Exklusives Merkur-Interview

Scholz-Klartext zu Atomkraft und Ukraine-Kritik: „Würde in eine Katastrophe führen“

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Der Atomausstieg sei lange beschlossen, betont Kanzler Olaf Scholz (SPD). Wenn eine Laufzeitverlängerung „problemlos“ möglich wäre, würde sich aber aktuell „wohl kaum jemand dagegen stellen“.

Berlin - Er kommt fast direkt aus Kiew, hat zwei kurze Nächte im ratternden Zug in den Knochen, nur noch schnell geduscht. Und doch wirkt Olaf Scholz hochkonzentriert. Der Kanzler schaut die Fragesteller fest an, antwortet überlegt, druckreif, manchmal nach wenigen Sekunden Pause, nippt zwischendurch am Tee. Wir treffen ihn am Freitagmittag zum ausführlichen Interview mit dem Münchner Merkur in seinem Büro im siebten Stock des Kanzleramts. Eine Stunde ist angesetzt. Keine Eile, keine Hektik. Am Ende nur ein dezenter Hinweis des Regierungssprechers: Man müsse allmählich zum Ende kommen – US-Präsident Joe Biden warte in einer Videoschalte.

Politiker, die in der Ukraine waren, sagen hinterher oft, dass sich der Besuch ihren Blick gewandelt habe. Sie kommen gerade aus Kiew. Wie ist das bei Ihnen nach Ihrer Reise an den Kriegsschauplatz?
Die gewaltige Zerstörung in Irpin zu sehen, wenige Kilometer vor den Toren Kiews – das zerreißt einem das Herz. Die russischen Truppen sind dort mit äußerster militärischer Gewalt vorgegangen, haben Wohnblocks zerstört und Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt. Ich habe Autos gesehen, in denen Familien erschossen wurden, die sich nur in Sicherheit bringen wollten. Und solche Brutalität findet überall in der Ukraine statt, ganz besonders im Osten des Landes. Das ist bedrückend.
Direkt nach Ihrer Ankunft gab es Luftalarm. Hatten auch Sie in diesem Moment Angst?
Nein. Aber es hat mir gezeigt, wie sich der Alltag für die Menschen in Kiew anfühlt. Jeden Moment kann irgendwo in der Stadt eine Rakete in ein Wohnviertel einschlagen.
Ihr Mantra: Die Ukraine darf nicht verlieren. Soll die Ukraine gewinnen, wie Ihre Außenministerin Annalena Baerbock sagt?
Die Ukraine muss ihre Integrität und Souveränität verteidigen können. Genau darum geht es jetzt. Russland muss den Krieg sofort beenden und seine Truppen zurückziehen. Es ist klar, dass ein Diktatfrieden nach Putins Gnaden inakzeptabel ist. Deutschland unterstützt, wie viele andere Länder, die Ukraine nach Kräften. Finanziell, indem wir viel Geld geben. Humanitär, indem wir Verletzte behandeln und mehr als 800.000 Geflüchtete in Deutschland aufgenommen haben. Und militärisch, mit der Lieferung von Waffen und Munition. Und wir haben in Europa gemeinsam sechs sehr scharfe Sanktionspakete gegen Russland erlassen. Die halten wir durch, so lange es nötig ist.
Trotzdem konzentriert sich die Debatte auf Panzer. Die Industrie sagt, es stünden 30 Marder-Schützenpanzer bereit. Erlauben Sie jetzt den Export?
In meinem Gespräch in Kiew hat der Präsident klar geschildert, was er jetzt braucht: Es geht um schwere Artillerie, um Flugabwehrsysteme und um Schutz vor Raketenschlägen. Und genau das liefert Deutschland. Aktuell läuft die Ausbildung ukrainischer Soldaten an dem modernsten und effektivsten System – der Panzerhaubitze 2000. Ein Dutzend dieser Geräte liefern wir gemeinsam mit den Niederlanden. Und die Ausbildung am Flugabwehr-Panzer Gepard läuft an, und dann können sie in der Ukraine eingesetzt werden. Gemeinsam mit den USA und Großbritannien liefern wir darüber hinaus moderne Mehrfach-Raketenwerfer, die dringend benötigt werden. Und das moderne Flugabwehrsystem Iris-T. Sie sehen – wir liefern das, was gebraucht wird und hilft. Und wir bewegen uns damit auf einer Linie mit unseren wichtigsten und engsten Verbündeten.

Scholz im Ukraine-Interview: Mir ist bewusst, dass ich Kritik aushalten muss

v.l.: Georg Anastasiadis und Christian Deutschländer im Gespräch mit Olaf Scholz im Bundeskanzleramt
Dennoch gibt es Vorwürfe. Die Ukrainer nennen es bitter „scholzen“, wenn einer was verspricht und nicht liefert. Trifft Sie das?
Vieles, was gerade hierzulande gesagt wird, ist einfach nicht wahr. Und manche unterschätzen die Komplexität der Angelegenheit. Wenn wir modernste Waffensysteme wie Panzerhaubitzen oder komplexe Flugabwehrsysteme liefern, müssen die Soldaten dafür auch gut ausgebildet werden, sonst sind diese Waffen unwirksam. Und für einige Systeme muss die passende Munition organisiert werden. Wer glaubt, Kriegswaffen wären verfügbar wie Autos beim Händler, der irrt. Mir ist bewusst, dass ich Kritik aushalten muss. Ich lasse mich aber nicht von einem besonnenen Kurs abbringen.
Können Sie uns Deutschen versprechen: Unter meiner Führung wird es keinen Krieg in Deutschland geben – ich halte uns raus?
Von Anfang an habe ich sehr klar gesagt: Wir werden die Ukraine unterstützen. Dafür habe ich mit einer jahrzehntelangen Regel gebrochen und lasse erstmals Waffen in großem Umfang in ein solches Kriegsgebiet liefern. Gleichzeitig, und auch das stand von Beginn an fest, tun wir mit unseren Verbündeten alles, um eine Eskalation hin zu einem Krieg zwischen Russland und der Nato zu vermeiden – denn das würde in eine Katastrophe führen. Deswegen haben wir im März alle den Wunsch der Ukraine abgelehnt, eine Flugverbotszone durchzusetzen. Das hätte eine unmittelbare Kriegsbeteiligung der Nato bedeutet.
Sie bieten der Ukraine eine EU-Perspektive. Putin aber betrachtet EU wie Nato als feindselige Bündnisse, zumindest bisher. Wird er je eine ukrainische EU-Annäherung akzeptieren?
Die EU ist kein Militärbündnis...
...aber steht sich untereinander bei.
Zur Verteidigung haben wir uns in der Nato zusammengefunden. Die Nato ist keine Bedrohung für Russland, und die Europäische Union schon gar nicht. Der russische Präsident muss akzeptieren, dass in seiner Nachbarschaft eine Gemeinschaft von Demokratien und Rechtsstaaten immer enger zusammenwächst. Putin scheint Angst davor zu haben, dass der Funke der Demokratie auf sein Land überspringen könnte. Deshalb betreibt er seit Jahren eine Politik, die eine Auflösung von Nato und EU zum Ziel hat. Er will ein gespaltenes Europa und zurück zu einer Politik der Einflusszonen. Das wird ihm nicht gelingen.
Putin dreht uns bereits den Gashahn zu. Glauben Sie Moskaus Begründung, dass wegen Sanktionen Ersatzteile fehlen?
Diese Begründung ist nicht plausibel.

Deshalb hilft uns die Atomkraft jetzt nicht weiter, nicht in den beiden nächsten Jahren, auf die es ankommt.

Kanzler Olaf Scholz (SPD)

Scholz im Interview zur Atomkraft: „Halte mich mit der Frage nicht lange auf“

Sie haben im Bundestag eine Zeitenwende ausgerufen. Gehört dazu nicht auch, die verbliebenen AKWs noch länger laufen zu lassen, um nicht knappes und kostbares Gas verstromen zu müssen?
Die Fachleute sagen uns: Das wird nicht funktionieren. Der Atomausstieg ist lange beschlossen, die Brennelemente und nötigen Wartungsintervalle der Anlagen sind genau auf den Ausstieg abgestimmt worden. Die Brennstäbe reichen bis Jahresende. Neue Brennstäbe zu besorgen, dauert nach diesen Aussagen zwölf bis 18 Monate. Mindestens. Deshalb hilft uns die Atomkraft jetzt nicht weiter, nicht in den beiden nächsten Jahren, auf die es ankommt.
Sie haben also kein ideologisches Problem mit AKWs, sondern ein praktisches?
Ich befürworte den Ausstieg aus der Atomenergie aus vollem Herzen. Gleichwohl: Wenn es problemlos möglich wäre, die Laufzeit um ein oder zwei Jahre zu verlängern, würde sich jetzt wohl kaum jemand dagegen stellen. Da das aber offenbar nicht möglich ist, halte ich mich mit der Frage nicht lange auf.
Die CSU sagt: wenigstens bis 2024. Wir hören heute kein kategorisches Nein?
Die Argumente der Fachleute, die gegen eine Verlängerung sprechen, sind bisher nirgends widerlegt worden.
Diese Energie-Abhängigkeit hat ja Gründe – eine falsche Einschätzung Russlands. Ihr Parteifreund Sigmar Gabriel hat sich für das „größte Scheitern der deutschen Außenpolitik“ entschuldigt. Hat er Recht? Und müsste nicht auch die frühere Kanzlerin Merkel Fehler eingestehen?
Die frühere Kanzlerin hat sich dazu ja gerade zu Wort gemeldet. Ich habe in der Vergangenheit stets deutlich gemacht, dass Russland eine Europäische Union akzeptieren muss, die immer stärker zusammenrückt, und sich auch von der Nato nicht bedroht fühlen sollte. Mit Blick auf die Energie muss man feststellen, dass der Fehler nicht so sehr darin lag, Erdgas, Erdöl und Kohle aus Russland zu beziehen. Sondern darin, nicht für den Fall der Fälle vorzusorgen. Als Hamburger Bürgermeister habe ich massiv dafür geworben, Flüssiggas-Terminals an der norddeutschen Küste zu bauen. Leider ohne ausreichende Unterstützung. Jetzt bauen wir diese Terminals mit größtem Einsatz, um alternative Lieferwege zu etablieren.

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt. © BULENT KILIC/afp
Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus. © Aris Messinis/afp
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine. © Sergei Malgavko/dpa
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet. © Sergei Mikhailichenko/afp
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin. © Andrej Ivanov/afp
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion.
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion. © Facebook/afp
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden.
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden. © Daniel Leal/afp
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen.
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen. © Daniel Leal/afp
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen.
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. © Nikolay Doychinov/afp
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland.
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland. © Aris Messinis/afp
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg.
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg. © Fadel Senna/afp
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke.
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke. © Aris Messinis/afp
Mitten Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland.
Mitten im Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland. © Genya Savilov/afp
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland.
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland. © Michael Kappeler/dpa
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen.
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen. © Sergej Supinsky/afp
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen.
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen. © Aris Messinis/afp
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen.
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen. © Aris Messinis/afp
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind.
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind. © Aris Messinis/afp
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest.
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest. © Alexander Nemenov/afp
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes.
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes. © Yasuyoshi Chiba/afp
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben.
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben. © dpa
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol.
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol. © Dmytro ‚Orest‘ Kozatskyi/afp
Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz in der Bundeswehr.
Am 21. Juni treffen die ersten schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine ein. Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz der Bundeswehr. Sie sieht aus wie ein riesiger Kampfpanzer und kann Ziele in 40 Kilometern Entfernung treffen.  © Sven Eckelkamp/Imago
bombardiert die russische Luftwaffe ein Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk
Am 27. Juni bombardiert Russland ein Einkaufszentrum im 100 Kilometer von der Frontlinie entfernten Krementschuk. Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden sich laut ukrainischen Angaben etwa 1000 Menschen in dem Gebäude, mindestens achtzehn Menschen werden getötet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnet die Attacke als „absoluten Horror“.  © STR/afp
Dieses Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt einen Überblick über die Schlangeninsel im Schwarzen Meer.
Nach wiederholten ukrainischen Angriffen zieht sich das russische Militär Ende Juni von der Schlangeninsel südlich von Odessa zurück. Russland spricht von einem „Zeichen des guten Willens“. Die Die Ukraine feiert die Rückeroberung dagegen als Sieg. „KABOOM! Keine russischen Truppen mehr auf der Schlangeninsel“, schreibt der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, auf Twitter. „Unsere Streitkräfte haben großartige Arbeit geleistet.“ © dpa
In der Nacht auf den 29. Juli brannte nach einer Explosion ein Gefängnis in Oleniwka, in der von pro-russischen Separatisten besetzten Donezk-Region, aus.
In der Nacht auf den 29. Juli kommen bei einem Angriff auf ein Gefängnis in Oleniwka in der Donezk-Region Dutzende ukrainische Kriegsgefangene ums Leben. Der ukrainische Generalstab beschuldigt Russland, damit Folter von Gefangenen und Hinrichtungen verschleiern zu wollen. Prorussische Separatisten hingegen bezichtigten die Ukraine, für den Angriff verantwortlich zu sein © afp
Auf dem Gelände des Militärflugplatzes Saki nahe Nowofjodorowka kommt es zu heftigen Explosionen.
Am 9. August erschüttern mehrere Explosionen eine russische Luftwaffenbasis auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim. Mehrere Flugzeuge werden zerstört. Eine Woche später detoniert auf der Krim ein russisches Munitionslager. Rusland spricht von einem „Sabotageakt“. © dpa
Dieses Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt das von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk Saporischschja.
Das Atomkraftwerk Saporischschja ist schwer umkämpft. Das Artilleriefeuer lässt international die Angst vor einer Atomkatastrophe steigen. Am 25. August wird das AKW erstmals in seiner Geschichte vom Stromnetz getrennt. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig den Beschuss des Kraftwerksgeländes und der Umgebung vor. © Planet Labs Pbc/dpa
Rauch steigt über einem Feuer in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Stadt Mykolajiw nach einem Beschuss durch die Streitkräfte der Ukraine auf.
Am 29. August gelingt den ukrainischen Truppen an mehreren Stellen in der Oblast Cherson ein Vorstoß über feindliche Frontlinien. Das russische Verteidigungsministerium bestätigt eine ukrainische Offensive bei den von Russland besetzten Gebieten in der Oblast Cherson und der Oblast Mykolajiw. © Kherson Region Emergency Service/Imago
Einheiten der ukrainischen Streitkräfte sind in der Region Charkiw unterwegs.
Im September erobert die Ukraine im Zuge ihrer Gegenoffensive in der Oblast Charkiw die strategisch bedeutsamen Städte Kupjansk und Isjum von Russland zurück und durchbricht die Frontlinie an mehreren Stellen.  © Imago
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.  © YASUYOSHI CHIBA/afp
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt.
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt. © GENYA SAVILOV/afp
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.  © afp

Scholz: „Die hohen Preise werden uns länger begleiten“

Sie haben eine konzertierte Aktion angekündigt, um die Bürger zu entlasten. Müsste dazu nicht auch gehören, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ganz zu streichen?
Die Bundesregierung hat zwei große Entlastungspakete geschnürt – 30 Milliarden Euro schwer. In den nächsten Wochen erhält jeder Arbeitnehmer, jede Arbeitnehmerin einen Energiezuschlag von 300 Euro, für jedes Kind kommen noch einmal 100 Euro hinzu. Wir haben befristet den Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket eingeführt und den Heizkostenzuschlag erhöht. Davon profitieren kleinere, mittlere und ganz normale Einkommen.
War’s das denn?
Die hohen Preise werden uns länger begleiten. Deshalb habe ich die Konzertierte Aktion wieder ins Leben gerufen. Wir wollen uns abstimmen mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern. Am 4. Juli wird das erste Treffen sein, um miteinander zu besprechen, was zu tun ist. Ziel ist es, dass wir uns unterhaken und einen gemeinsamen Plan entwickeln, wie wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entlasten können. Ich knüpfe damit bewusst an die Konzertierte Aktion an, die Ende der 60er unserem Land durch die Wirtschaftskrise geholfen hat.
Ist Ihr Plan: Eine Einmalzahlung der Tarifpartner, dafür nimmt der Staat sich bei der Mehrwertsteuer auf Grundnahrung raus?
Ich bitte um Verständnis: Was zu tun ist, entwickeln wir im Gespräch mit den Sozialpartnern, nicht nebenbei mal in einem Zeitungs-Interview. Ich werde bei unserem Treffen keine Tarifverhandlungen führen – das ist Sache der Tarifpartner. Aber das will ich gerne sagen: Die jüngste Vereinbarungen in der Chemie- und Stahlindustrie mit einer solchen Einmalzahlungen finde ich gut.

Ich bin von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewählt worden, weil sie mir etwas zutrauen: dass ich die Nerven behalte.

Kanzler Olaf Scholz (SPD)

Scholz zum G7-Gipfel: „Erhoffe mir Fortschritte“

Schauen wir auf den Gipfel in Elmau. Wird das das schwierigste, wichtigste Treffen der großen Nationen seit Jahrzehnten?
In Elmau treffen wir uns in einer sehr schwierigen Zeit - in Europa tobt ein brutaler Krieg. Die G7 werden über den Krieg in der Ukraine sprechen und darüber, wie wir das Land weiter unterstützen können in seinem Abwehrkampf gegen Russland. Mit Blick auf den Klimaschutz erhoffe ich mir Fortschritte. Ich schlage einen Klima-Club vor all jener Staaten, die bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden wollen und dabei gemeinsame Verfahren entwickeln. Es geht um den Kampf gegen den Hunger in der Welt, der ja gerade mit Blick auf den Ukraine-Krieg noch härter zu werden droht. Die G7 sind der Zusammenschluss der wirtschaftlich stärksten Demokratien der Welt. Die Demokratien der Zukunft liegen in Asien und Afrika. Deshalb habe ich ganz bewusst fünf Partnerländer nach Elmau eingeladen....
Indonesien, Indien, Senegal, Südafrika, Argentinien.
Mir ist wichtig zu zeigen: Es geht hier nicht um den Westen und die Länder der Nordhalbkugel, sondern um die Gemeinsamkeit der Demokratien, unsere Werte. Das wird einer der wichtigsten Momente dieses G7-Treffens.
Warum eigentlich Elmau, wieder ein Gipfel in Oberbayerns Bergen?
Das Hochtal ist wunderschön und den Gipfel von 2015 haben alle in bester Erinnerung.
Waren Sie selbst je dort?
Privat war ich mit meiner Frau mal in Elmau. Vor zwölf Jahren – wir haben von dort aus die Passion in Oberammergau besucht.
Zum Abschluss persönlich: Sie sind Kanzler in einer Kriegszeit, die ganze Welt schaut auf Sie und erwartet, dass unser Land diesmal auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Kann man da als Regierungschef noch ruhig schlafen?
(lange Pause) Ich bin von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewählt worden, weil sie mir etwas zutrauen: dass ich die Nerven behalte – auch wenn eine Lage schwierig ist. Und darauf können sie vertrauen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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