VonFelix Busjaegerschließen
Die Ostsee wird wieder zum Schauplatz von Konfrontationen zwischen der Nato und Russlands Luftwaffe. Ein aktueller Fall zeigt die angespannte Lage.
Warschau – Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs sind Begegnungen zwischen Nato-Kampfflugzeugen und der russischen Luftwaffe über der Ostsee keine Seltenheit. Ein aktueller Vorfall hebt sich jedoch ab: Innerhalb von drei Tagen haben polnische Flugzeuge zweimal ein russisches Aufklärungsflugzeug im neutralen Luftraum abgefangen und begleitet. Das polnische RSZ-Einsatzkommando machte die Einsätze auf X, ehemals Twitter, öffentlich. Es wurde jedoch betont, dass der Luftraum des Landes nicht verletzt wurde.
Nato-Zwischen über Ostsee im Schatten des Ukraine-Kriegs: Kampfjets steigen auf
Die Situation im Ukraine-Konflikt ist seit geraumer Zeit festgefahren. Trotz hoher Verluste drängt Wladimir Putins Armee unermüdlich in der Ostukraine vor und versucht, Geländegewinne zu erzielen. Die Verteidiger erhalten nach einer Phase der Stagnation wieder vermehrt westliche Waffenlieferungen. Aber auch außerhalb der Kämpfe in Russlands Krieg bemüht sich der Kreml, in anderen Regionen Präsenz zu zeigen. Die Ostsee ist dabei seit jeher eine hochfrequentierte Region. Dies ist unter anderem auf die geografischen Gegebenheiten – die russische Oblast Kaliningrad liegt zwischen Polen und Litauen – und auf die Nato-Osterweiterung zurückzuführen.
Russland setzt daher immer wieder auf Aufklärungsflüge und Provokationen über der Ostsee, was Nato-Kampfjets zu regelmäßigen Aufstiegen zwingt. Auch im aktuellen Fall scheint eine russische Aufklärungsmission der Auslöser für den Alarmstart der polnischen Kampfjets gewesen zu sein. Das russische Flugzeug war eine Iljuschin Il-20, ein Typ, der von Russland seit Jahrzehnten für militärische Aufklärung eingesetzt wird. Die Technik des Flugzeugs, das die Nato-Kennung Coot-A trägt, ist darauf ausgelegt, Fernmeldeverkehr zu erfassen und Kartografierungen vorzunehmen.
Russland provoziert über Ostsee: Polen schickt zweimal Kampfjets in die Luft
Das polnische RSZ-Einsatzkommando kommentierte den Einsatz auf X wie folgt: „Am 6. Mai 2024 fing ein MiG-29-Einsatzpaar vom 22. Taktischen Luftwaffenstützpunkt in Malbork ein Flugzeug der Russischen Föderation ab und identifizierte es.“ Es wurde weiterhin berichtet, dass der russische Aufklärer in Kaliningrad gestartet und bereits am 3. Mai von zwei F-16-Jets der polnischen Luftwaffe abgefangen worden war. „Der Schutz des polnischen Luftraums ist die Grundlage der Sicherheit unseres Landes“, fügte das Kommando hinzu.
Der Einsatz von F-16-Jets über der Ostsee und im restlichen Nato-Luftraum ist üblich. Erst vor wenigen Tagen, am 2. Mai, mussten Einheiten der US-Streitkräfte aufsteigen, da russische Flugzeuge dem Luftraum des Landes sehr nahe gekommen waren. Letztendlich wurden sie vor Alaska von der US-Angriffsstaffel abgefangen. „Obwohl die russischen Luftstreitkräfte zu keinem Zeitpunkt in den US- oder kanadischen Luftraum eingedrungen sind, konnten integrierte Luftverteidigungseinheiten eine Reihe von schweren russischen Bombern des Typs Tu-95 identifizieren, die an einer jährlichen russischen Luftwaffenübung in der Nähe der Küsten von Alaska und Kanada teilnahmen“, erklärte Generalmajor Brett Cairns zu dem Vorfall.
F-16 für den Ukraine-Krieg: Putin reagiert auf Waffenlieferungen
Seit seiner Indienststellung in den späten 1970er Jahren gilt der F-16-Jet als Rückgrat der Luftverteidigung vieler Länder. Im Ukraine-Konflikt könnte das Kampfflugzeug aus US-Produktion in den kommenden Monaten eine größere Rolle auf Seiten der Verteidiger spielen. Wladimir Putin betrachtet mögliche Lieferungen an Kiew als westliche Provokationen, die ihn unter anderem dazu veranlassten, seine strategischen Nuklearstreitkräfte in der Nähe der Ukraine üben zu lassen. (fbu)
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