Chef-Ideologe

Wie Alexander Dugin vom Randphilosophen zu Putins „Gehirn“ aufstieg

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Der nationalistische russische Hardliner Alexander Dugin bei der Abschiedszeremonie für seine Tochter Daria Dugina.
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Früher spielte der Ideologe Alexander Dugin keine große Rolle im Kreml. Seit der Ermordung seiner Tochter gilt er hingegen als einer der wichtigsten Philosophen an Putins Seite.

München/Moskau - Alexander Dugin wird als das „Gehirn“ Putins bezeichnet. Der ultrakonservative Ideologe ist vor allem aufgrund seiner anti-westlichen Werte bekannt. Lange Zeit schenkte man ihm im Kreml wenig Beachtung, doch nun ist er einer der Chef-Ideologen an der Seite des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dabei verhalf ihm besonders ein tragisches Ereignis zu seinem Aufstieg: Die Ermordung seiner Tochter Daria Duginas.

Alexander Dugin: Vom Randphilosophen zu Putins Chef-Ideologen

Wie zwei Kreml-Insider gegenüber der russischen Zeitung Meduza verrieten, hätten besonders in den letzten Monaten ultrakonservative Denker den Kreml privat besucht und dort Einfluss auf die russische Ideologie ausgeübt. Einer von ihnen ist laut den Quellen der Ideologe Alexander Dugin, ein eurasischer politischer Philosoph und Vertreter der Idee einer „russischen Welt“. Zunächst bezog sich diese Idee nur auf die Solidarität im Ausland lebender Russen mit ihrem Heimatland. Diese Werte haben sich jedoch im Laufe der Zeit radikalisiert. So soll Dugin nun dazu aufrufen, jegliche „bedrohlichen“ Werte des „kollektiven Westen“ strikt abzulehnen.

Der Philosoph ist dabei bereits seit Längerem bekannt. So versucht er bereits seit 2000 seine Ideologie voranzutreiben. Basierend auf der Ablehnung des Westens strebt er nach einer „Eurasischen Union“, ein Bund aus den ehemaligen Ländern der UdSSR. Mit diesem Bund wolle er sich Meduza zufolge gegen den Westen positionieren. Nach 2010 sank das Interesse im Kreml an ihm jedoch, da Dugin zunehmend als öffentliche Persönlichkeiten mit einem ultrakonservativen Randpublikum wahrgenommen wurde. Das hat sich nun geändert, wie die Insider gegenüber der Zeitung verrieten. „Heutzutage ist das Vokabular von Dugin in Putins Mund“, sagte einer der Quellen.

„Putins Gehirn“: Wie der Tod seiner Tochter Alexander Dugin zum Aufstieg verholf

Dass Putin lange Zeit kaum eine Ahnung von den ideologischen Ideen hatte und wenig Interesse daran zeigte, änderte sich demnach schlagartig mit der Ermordung von Dugins Tochter, Daria Duginas. Die junge Frau war eine politische Aktivistin, die den Ukraine-Krieg unterstützte. Am 20. August wurde sie Opfer eines Anschlags mit einer Autobombe. Der russische Präsident habe sich daraufhin „ernsthaft“ für den Philosophen interessiert und ihm eine Beileidsbekundung geschickt. Am 30. September habe Putin daraufhin das erste Mal Dugins Lieblingsbeleidigung „Die Angelsachsen“ benutzt. Die Bezeichnung bezieht sich auf die vermutete anglo-amerikanische Vorherrschaft im Westen.

Die Insider der Zeitung erklärten die Zuwendung Putins zu Dugin als eine direkte Folge von Duginas Tod. Ihre Ermordung sei dabei ausgenutzt worden, dem Präsidenten zu verdeutlichen, dass die westlichen Feinde die „Bewahrer der traditionellen Werte“ angreifen. Vor ihrem Tod habe sich der Einfluss des Philosophen sehr im Rahmen gehalten, vom Westen wäre er lange Zeit deshalb zu Unrecht als „Putins Gehirn“ bezeichnet worden. Heute dürfte der Name dafür umso mehr zutreffen. (nz)

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