsstrategie begrüßt und als weitgehend im Einklang mit den eigenen Vorstellungen bezeichnet. „Die Anpassungen, die wir sehen, entsprechen weitgehend unserer Vision“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in einem Interview, das am Sonntag von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass veröffentlicht wurde. „Wir betrachten dies als einen positiven Schritt“, so Peskow weiter. Im Kreml werde die Sicherheitsstrategie nun weiter analysiert, bevor endgültige Schlussfolgerungen getroffen werden sollen.

Im Dokument zur neuen US-Sicherheitsstrategie attestiert Trump den EU-Mitgliedsstaaten einen bereits grassierenden wirtschaftlichen Niedergang, der auf dem „fehlgeleiteten Fokus auf regulatorische Erstickung“ basiere. Washington wiederum wolle dazu beitragen, dass dieser in Europa abgelegt wird. Daneben habe Europa sein Selbstbewusstsein eingebüßt, wie die Trump-Administration in ihrem Strategiepapier weiter resümiert. 

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Grund für jenen Verlust des europäischen Selbstbewusstseins ist dem Papier zur neuen US-Sicherheitsstrategie das Walten der EU und anderer transnationaler Gremien, durch das politische Freiheit und Souveränität untergraben werde. Zum Ausdruck komme das eingebüßte europäische Selbstvertrauen auch in einer zivilisatorischen Krise inklusive niedriger Geburtenraten und einer Migrationspolitik, die Konflikte schüre. Sollten sich jene Trends fortsetzen, könnte Europa schon in „20 Jahren oder weniger“ nicht wieder zu erkennen sein, so die US-Regierung weiter.

Trump unterstellt Europa einen Identitätsverlust – gegenüber Russland bleibt der Ton sachte

„Am deutlichsten“ komme der Selbstwertverlust Europas jedoch in den Beziehungen zu Russland zum Tragen. Trotz Vorteilen gegenüber Russland in vielerlei Aspekten – mit Ausnahme von Atomwaffen – habe Europa Dominanz bei eigenen Standpunkten vermissen lassen, geprägt sei Europas Verhältnis Europas zu Russland vor allem von Furcht. 

Verglichen mit Europa fällt der Ton gegenüber Russland im US-Strategiepapier deutlich milder aus. Vernichtende Resümees und dunkle Zukunftsprognosen wie gegenüber Europa lassen sich dort ebenso vergebens suchen wie Urteile zum Kreml als Initiator des Ukraine-Kriegs. Viel eher liegt der Fokus Washingtons dem Strategiepapier zufolge auf einer Stabilisierung der Beziehungen Russlands zu Europa, für die man sich in Washington offenbar selbst als stärkster Vermittler sieht.

In Europa hinterlässt Trumps US-Sicherheitsstrategie Besorgnis 

Finden lassen sich in der neuen Sicherheitsstrategie der US-Regierung auch Kommentare, die ein gewisses Maß willentlicher Einflussnahme auf europäische Politik andeuten. So lobt die US-Administration darin den Einfluss „patriotischer europäischer Parteien“. Ferner wolle „Amerika seine politischen Verbündeten in Europa ermutigen, diese Wiederbelebung des Geistes zu fördern“. Einen Fokus in seinen Bestrebungen will die US-Regierung „dem Widerstand gegen den aktuellen Kurs Europas“ widmen. 

Anders als vom Kreml wurde das neue Strategiepapier der US-Regierung in Europa mit teils großer Besorgnis aufgenommen. „Europa und die Vereinigten Staaten teilen nicht dieselbe Sicht auf die internationale Ordnung“, sagte der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, der Tagesschau zufolge. Der ehemalige schwedische Ministerpräsident Carl Bildt schrieb, dass sich die US-Regierung mit dem Dokument „rechts von der extremen Rechten positioniert“, wie die BBC berichtete. Für den Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei Manfred Weber ist klar: „Wir können uns auf Washington nicht mehr verlassen“, wie er im Deutschlandfunk sagte. (Quellen: whitehouse.gov, Tass, BBC, Tagesschau, Deutschlandfunk) (fh)

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