Putin-Vertrauter Medwedew poltert: „Deutschland bereitet Krieg gegen Russland vor“
VonChristoph Gschoßmann
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Die Abhör-Affäre bei der Bundeswehr schlägt auch in Russland große Wellen. Dmitri Medwedew geht zum Angriff über und beleidigt Olaf Scholz.
Moskau – Deutschland unterstützt in Russlands Angriffskrieg die Ukraine. Einen direkten Konflikt mit Moskau soll es laut Bundeskanzler Olaf Scholz nicht geben. Es sollen keine deutschen Soldaten in die Ukraine entsendet werden. Dmitri Medwedew aber sieht die deutschen Pläne anders, und die Taurus-Abhör-Affäre spielt dabei eine große Rolle.
Medwedew über Deutschland: „Böswillige Lügen“
Nach der Veröffentlichung eines abgehörten Gesprächs von Bundeswehr-Offizieren über den Marschflugkörper Taurus hat der ehemalige russische Präsident Berlin vorgeworfen, sich auf einen Krieg mit Moskau vorzubereiten.
Versuche, das Gespräch der Bundeswehr-Offiziere als ein bloßes Gedankenspiel über Raketen und Panzer darzustellen, seien „böswillige Lügen“, schrieb der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats am Sonntag (3. März) im Online-Dienst Telegram. „Deutschland bereitet sich auf einen Krieg mit Russland vor.“
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Taurus-Abhör-Affäre für Medwedew ein Zeichen für deutsche Kriegs-Planungen
Die Abhör-Affäre begann am Freitag (1. März). Seitdem kursiert ein rund 38 Minuten langer Mitschnitt, in dem ein Gespräch zwischen vier deutschen Offizieren zu hören sein soll. Verbreitet wurde die Aufnahme von der Chefredakteurin des früher als Russia Today bekannten russischen Staatssenders RT, Margarita Simonjan, auf Telegram.
In dem Gespräch geht es um einen möglichen Einsatz von deutschen Taurus-Marschflugkörpern, die eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben, durch ukrainische Streitkräfte und deren mögliche Auswirkungen.
Putin-Verbündeter Medwedew nennt Scholz einen „Leberwurst-Kanzler“
Es sei zwar nicht klar, ob die „politische Führung“ und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über die Gespräche der Offiziere informiert gewesen seien, schrieb Russlands Ex-Präsident Medwedew und schmähte Scholz als „Leberwurst-Kanzler“. Die Geschichte kenne jedoch viele Beispiele dafür, dass Militärs Kriege „anzetteln oder provozieren“ könnten.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat indes zu Besonnenheit und Geschlossenheit in der Taurus-Affäre aufgerufen. Niemand glaube, dass die Veröffentlichung des Mitschnitts eines Gesprächs von Bundeswehr-Offizieren über Taurus-Marschflugkörper für die Ukraine ein Zufall gewesen sei, sagte Pistorius am Sonntag in Berlin. „Hier geht es eindeutig darum, unsere Geschlossenheit zu untergraben. Es geht darum, unsere Innenpolitik auseinander zu treiben.“
Die deutsche Politik dürfe nicht den Fehler machen, Putin auf den Leim zu gehen, warnte Pistorius. „Es ist Teil eines Informationskrieges, den Putin führt.“ (cgsc mit afp und dpa)