Regierungswechsel

Machtwechsel in Berlin: Schwarz-Rot startet mit einem schrägen Merz-Vergleich

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CDU, CSU und SPD unterzeichnen den Vertrag für das fünfte schwarz-rote Regierungsbündnis in Deutschland – in Feierlaune ist niemand.

Berlin – Das wäre nun auch erledigt. Zehn Wochen nach der Bundestagswahl haben CDU, CSU und SPD den Koalitionsvertrag unterzeichnet. Am Dienstag soll Friedrich Merz zum Kanzler gewählt werden, dann kann die Arbeit losgehen. Nichts anderes ist dieses politische Bündnis, eine Arbeits-Koalition. So hat sie Friedrich Merz mehrfach bezeichnet, auch am Montag im Gasometer im Berliner Bezirk Schöneberg sagt er es wieder. Klar ist damit auch, dass wie bisher schon auch bei diesem Termin wenig Euphorie in der Luft liegt.

Der Raum vor der Bühne ist komplett gefüllt. Ein Wimmelbild aus Politikern und Politikerinnen von SPD, CDU und CSU. Eingeladen sind alle, die mitverhandelt haben, und deshalb ist die Atmosphäre eigentümlich, denn die Zusammenstellung ist eine Mischung aus Alt und Neu. Manchen, wie beispielsweise Hubertus Heil und Karl Lauterbach, wird die Macht mit der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags entzogen. Sie wandert zu den neuen Ministerinnen und Ministern, die sich an diesem Montag händeschüttelnd einander vorstellen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Künftige Regierung steht: SPD gibt ihre Ministerinnen und Minister für die neue Regierung bekannt

Erst am Vormittag hatte die SPD ihre Ministerinnen und Minister für die neue Regierung bekanntgegeben. Dabei wird SPD-Chef Klingbeil wie schon zuvor angekündigt Finanzminister und Vizekanzler, Boris Pistorius bleibt auf dem Posten des Verteidigungsministers, die frühere Bundestagspräsidentin übernimmt das Ministerium für Arbeit und Soziales. Die anderen vier Ressorts gehen an Verena Hubertz (Bau), Stefanie Hubig (Justiz und Verbraucherschutz), Reem Alabali-Radovan (Entwicklung) und Carsten Schneider (Umwelt). Alle sind am Montagmittag anwesend, werden beglückwünscht und machen die Erfahrung, plötzlich von sämtlichen Leuten angesprochen zu werden. Die Machtübertragung ist sichtbar.

Koalitionsvertrag unterzeichnet: Merz‘ Regierung wird sich bemühen, „verlässlich“ zu sein

Auf der Bühne ergreift Merz als Erstes das Wort und startet mit einem etwas schrägen Vergleich. Den Gasometer, den Ort der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags, erklärt er zum Sinnbild für diese Koalition. Dieser stillgelegte Niedrigdruck-Gasbehälter sei ein Industriemuseum und gleichzeitig ein Ort modernster Forschung. „Hier wird an der Zukunft gearbeitet auf dem Fundament alter Industrien“, sagt er und biegt anschließend in weniger kühnes Kommunikationsterrain ab.

Von links nach rechts: Markus Söder (CSU), Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil (SPD)

Was sich hier formiert, sagt Merz, sei eine „Regierung, die vom ersten Tag an darum bemüht sein wird, verlässlich zu sein“. Er ist, wie schon in den vergangenen Wochen, sehr bemüht darum, seiner Kanzlerschaft größtmögliche Seriosität zu verleihen. Dazu reiht er immer wieder Begriffsketten aneinander. „Ernsthaft, konzentriert, problembewusst“ – „kraftvoll, planvoll, vertrauensvoll“. Kein Schnickschnack, sondern konkrete Arbeit. Das war die zentrale Botschaft seiner bemerkenswert kurzen Rede.

Merz‘ Regierung: Künftige Regierung unterzeichnet Koalitionsvertrag in Berlin

SPD-Chef Lars Klingbeil redet länger, viel länger. „Wir leben in Zeiten der Umbrüche“, sagt er, „und es liegt an uns, ob wir diese Umbrüche gestalten – oder ob wir am Ende gestaltet werden.“ Anschließend referiert er große Teile des Koalitionsvertrags. Zunächst die Themen, die die SPD als Erfolg verbucht: Mindestlohn, Bürokratieabbau. Und dann die Themen, die innerhalb der SPD weniger begeistert aufgenommen wurden: Migrationspolitik, Senkung der Körperschaftsteuer. Es wirkte so, als wolle er sämtliche Inhalte des Koalitionsvertrags in Erfolge umdeuten – oder eben wie eine große Rechtfertigung. Ansichtssache.

Künftige Regierung unter Merz will „Vertrauen in die Demokratie“ schaffen

Die bisherige, aber wohl nicht künftige Co-Parteichefin Saskia Esken steht direkt neben ihm. Sie zieht, anders als lange Zeit vermutet wurde, nicht als Ministerin ins Kabinett ein. Ihre Zukunft als Parteivorsitzende ist ebenfalls ungewiss. Was aus ihr wird, weiß womöglich nur sie selbst, als sie anfängt zu sprechen. Esken betont, dass das Ziel dieser Koalition auch sein müsse, das „Vertrauen in die Demokratie“ wieder zu stärken. Dazu müssten sich die Menschen „sichtbar“ von dieser Regierung vertreten fühlen und den Feinden der Demokratie „als vielfältige und offene Gesellschaft entgegentreten“. Falls sie Missgunst fühlen sollte, lässt sie sich diese jedenfalls nicht anmerken.

Ähnliche Worte hatte CSU-Chef Markus Söder gefunden, mit dem Esken wie schon bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags amüsiert scherzt. Die Demokratie, sagt Söder, sei stark und man brauche keine Angst vor den Feinden der Demokratie zu haben: „Wir sollten uns auf das besinnen, was wir könnten.“ Auch er bezeichnet die Koalition als „Verantwortungsgemeinschaft“ und wagt dann doch, was bisher noch keiner in Bezug auf diese neue Koalition gewagt hat: ein wenig Euphorie. „Es ist Zeit“, sagt Söder, „für neuen Optimismus.“ Dazu muss am Dienstag aber erst mal alles glattgehen: Schwarz-rot hat im Parlament genau zwölf Stimmen Mehrheit. (Florian Weber)

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