Besuch im Sudan

Russlands Außenminister Lawrow wettert: Westen will „Rivalen auf internationaler Bühne eliminieren“

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Nach Aussage von Putins Außenminister im Sudan respektiert der Westen die „Gleichwertigkeit von Nationen“ nicht.
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Sergej Lawrow befindet sich auf Afrika-Reise. Dabei zweifelt Putins Außenminister daran, dass der Westen an die „Gleichwertigkeit der Staaten“ glaubt.

Khartum – Längere Zeit war es relativ still um einen der Chef-Agitatoren von Wladimir Putin. Doch auf seiner Auslandsreise nach Afrika scheint Russlands Außenminister Sergej Lawrow, dessen Abstieg vom geachteten Diplomaten zum Paria von Putins Gnaden fast schon beschlossene Sache zu sein schien, seine Stimme wiedergefunden zu haben. In einer Stellungnahme bei seinem Besuch im Sudan wetterte Lawrow im Schatten des Ukraine-Kriegs jedenfalls in altgewohnter Manier wieder gegen den Westen.

Nach Lawrows Einschätzung glaubt der „Westen nicht an Demokratie, sonst würden sie Entwicklungsländer in Ruhe lassen“. Putins Außenminister tätigte diese Aussage bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem sudanesischen Amtskollegen Ali al-Sadiq in Sudans Hauptstadt Khartum.

Russlands Außenminister Lawrow attackiert Westen: „Glauben nicht an Demokratie, an irgendeine Gleichwertigkeit“

Der Westen „galoppiert mit dem Versuch in der Welt herum, aufstrebende Entwicklungsländer von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass sie die Russische Föderation verurteilen müssen“, attackierte Lawrow den Westen für seine Politik.

„Der Versuch, ihre Beziehungen zu Russland zu untergraben, spricht für eine Sache: Sie glauben nicht an Demokratie, an irgendeine Gleichwertigkeit der Nationen auf der Weltbühne. Ansonsten würden sie Entwicklungsländer in Ruhe lassen und ihr Recht auf Selbstbestimmung, wie sie sich im Weltgeschehen verhalten, respektieren“, polterte Außenminister Lawrow, der Russland im Kampf gegen die gesamte Nato sieht, weiter.

Russlands Außenminister Lawrow macht sich über westliche Bemühungen in Afrika lustig: „Sind uns dicht auf den Fersen“

Darüber hinaus amüsierte sich Russlands Außenminister über die diplomatischen Bemühungen des Westens in Afrika. „Sie scheinen uns dicht auf den Fersen zu sein“, kommentierte Lawrow die Reisen von fünf oder sechs westlichen Diplomaten, während eines Besuchs einer russischen Delegation in Mauretanien. „Als wir Südafrika besuchten, kam ein Team von westlichen Offiziellen, darunter [EU-Topdiplomat Josep] Borell, direkt am nächsten Tag an“, fuhr der russische Diplomat fort.

Des Weiteren schloss Lawrow aus den Entwicklungen in Afrika: „Wenn sie sich schon so anstrengen, dann müssen sie das Gefühl haben, dass sie falsch liegen, daher erinnern sie Länder auf verschiedenen Kontinenten, dass von ihnen erwartet wird, antirussische Positionen einzunehmen.“

Lawrow auf Afrika-Reise: Außenminister macht Westen schwere Vorwürfe – „Einen Rivalen auf internationaler Bühne eliminieren“

Damit aber nicht genug mit den Vorwürfen. In seinem Statement kam Lawrow erneut darauf zu sprechen, welche Schuld der Westen am Ausbruch des Ukraine-Kriegs trage. „Hätten meine Kollegen aus dem Westen nur Eintausendstel der Bemühungen gezeigt, die sie jetzt an den Tag legen, um in den vergangenen acht Jahren auf die sofortige Implementierung des Minsker Abkommens zu pochen, hätte keine Notwendigkeit für unsere Spezialoperation bestanden“, so Russlands Außenminister Lawrow.

„Jedoch verstehen wir jetzt, dass die Implementierung des Minsker Abkommen nie der Plan des Westens war“, fuhr Putins Topdiplomat fort. „Der Plan war, die Ukraine auf einen hybriden Krieg gegen Russland vorzubereiten, um einen Rivalen auf internationale Bühne zu eliminieren.“

Lawrow zu Besuch im Sudan: Putins Außenminister geht auf Kuschelkurs

Abseits seiner Anschuldigungen gegenüber dem Westen, nutzte Putins Außenminister aber auch seinen Aufenthalt, um auf Tuchfüllung der sudanesischen Regierung zu gehen. Nach Aussage von Lawrow vertritt Moskau die Ansicht, dass „der nationale Dialog einzig und allein von den Sudanesen selbst und ohne äußere Einmischung geführt werden soll, ganz abgesehen von Versuchen, den Sudanesen irgendwelche Vorschriften zu machen.“

Neben seiner neuerlichen Kritik am Westen ging Lawrow während seines Statements weiter auf diplomatische Tuchfüllung mit dem Sudan. „Wir unterstützen die faire Herangehensweise des Sudan, infolge der Prüfung der sudanesischen Angelegenheiten im UN Sicherheitsrat“, so der russische Außenminister Lawrow, der bei einem Festakt zum Tag des Diplomaten mit Vergleichen über Adolf Hitler und Napoleon nochmals nachlegte. „Darin eingeschlossen ist die Notwendigkeit, diese Restriktionen, die vor einigen Jahren eingeführt worden sind, aufzuheben.“

Russische Wirtschaft durch Sanktionen unter Druck: Außenminister Lawrow auf der Suche nach Verbündeten

Im Licht des Ukraine-Kriegs, in dem Russland wohl eine weitere großangelegte Offensive gestartet hat oder zumindest zum Jahrestag der Invasion vorbereitet, hören sich die Attacken gegen den Westen nach einer gewagten These an. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings klar, dass hinter den Aussagen Kalkül von Lawrow steckt.

Russlands Außenminister ist sich bewusst, dass sowohl die Regierung um Präsident Putin, als auch Russlands Wirtschaft durch die Sanktionen des Westens zwar nicht komplett isoliert, aber dennoch geschwächt dasteht. Trotz der weiterhin guten Geschäfte mit Staaten wie China oder Indien sieht sich der Kreml möglicherweise gezwungen, die Staats- und Unternehmenskassen im eigenen Land zu plündern. Denn auch die beispielsweise lukrativen Geschäfte mit „Putins Blutdiamanten“, die die EU-Sanktionen noch um umschiffen, werden wohl auf Dauer nicht reichen, um den kostspieligen Ukraine-Krieg zu finanzieren. Sonst könnte Putins Niederlage vielleicht wirklich nur noch eine Frage der Zeit sein.

Auch vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund braucht Russland dringend weitere Verbündete, bevor diese Einkunftsquellen versiegen. Dies ist nicht nur Putin klar, sondern auch seinem Außenminister Lawrow. Und da könnte er bei vielen Staaten in Afrika, die über unzählige Bodenschätze verfügen, möglicherweise auf die richtigen Ansprechpartner mit offenen Ohren treffen.

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