VonPatrick Mayerschließen
Laut einem Bericht arbeitet Moskau mit Nachdruck am Ausbau seiner U-Boot-Flotte. Zahlen veranschaulichen, wie viele Unterwasser-Schiffe Russland im Vergleich zu den USA wohl hat.
München/Moskau/Washington - Sie kommen im Ukraine-Krieg kaum voran. Dennoch treibt Moskau-Machthaber Wladimir Putin die materielle Expansion seiner Streitkräfte voran, während die Kampfhandlungen in Bachmut im Donbass festgefahren sind und die ukrainischen Verteidiger im Süden wohl die nächste Gegenoffensive planen.
Russische Marine: Wladimir Putin lässt U-Boot-Flotte offenbar deutlich ausbauen
Bei Putins Vorhaben geht es dabei um eine Teilstreitkraft, die nach der Versenkung der „Moskwa“ im Schwarzen Meer kaum noch in die Gefechte involviert ist: die Marine. Konkret: Russland baute seine U-Boot-Flotte in den vergangenen Jahren offenbar erheblich aus und modernisierte alte Schiffe, wie das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet. Begleitet sei dieser Ausbau mit einer deutlich höheren Präsenz russischer U-Boote in den Weltmeeren, heißt es in dem Bericht weiter.
„Wir haben Hinweise darauf, dass atomgetriebene U-Boote vor der Küste der Vereinigten Staaten und im Mittelmeer und anderswo entlang der europäischen Peripherie eingesetzt wurden, in einer Weise, die U-Boot-Einsätze im sowjetischen Stil im Kalten Krieg widerspiegeln“, erzählte Michael Peterson, Direktor des Russia Maritime Studies Institute, Newsweek.
Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg
Putins U-Boot-Flotte im Vergleich zu den USA
Doch: Wo steht Putins U-Boot-Flotte im Vergleich zu den Kapazitäten der USA, dem großen weltpolitischen Gegenspieler? Die Zahlen variieren je nach Quelle. Viele Medien ziehen seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs (24. Februar 2022) den „Global Firepower Index“ heran, um die Größe verschiedener Streitkräfte zu beschreiben.
Demnach kämen die USA auf 70 und Russland auf 68 U-Boote. Zum Vergleich: Die deutsche Marine hat derzeit sechs U-Boote, bei denen gemutmaßt wird, wie viele überhaupt einsatzfähig sind. Die Royal Navy Großbritanniens hat zehn U-Boote, von denen eines mit Atomsprengköpfen an Bord zur Abschreckung stets in den Meeren rund um das Vereinigte Königreich unterwegs ist. Was öffentlich bekannt ist.
USA haben wohl mehr U-Boote als Russland - aber Moskau rüstet offenbar auf
Aber: Sind währenddessen die amerikanische und die russische U-Boot-Flotte in etwa gleich groß? Die gemeinnützige „Nuclear Threat Initiative“ (NTI), die Newsweek zitiert, kommt zu etwas anderen Zahlen. Demnach würden die Vereinigten Staaten über 64 U-Boote und die russischen Streitkräfte über 58 U-Boote verfügen. Das Besondere daran sei jedoch die jüngste Expansion der russischen Marine.
Diese kommandiere „eine der größten U-Boot-Flotten der Welt“, schreibt das NTI. Moskau habe ferner „seine U-Boot-Streitkräfte in den letzten Jahren erheblich modernisiert“, mit elf atomgetriebenen U-Booten mit ballistischen Raketen sowie 17 atomgetriebenen Angriffs-U-Booten, heißt es in dem Bericht. Nach diesen Daten verfüge Russland zudem über neun atomgetriebene Marschflugkörper-U-Boote und 21 dieselelektrische Angriffs-U-Boote. Damit nicht genug: Offenbar sollen die Unterwasser-Einheiten der russischen Streitkräfte weiter aufgerüstet werden.
So erklärte laut Newsweek der Leiter der russischen „United Shipbuilding Corporation“ im Februar der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novost, dass die russische Marine bis Ende des Jahres zwei neue Atom-U-Boote erhalten werde. Konkret gehe es Alexej Rachmanow zufolge um die Schiffe „Alexander III“ und „Krasnojarsk“, 2024 solle zudem die „Archangelsk“ folgen. Laut Nachrichtenagentur TASS kann einzig die „Alexander III“ 16 ballistische Bulava-Interkontinentalraketen tragen.
Wladimir Putin: Moskau-Machthaber rüstet wohl U-Boot-Flotte der russischen Marine auf
Anfang Juli 2022 hatte Russland mit der „Belgorod“ bereits das weltweit größte U-Boot in Dienst gestellt, das mit einer Länge von 184 Metern und einer Verdrängung von 30.000 Tonnen (getaucht) andere Atom-U-Boote der russischen Typhoon- sowie der Ohio-Klasse der US-Marine übertrifft. Nur ein Beispiel für die Muskelspiele des Kreml auf hoher See, was mit gehörigem Drohpotenzial verbunden ist.
Berichten zufolge wurden russische U-Boote in den vergangenen Monaten vor der Küste der Vereinigten Staaten oder etwa im Mittelmeer registriert, wie die italienische Küstenwache meldete. Der ukrainische Generalstab schreibt wiederum seit Anfang März, dass sich zwei russische U-Boote im Schwarzen Meer befänden. Wladimir Putin reicht all das aber offenbar noch nicht. (pm)

