Russlands Traumstrände halbleer: Wie die Ukraine den Urlaubs-Spaß an der Krim ruiniert hat
VonRobert Wagner
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Die Angriffe der Ukraine auf die Infrastruktur der Krim bringen den Tourismus auf der annektierten Halbinsel offenbar zum Erliegen.
Krim – Lange Zeit blieb die von Russland völkerrechtswidrig annektierte Krim bei den Russen trotz des seit eineinhalb Jahren wütenden Ukraine-Krieges ein beliebtes Urlaubsziel. Der Tourismus ist seit jeher ein zentraler Pfeiler der lokalen Wirtschaft auf der Halbinsel, auch wenn er seit der Annexion 2014 deutlich geschrumpft ist. Vor allem in den drei Sommermonaten ist die Krim stark vom Tourismus abhängig. Tausende von Arbeitsplätzen hängen von den Touristen ab, die mittlerweile fast ausschließlich aus Russland kommen.
Günstige Preise und staatliche Kampagnen, die in den ersten Jahren nach der Annexion für „patriotische Ferien“ auf der Krim warben, sorgten dafür, dass russische Touristen weiterhin die Schwarzmeer-Halbinsel besuchten und die Tourismus-Branche einigermaßen am Laufen hielten. Doch das scheint nun vorbei zu sein.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
In der zweiten Juli-Hälfte ist die Zahl russischer Touristen auf der Krim drastisch zurückgegangen. Das berichtet der staatliche US-Rundfunksender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL), der sein Zielpublikum in den ehemaligen Sowjetstaaten hat. Die Hotelbuchungen seien im Vergleich zu den ersten beiden Wochen des Monats um 45 Prozent zurückgegangen, schreibt RFE/RL unter Berufung auf die russische Tageszeitung Kommersant. Demnach liege die Hotelauslastung derzeit bei etwa 50 bis 60 Prozent.
Attackierte Krim-Brücke: Hauptroute für Touristen auf die Krim
Der Grund für diesen Exodus sollen mutmaßlich ukrainische Anschläge gegen die Infrastruktur auf der Halbinsel sein. Insbesondere der verheerende Angriff gegen die für Russland so wichtige Krim-Brücke über die Meerenge von Kertsch Mitte Juli scheint auch in den Köpfen der Touristen die Wende gebracht zu haben. Da der kommerzielle Luftverkehr von Russland auf die Krim wegen des Ukraine-Krieges eingestellt ist, war die 19 Kilometer lange und 2018 eröffnete Autobahn- und Schienenverbindung die Hauptroute für aus Russland kommende Reisende auf die Halbinsel.
Die nach Osten führende Krim-Brücke, auch Kertsch-Brücke genannt, ist die einzige Verkehrsverbindung zwischen dem russischen Festland und der besetzten Krim und damit auch von großer strategischer Bedeutung für Moskau. Westlichen Einschätzungen zufolge dient die Autobahn- und Schienenbrücke als Nachschubweg für das russische Militär auf der Halbinsel - ihre Zerstörung liegt damit im Interesse der Ukraine. Der Abriss der symbolträchtigen Brücke, die als Prestigeprojekt von Wladimir Putin gilt, gehört zu den ersten Dingen, die die Ukraine nach der Befreiung der Krim dort zu tun gedenkt.
Krim-Brücke nur noch teilweise befahrbar
In der Nacht zum 17. Juli kam es dann zu einem Angriff mit seegestützten Drohnen auf diese neuralgische Verbindung, mutmaßlich von Kiew ausgeführt. Die Brücke ist seitdem nur noch eingeschränkt nutzbar. Es war bereits der zweite Angriff auf die Krim-Brücke. Im Oktober 2022 kam es zu einem ersten Anschlag, als mutmaßlich ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen explodierte, woraufhin die Brücke monatelang gesperrt war. Zu diesem Anschlag bekannte sich Kiew erst Monate später.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, kündigt die Neutralisierung der Krim-Brücke von Kertsch an. Der Tourismus von Russland zur Krim würde dann wohl gänzlich zum Erliegen kommen.
Es war nicht der letzte Angriff auf die Infrastruktur zur besetzten Halbinsel. Erst am Sonntag (6. August) attackierte die Ukraine zwei andere Autobahnbrücken, die den Norden der Krim mit dem zur Ukraine gehörenden, aber von Russland besetzten Cherson verbinden. Russische Besatzungsbehörden sprachen von einem verletzten Zivilisten. Der Autoverkehr sei nur noch auf zwei Verbindungswegen zum Festland möglich. Außerdem sei die Fährverbindung zur Krim über die Straße von Kertsch kurzzeitig gesperrt gewesen.
Ukraine kündigt „Neutralisierung“ der Krim-Brücke an
Auch ein Munitionsdepot und ein Luftwaffenstützpunkt nahm die Ukraine auf der Krim unter anderem ins Visier und bombardierte diese. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte nach dem jüngsten Angriff auf die Krim-Brücke an, diese zentrale Verkehrsverbindung müsse „neutralisiert“ werden, wie RFE/RL berichtete. Es sind vermutlich diese Aussichten und die bereits erfolgten Zerstörungen, die nun immer mehr Russen davon abhalten, ihren nächsten Urlaub auf der Krim zu verbringen.
Die Touristen, die nach dem Angriff auf die Kertsch-Brücke die Krim verlassen wollten, konnten das nur eingeschränkt über die nur teilweise befahrbare Brücke tun. Wegen zunehmender Staus rieten die russischen Behörden ihnen sogar, die nördliche Route durch das von der russischen Armee kontrollierten Gebiete in der Ukraine zu nehmen - wo es zu Gefechten kommt. „Es gibt nicht sehr viele Länder auf der Welt, denen die eigenen Menschen derart egal sind“, kommentierte der von der Krim stammende ukrainische Journalist Denis Trubetskoy diese zynische Entscheidung der Russen auf Twitter.