Die Linke

Jan Korte über Wagenknecht-Austritt: „Wir müssen die Krise zur Chance machen“

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Ein Linken-Politiker sieht im Abgang der Wagenknecht-Gruppe eine Möglichkeit für die Erneuerung der Partei Die Linke. Interview mit Jan Korte.

Herr Korte, hatten Sie denn schon persönlichen Kontakt zu den zehn Abgeordneten Ihrer Bundestagsfraktion, die aus der Partei ausgetreten sind?

Nein. In den letzten Monaten gab es etliche Gespräche. Sowohl aus der Fraktion, der Partei und auch von mir gab es etliche Versuche, Sahra Wagenknecht und ihre Leute einzubinden und in der Partei zu halten. Sie haben sich dennoch anders entschieden. Ich halte das in der gesellschaftlichen Situation, in der wir sind, politisch für katastrophal. Aber das wissen die auch, ohne dass ich es ihnen sage. Ein Kontakt interessiert mich auch nur insoweit, wie wir das Bestmögliche für die Beschäftigten unserer Fraktion und deren Familien hinbekommen.

Linken-Politiker rügt Wagenknechts Parteigründung: „Fraktion bereits gebrochen“

Dann sieht es eher so aus, als blieben die zehn Abtrünnigen erst mal in der Fraktion, damit die nicht zu schnell zerbricht und abgewickelt werden muss?

Politisch haben Sahra Wagenknecht und ihre Leute mit dieser Fraktion bereits gebrochen, was jetzt noch zu tun ist, sind Formalitäten.

Sahra Wagenknecht und ihre neun Mitstreiter:innen wollen ja ihre Mandate behalten. Bei Klaus Ernst geht es sogar um den Ausschussvorsitz, den einzigen, den die Linke im Bundestag hat. Bleibt das jetzt erst mal so?

Nein, das geht natürlich nicht. Aber ich bin auch nicht so naiv, ihnen den Anstand zu unterstellen, die Mandate zurückzugeben. In aller Deutlichkeit: Keiner von denen, die die Partei jetzt verlassen haben, sitzt wegen der eigenen Genialität im Parlament. Diese Leute sowie alle anderen Abgeordneten sind gewählt worden aufgrund des Wahlkampfes, den die Partei Die Linke mit ihnen und für sie gemacht hat – und wegen drei Menschen, nämlich Gesine Lötzsch, Gregor Gysi und Sören Pellmann, die mit ihren direkt gewonnenen Mandaten die Fraktion erst ermöglicht haben. Wenn jemand eine dicke Backe machen darf, dann die. Sonst keiner!

Vermarkten kann sie sich: Sahra Wagenknecht gibt Interviews zur Gründung ihrer neuen Bewegung.

Bei der Vorstellung ihres Vereins hat Sahra Wagenknecht um Fairness beim Umgang gebeten, auch gegenüber den Medien. Was sagen Sie dazu?

Dass ausgerechnet sie das sagt, ist lächerlich. Sahra Wagenknecht saß in den letzten Jahren wie festgeklebt in allen Talkshows in Deutschland, bei Markus Lanz, Anne Will, Maybrit Illner. Ich saß da noch nicht – wenn sich jemand beschweren darf, dann ja wohl ich.

Dafür aber Klaus Ernst, der auch ausgetreten ist. Er ist gleichzeitig der einzige Ausschussvorsitzende im Deutschen Bundestag, den die Linke hat. Kann er das bleiben?

Aufgrund der Zählweise am Anfang der Legislaturperiode hat die Fraktion den Zugriff auf den Ausschussvorsitz bekommen. Die Fraktion, nicht Klaus Ernst. Dieses Randproblem werden wir in den nächsten Tagen lösen. Und es ist im Moment auch mein geringstes Problem.

„Die Linke zu sichern“ ist laut linken-Politiker Korte die größte Herausforderung

Was ist Ihr drängendstes?

Die größte Herausforderung ist es, die Existenz der Partei Die Linke zu sichern, denn das sage ich auch als Politikwissenschaftler: Dass es seit 1990 eine Partei links der Sozialdemokratie gibt, ist historisch hart erkämpft worden. Das wurde jetzt innerhalb der Organisation zerstört und aufgekündigt. Was alle Konservativen oder rechte Medien nicht geschafft haben, wird jetzt von eigenen Leuten erledigt. Das ist eine schlimme Entwicklung. Aber gleichzeitig ist es jetzt endlich auch ein Ende dieses lähmenden Konfliktes, und da ist es unsere Aufgabe, einen neuen Aufbruch und eine rundum erneuerte Partei hinzubekommen. Das ist jetzt auch eine Chance. Eine kleine, aber es gilt, sie zu nutzen.

Es gibt nun auch Gerüchte, wonach die Fraktion nicht in zwei, sondern in gleich drei Gruppen zerfallen könnte. Was hören Sie da?

Hören tut man immer viel. Ich meine, dass wir alle, die bleiben und Interesse an einer starken Linken haben, in Ruhe miteinander ins Gespräch kommen müssen. Es gibt jetzt die Chance, wo die Wagenknechte weg sind, die offenen Fragen zu klären, die aufgrund dieses lähmenden Konfliktes und des absurden Personenkults um Sahra Wagenknecht in den Hintergrund geraten sind. Was für eine Partei wollen wir, was für eine Sprache wollen wir sprechen, wie soll die politische Ausrichtung sein? Wie gehen wir damit um, dass wir tolle junge Genossinnen und Genossen in den letzten Jahren gewonnen haben, gleichzeitig aber viele unserer Stammwähler verloren haben? Ich hoffe, dass wir das jetzt vernünftig diskutieren können. Letztendlich müssen wir für Die Linke einen inneren und äußeren Neustart herbeiführen.

Die Legislaturperiode ist erst halb um und die Frage ist, ob sich die linke Opposition im Parlament gegenseitig lähmt. Glauben Sie, dass man angesichts dieser Gefahr mit der Gruppe, die sich abgespaltet, im Parlament trotzdem noch bedingt zusammenarbeiten kann?

Keine Ahnung! Es sind ja Wagenknecht und ihre Leute, die die Zusammenarbeit mit der Partei, für die sie in den Bundestag gewählt wurden, aufgekündigt haben. Im Moment ist die politische Mitte, das kann man ja sehr genau im Bundestag ablesen, auf der Position der AfD von 2016. Es gibt gerade beim Stichwort Migration einen Überbietungswettbewerb an Bösartigkeit. Ich suche eher politische Partner, die bei der Verrohung dieses Diskurses nicht mitmachen.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Die nächste Fraktionssitzung ist am 7. November. Werden da jetzt alle eingeladen oder sind dann sind die zehn Abgeordneten um Sahra Wagenknecht ausgeladen?

Dass eine Fraktion von innen zerstört wird, ist kein Standardfall, deshalb kann ich Ihnen das derzeit gar nicht sagen. Wir werden darüber jetzt in enger Zusammenarbeit zwischen der Fraktionsführung und der Parteiführung beraten. Eigentlich stellt sich die Frage eh nicht, weil sie üblicherweise sowieso nicht kommen.

Korte will nicht Geschäftsführer bleiben – Erfolgschancen der Wagenknecht-Partei „schwer einzuschätzen“

Dietmar Bartsch bleibt Fraktionsvorsitzender, solange es die Fraktion gibt. Bleiben Sie Parlamentarischer Geschäftsführer?

Nein, ich bleibe nicht PGF. Ich bin ja in der leicht kafkaesken Situation, dass ich bereits im März erklärt habe, nicht mehr als erster PGF zur Verfügung zu stehen und es trotzdem immer noch bin, was ja ein bizarrer Zustand ist. Ich werde aber meine Kraft in den nächsten Wochen dafür einsetzen, deutlich zu machen, warum wir eine starke Linke brauchen. Ich werde für eine Erneuerung der Linken kämpfen und daran mitwirken, den Neustart hinzubekommen. Das ist die jetzt letzte Chance, die wir haben, und wir werden sie nutzen. Wenn Wagenknecht mit ihrem Austritt definitiv etwas erreicht hat, dann dass wir eine enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen bei denjenigen haben, die Interesse in einer starken Linken in Deutschland haben.

Was heißt das konkret?

Das heißt konkret, dass wir vernünftig und wohlwollend miteinander reden, in Bundespartei und Bundestag, aber auch länderübergreifend. Dass wir wieder einen gemeinsamen Konsens und ein gemeinsames Zentrum finden, das Konflikte lösen kann und die verschiedenen Interessengruppen zusammenführt. Es dürfen keine Gräben mehr gegraben werden, das sage ich auch durchaus selbstkritisch. Wie gesagt, dann können wir die Krise zur Chance machen.

Wie bewerten Sie die Erfolgschancen der neuen Partei um Sahra Wagenknecht?

Das kann man heute in diesen schnelllebigen Zeiten schwer einschätzen. Aber eines ist schon bemerkenswert: Sie sagen, sie wollen bei den ostdeutschen Landtagswahlen antreten und sehen, dass es in Thüringen auf einen Zweikampf zwischen Bodo Ramelow und dem Faschisten Björn Höcke hinausläuft. Bei so einer Entscheidung nicht den Genossen Bodo Ramelow zu unterstützen, darauf muss man erstmal kommen. Zweitens wollen sie eine angeblich starke Sozialpolitik mit einer konservativen Gesellschaftspolitik koppeln. Das behauptet die CSU von sich auch. Links ist das ja eher nicht. Drittens fühlen sich in diesem Land relevante Teile der Bevölkerung allein gelassen mit ihren Problemen, sie werden von der Ampel völlig ignoriert. Die Annahme, dass die Antwort auf eine Gesellschaft der unfreiwilligen Einzelkämpfer ausgerechnet ein Ego-Projekt sein soll, ist absurd. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir als neu formierte Linke, die für das das Verbindende, die Solidarität miteinander und für einen starken Sozialstaat steht, erfolgreich sein werden.

Jan Korte ist seit 2017 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion Die Linke im Bundestag. Dem Bundesvorstand seiner Partei gehört er seit 2007 an.

Rubriklistenbild: © Metodi Popow/imago (Archivbild)

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