Russland verstärkt Angriffe: Ukraine drohen Lieferengpässe
Russland greift die Ukraine verstärkt an. Währenddessen warnen Experten vor Lieferengpässen aus den USA. Die Hoffnung stützt sich auf der EU.
Kiew/Washington D.C. – Der Ukraine fehlen womöglich bald Waffen zur Luftverteidigung. Das berichtet die Financial Times (FT) unter Berufung auf westliche und ukrainische Regierungsvertreter. Schon seit Monaten sind die Lieferungen aus den USA immer unregelmäßiger und geringer als erwartetet. Grund ist eine Anweisung des Pentagon im Juni. Donald Trump pausierte die Waffenlieferungen. Beamte und Analysten warnten nun, dass die ukrainische Luftabwehr nicht mehr genug Material haben wird, wenn Moskau seine Raketen- und Drohnenangriffe weiter fortsetzt.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Die drohende Verknappung trifft die Ukraine in einer heiklen Phase: Russland hat seine Luftangriffe zuletzt verstärkt. Erst am Sonntag flog Moskau nach ukrainischen Angaben den größten Luftangriff seit Beginn des Krieges vor dreieinhalb Jahren – mehr als 800 Drohnen und 13 Raketen seien dabei eingesetzt worden. Vier Personen starben.
Ukraine-Krieg: Waffenlieferungen der USA stocken seit Juni
Zuvor hatte Elbridge Colby, ein hoher politischer Beamter im US-Verteidigungsministerium, ein Memo an US-Verteidigungsminister Pete Hegseth geschrieben. Laut der FT erkläre er darin, das US-Militär solle sich wieder stärker auf die wachsende Bedrohung durch China konzentrieren. Die Unterstützung der Ukraine belaste die ohnehin erschöpften Lagerbestände des Pentagons.
Waffenlieferungen an die Ukraine: Die USA verteidigen sich gegen Vorwürfe
Ein Beamter des Weißen Hauses sagte der FT: „Die Berichterstattung, dass wir ‚Kiew lebenswichtige Luftabwehrmunition vorenthalten‘, ist nachweislich falsch, und das Kriegsministerium arbeitet sehr bewusst daran, die Anforderungen der Ukraine zu unterstützen, auch im Hinblick auf die Luftabwehr.“
Der Beamte fügte hinzu, Präsident Donald Trump wolle „das Töten beenden“ und habe die USA angewiesen, „Waffen an NATO-Verbündete zu verkaufen, die das ersetzen können, was europäische Länder an die Ukraine liefern“ „Allerdings müssen auch die europäischen Länder mehr tun, unter anderem, indem sie den Kauf von russischem Öl einstellen und wirtschaftlichen Druck auf Länder ausüben, die den Krieg finanzieren.“
Angriffe Russlands auf die Ukraine werden sich weiter verstärken
Russland setzt die Ukraine militärisch immer mehr unter Druck. Im letzten Jahr haben die Drohnenangriffe stark zugenommen, durchschnittlich starteten laut der FT in diesem Sommer pro Monat mehr als 5.200 Drohnen in den Himmel. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich fortsetzen, warnen ukrainische Beamte und Analysten. Jeder dieser Angriffe zwang die Ukraine ihre wertvollen Ressourcen zu verbrauchen – schneller, als Lieferungen nachkommen.
Kiew warnt vor dem Winter: Russland wird voraussichtlich seine Angriffe auf die Energie- und Strominfrastruktur verstärken. Um sich dagegen weiterhin wirksam verteidigen zu können, braucht die Ukraine weiter Waffen-Lieferungen.
Russland-Ukraine Krieg: EU muss Lücken der USA stopfen
Die Hoffnungen dafür liegen auf der EU. Die europäischen Militärhilfen für die Ukraine erreichen in diesem Jahr voraussichtlich einen Rekordwert, das sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas heute am Dienstag (09. September) im Europäischen Parlament. Seit August kaufen EU-Staaten im Rahmen eines Deals mit den USA US-Waffen und leiten sie an die Ukraine weiter. Im Augst sind es laut Wolodymyr Seleskyj Waffen im Wert von zwei Milliarden Euro gewesen.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall kündigte am Montag an, der Ukraine zur Drohnenabwehr sein neues Luftverteidigungssystem Skyranger zu liefern. Vorstandschef Armin Papperger sagte dem ZDF-Magazin Wiso, der Vertrag werde am Mittwoch auf der Rüstungsmesse DSEI in London unterzeichnet. Papperger versprach: „In diesem Jahr werden die ersten noch geliefert.“ Offenbar handelt es sich um ein Geschäft in dreistelliger Millionenhöhe. Skyranger ist ein mobiles Flugabwehrsystem, das zur Drohnenabwehr auf Fahrzeuge montiert werden kann.
Koordinierte Russlandsanktionen der USA und der EU im Gespräch
Am Dienstag trifft sich außerdem die sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe, um über die weitere Unterstützung für die Ukraine zu beraten. Dabei geht es auch um mögliche Sicherheitsgarantien nach dem Krieg. Die Verteidigungsminister von rund 50 Ländern beraten sich im hybriden Format in London. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und seinem britischen Kollegen John Healey haben die Schirmherrschaft für das Treffen. Pistorius reist persönlich in die britische Hauptstadt, auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte ist vor Ort. Ergebnisse werden laut dpa gegen Abend erwartet.
Währenddessen gibt es Hoffnungen auf weitere gemeinsame Sanktionen der USA und der EU gegen Russland. Am Sonntag sagte Trump, er sei bereit für eine zweite Stufe von Sanktionen. „Ja, das bin ich“, antwortet er auf die entsprechende Frage eines Journalisten. Nach Angaben der EU-Kommission berät derzeit der Sanktionsbeauftragte David O’Sullivan in Washington mit einem Expertenteam über weitere Strafmaßnahmen. (Quellen: Financial Times, ZDF) (cdz)