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Steinmeier gesteht Fehler in seiner Russland-Politik ein – das verdient Respekt

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Der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, hat Fehler im Umgang mit Russland eingeräumt.
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Bei seinem Auftritt im ZDF-Morgenmagazin hat Bundespräsident Steinmeier Fehler im Umgang mit Russland und Putin eingestanden. Das verdient Respekt.

München – So etwas nennt man wohl Vorwärtsverteidigung: Die Vehemenz, mit der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein Versagen in der Russlandpolitik eingesteht, ist beeindruckend, weil sie völlig frei ist von der sonst im Politikbetrieb üblichen Verdruckstheit. Man merkt, wie erschüttert der erste Mann im Staat darüber ist, dass sich seine Ideale zuletzt als große Lebenslüge entpuppten.

Steinmeier gesteht seine Fehler ein – Merkel schafft das nicht

Der SPD-Politiker war der Architekt des gemeinsamen europäischen Hauses, in dem Putins Russland seinen geachteten Platz finden sollte. Jetzt hat sich der vermeintliche Partner als notorischer Lügner und „eingebunkerter Kriegstreiber“ (Steinmeier) zu erkennen gegeben, und er hat gleich das ganze Haus angezündet. Eine Rückkehr zur alten Normalität, von der manche Deutsche noch immer träumen, werde es nicht geben können, orakelt der Präsident düster. Damit wiederum dürfte er Recht behalten.

Steinmeier klittert nicht die Geschichte. Er räumt seinen Fehler ein. Das verdient Respekt. Der Bundespräsident beschämt zugleich die frühere Kanzlerin. Deren dürre öffentliche Einlassung nach monatelangem Schweigen lässt sich mal wieder so zusammenfassen: Ich wüsste nicht, was ich anders hätte machen sollen. So viel Rechthaberei im Anblick der Kriegsapokalypse in Europa, zu deren Verhinderung die Berliner Politik leider nicht beigetragen hat, macht einfach nur traurig und fassungslos.

Deutschland muss sich jetzt auf europäischer Ebene neu erfinden

Deutschland steht vor der historischen Aufgabe, sich als europäischer Verbündeter neu zu erfinden und das erschütterte Vertrauen seiner Partner zurückzugewinnen. Wie Steinmeier muss auch unser Land seine Lebenslügen hinter sich lassen und den Menschen, denen Putin mit totaler Vernichtung droht, zur Seite stehen, mit Empathie und, ja, auch mit Waffenlieferungen. Die Zeit, in der man in Berlin erst den Kreml um Erlaubnis fragte, ist vorbei.

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