Tiktok-Trend #sadgirlwalk kickt rein, wenn du dich „nach einer Therapie-Sitzung so richtig scheiße fühlst“

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Tiktok ist voller trauriger Videos zu #cryingmakeup und #sadgirlwalk.
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Auf Tiktok posten junge Frauen unter #sadgirlwalk ihre traurigen Spaziergänge. Oder erklären unter #cryingmakeup, wie man sich verheulte Augen schminkt. Was ist los mit Gen Z?

Die Generation Z ist die unglücklichste Generation Deutschlands. Das zeigt sich auch bei den aktuellen Tiktok-Trends. Unter dem Hashtag #sadgirlwalk zeigen Tiktokerinnen, wie sie traurig durch die Straßen laufen. Unter #cryingmakeup posten sie Make-up-Tipps, um so auszusehen, als hätte man gerade geweint.

@oatmilkleader

♬ nothing new taylor swift phoebe bridgers - chels

„Ich denke darüber nach, wie schnell ich erwachsen geworden bin, auch wenn ich mich immer noch wie ein Kind fühle“, schreibt die Tiktokerin @oatmilkleader in ihrem #sadgirlwalk-Video. Im Hintergrund der Videos läuft ein Song von Taylor Swift. Neben Musik von Phoebe Bridgers, Girl in Red und anderen Indie-Musikerinnen ist ihr neues Albums besonders oft zu hören. Es sind langsame, melancholische Lieder.

Weil Taylor Swift in ihrem Video zu dem Song „Anti-Hero“ eine Fett-Waage zeigte, wurde sie scharf kritisiert.

Tiktok-Trend #sadgirlwalk statt #hotgirlwalk – Spaziergänge gegen die Depression

Der #sadgirlwalk ist eine Gegenbewegung zum #hotgirlwalk. Das wird in einem Video der Tiktokerin @carryonwithcarson deutlich. Beim #hotgirlwalk zeigen sich junge Frauen, wie sie besonders sexy durch die Straßen laufen. Das Ziel ist, hübsch auszusehen und abzunehmen. Beim #sadgirlwalk geht es darum, etwas für seine eigene mentale Gesundheit und gegen mögliche Depressionen zu tun.

Seit ihre Eltern nicht mehr leben, geht @carryonwithcarson oft spazieren, wie sie erzählt. Für sie seien die Spaziergänge eine Art Meditation, „um von meinen Gedanken loszukommen“. Ihr Therapeut habe ihr die Spaziergänge empfohlen.

@carryonwithcarson what are you trying to do to manage your grief? #griefjourney #sadgirlwalk #hotgirlwalk #grief ♬ original sound - carson

Über die Motivation für ihren #sadgirlwalk schreibt auch die TikTokerin @pupusaqueen.celia: „Wie kann man sich nach einer Therapie-Sitzung eigentlich nicht so richtig scheiße fühlen? Lol“. Diese Studie zeigt, in welchem Alter junge Menschen Depressionen bekommen.

@pupusaqueen.celia my inner child holds back the tears during therapy bc crying was not allowed as a kid lol #therapy #lol #lolforcopingmechanism #therapytok #myfavalleyinmontreal #sadgirlwalk ♬ we fell in love in october - girl in red

Tutorials für „Crying Makeup“ auf Tiktok

Mehrere Tiktokerinnen posten Tutorials für „crying makeup“. In den Videos schminken sie sich aufgequollene Wangen und tränende Augen. „Dieses Video ist für emotional nicht stabilen Mädchen“, sagt die Tiktokerin @zoekimkenealy, bevor sie mit dem Schminken anfängt. „Ihr wisst, dass wir gut aussehen, wenn wir weinen“. Im Gegensatz zum #sadgirlwalk scheint es bei dem #cryingmakeup-Trend keinen Mental-Health-Hintergrund zu geben.

@zoekimkenealy #greenscreen crying makeup look tutorial 😅 Can I go as a crying person for Halloween or is that not a thing #cryingmakeup #tearmakeup #cryingeyes #makeupforhalloween ♬ Show Me How (Album V) - Men I Trust

Warum zeigen sich junge Menschen auf Tiktok so traurig?

Vielen Tiktokerinnen geht es lediglich darum, traurig auszusehen. Was zunächst nach reinem Glorifizieren von Traurigkeit aussieht, kann jedoch eine Lebenseinstellung der Gen Z widerspiegeln.

Die Gen Z sorgt sich wie keine Generation vor ihr um ihre Existenz. Alle großen Bewegungen, um die Klimakrise zu stoppen, wurden von jungen Menschen ins Leben gerufen: Fridays For Future und Letzte Generation. Auch der Ukraine-Krieg und die Inflation macht den 14- bis 29-Jährigen laut einer Umfrage der Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann zu schaffen. Jeder fünfte junge Mensch hat demnach Schulden. Dieser Weltschmerz – die Sorge um die mögliche Zukunft – könnte mit der aktuellen Traurigkeit auf Tiktok zusammenhängen.

Die Videos zu #sadgirlwalk und #cryingmakeup posten junge Frauen auf Tiktok. Das Abstruse: Gerade Social Media ist ein Ort, der für die mentale Gesundheit nicht besonders förderlich ist. Verschiedene Studien zeigen, dass eine hohe Nutzung von TikTok, Snapchat und Co depressiv macht. Hinzukommt, dass die Gen Z besonders viel auf Social Media unterwegs ist – sie leben quasi auf Tiktok, Instagram und BeReal.

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