Propaganda für Putin

TV-Gast im russischen Staatsfernsehen fordert: Armee soll Selenskyj und ukrainisches Parlament „liquidieren“

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Im russischen Staatsfernsehen wird munter gegen die Nato, Deutschland und nicht zuletzt gegen die Ukraine ausgeteilt. Diesmal geht es in drastischer Wortwahl um Präsident Selenskyj.

München/Moskau - Sie sind die TV-Stimmen von Moskau-Machthaber Wladimir Putin: Propagandisten im russischen Staatsfernsehen, die im Ukraine-Krieg wirre Thesen aufstellen und damit helfen sollen, in der Bevölkerung den russischen Einmarsch beim westlichen Nachbarn zu rechtfertigen. Und: Sie erreichen viele in dem riesigen Land mit seinen 144 Millionen Einwohnern.

Wladimir Putin: Seine TV-Hetzer teilen gegen den Westen und die Ukraine aus

Allen voran tut das der russische Journalist und Putins TV-Hetzer Nummer eins Wladimir Solowjow. Nur ein Beispiel: In einer Sendung wetterte er im Juni gegen Kanzler Olaf Scholz (SPD) sowie den deutschen Luftwaffen-Chef Generalleutnant Ingo Gerhartz und fragte nach der „Luftabwehr von Berlin“. Bei seinen Hetztiraden ist er indes nicht allein. Ganze Sendungen drehen sich darum, die Ukraine und den Westen in ein schlechtes Licht zu rücken.

Jetzt folgte das nächste Beispiel - in besonders drastischer Wortwahl. Darüber berichtet bei Twitter Julia Davis, eine Journalistin und Kolumnistin für das Online-Portal The Daily Beast. Sie gründete bei Social Media einen sogenannten „Russian Media Monitor“, der die „Propaganda“ im staatlich gelenkten russischen TV abbilden soll.

An der Front: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mi.) besuchte Ende Mai nahe Charkiw Truppen.

Putins Sprecher Dmitri Peskow behauptete, Russlands Krieg richte sich nicht gegen das ukrainische Volk, sondern gegen dessen Regierung“, schrieb Davis in ihrem Tweet: „Propagandisten im staatlichen Fernsehen setzten diesen Gedankengang fort und forderten das russische Militär auf, die gesamte ukrainische Regierung, einschließlich Präsident Selenskyj, zu töten.“ Zum Tweet postete sie einen Zusammenschnitt aus einer Sendung mit dem Politikwissenschaftler Mikhail Markelow.

Wolodymyr Selenskyj: Russischer TV-Gast fordert Tod des ukrainischen Präsidenten

Dieser forderte öffentlich nichts weniger als den Tod des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Und nicht nur von ihm. „Selenskyj wird niemals eine Kapitulation auch nur in irgendeiner Weise unterschreiben. So viel ist klar. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, die Nazi-Führerschaft dieses Landes zu liquidieren“, meint Markelow: „Nicht nur Selenskyj und seinen inneren Zirkel, sondern die gesamte Werchowna Rada (das Parlament der Ukraine, d. Red.). Und die Regierung, die totalen Völkermord am eigenen Volk begeht. Das sollte unser Ziel Nummer eins sein, so wie Terroristen das Hauptziel für Israel sind. Sie haben sie überall in der Welt zerstört.“

Zur Einordnung: Angeblicher Genozid an den prorussischen Separatisten sowie der Vergleich mit den Nazis sind viel bemühte Stilmittel der Propagandisten, die sich von Seiten des Westens bislang nicht verifizieren ließen. Markelow, der mit seiner Auslegung wesentlichen handwerklichen Kriterien der Wissenschaft widerspricht, redete sich im Staatsfernsehen mit lauter Stimme regelrecht in Rage.

Wladimir Putin: Russischer TV-Journalistin will Ukrainer nach Polen schicken

„Das ist der Weg, wie wir kriminelle Nazis zerstören sollten. Es nützt nichts, sie vor Gericht zu bringen und sie in der ganzen Ukraine zu jagen. Unser Ziel ist es, dieses Land von den Nazis zu befreien und ein normales, friedliches Leben dort zu ermöglichen“, sagte er laut der Übersetzung von Davis: „Heutzutage kämpft niemand für die Ukraine, es gibt diese Leute nicht. Selbst das normale Volk sieht das, ein leider zerfallenes Land, das von einem unzureichenden Regime regiert wird.“

Als Markelow offensichtlich nicht mehr zu bremsen war, fiel ihm die Moderatorin ins Wort - und stellte selbst eine wirre These auf. „Wir werden es (das Land Ukraine, d. Red.) zusammenflicken, diejenigen medizinisch behandeln, die Hilfe bekommen sollten“, meinte sie gemäß der Übersetzung: „Und der Rest von ihnen soll in Polen leben.“ (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Xinhua

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